Trekking FAQ – Alles was Du vor Deiner Tour wissen solltest

Norwegen Jedermannsrecht

Fragen über Fragen. Ich gebe hier Antworten auf die häufigsten Fragen rund ums Trekking. Für Einsteiger, Freunde und Familie. Denn gerade vor den ersten eigenen Trekkingtouren kommen viele Fragen auf. Und wenn man dann die ersten Touren erlebt hat kommen neue Fragen auf.

Was ist Trekking?

Gut, wenn Du auf dieser gelandet bist weißt Du das wahrscheinlich schon. Unter Trekking versteht man eine mehrtägige Wanderung ohne feste Unterkünfte. Übernachtet wird im Zelt, unter einem Tarp oder gleich unter freiem Himmel. Auf Trekkingtouren folge ich meist befestigten oder zumindest markierten Wegen. Unter Trekking versteht man aber genauso auch Touren abseits jeglicher Infrastruktur.

Dabei wird das Wandern sehr weit gefasst und umfasst neben dem klassischen Wandern zu Fuß auch Touren mit Rad, Kanu, Ski oder auch Schneeschuhen. Also verschiedene Outdoor-Aktivitäten bei denen man mit eigener Antriebskraft vorwärtskommt.

Wie plane ich meine Trekking-Tour?

Für den Einstieg ist es am Besten wenn man sich an bekannte Routen hält. Im Internet und auch auf dieser Seite findest Du viele Tourenbeschreibungen. Wenn Du Dich dann für eine Tour entschieden hast kannst Du für die Detailplanung einen Führer und eine Karte für Deine Tour holen.

Tourplanung Hardangervidda

Tourplanung Hardangervidda – Alle Etappen sind geplant, die Etappenziele auf der Karte markiert

Ich gehe die Tour dann immer auf der Papierkarte oder auf einer GPS-Karte durch und plane meine Tour vor. Grober Etappenverlauf, mögliche Übernachtungsplätze, Trinkwasserversorgung, benötigte Ausrüstung, schwierige Stellen und Alternativrouten zum Umgehen derselben. Zusätzlich stelle ich mir noch die wichtigsten Reiseinformationen für das Tourengebiet zusammen.

Zu guter Letzt informiere ich vor der Tour noch jemanden über meinen geplanten Tourverlauf und vereinbare ob und wann ich mich von unterwegs melde.

Wie berechne ich die Gehzeit beim Wandern?

Eine sehr schwierige Frage. Schwierig, weil sie von vielen Faktoren abhängt. Allen voran Deine eigene Fitness bzw. Gewöhnung an das Gehen mit Rucksack, die Wegstrecke, die Höhenmeter und die Wegbeschaffenheit. Während man querfeldein auch mal nur 2-3 km in der Stunde vorwärts kommt kann man auf einem ebenen gut ausgebauten Weg auch mal 6 km pro Stunde vorwärts kommen. Die Wandergeschwindigkeit variiert also sehr stark. Als grobe Orientierung hier eine Faustformel des DAV, die aber nicht die Wegbeschaffenheit berücksichtigt:

Ein Wanderer legt in einer Stunde zurück:

  • 300 m im Aufstieg
  • 500 m im Abstieg
  • 4 km Horizontalentfernung

Die tatsächliche Gehzeit lässt sich errechnen, indem von den für Horizontal- und Vertikalentfernung errechneten Zeiten der kleinere Wert halbiert und zum größeren addiert wird.

Mit dieser Formel als Orientierung komme ich in der Regel gut klar. Meist ist es auch so, dass man nach den ersten 2-3 Tagen gut ins Wandern reinkommt und ganz von alleine einiges zügiger vorankommt.

Pause auf Tour

Pause auf Tour

Mit welchem Training werde ich fit für Trekking?

Neben der Tourplanung ist die eigene Vorbereitung mindestens genauso wichtig. Zumindest wenn Du nicht ohnehin schon jedes Wochenende auf Tour bist. Damit Du auf Deiner Trekkingtour auch Spaß hast und Dich auch sicher bewegen kannst solltest Du Deine Kondition und Trittsicherheit auf jeden Fall trainieren.

Die Beste Vorbereitung ist es einfach auf Wanderungen und Wochenendtouren mit Deinem gepackten Rucksack in der Umgebung zu gehen. Hier kannst Du auch als Solo-Wanderer herausfinden ob das etwas für Dich ist alleine unterwegs zu sein. Die einen lieben es, für andere gibt es nichts schlimmeres als 24h am Tag alleine unterwegs zu sein…

Wie Du Deine Kondition trainierst

Wenn Du mehrere Tage am Stück täglich über viele Stunden weite Strecken gehst brauchst Du Langzeitausdauer. Spätestens drei Monate vor Deiner Tour darfst Du anfangen Dich gezielt vorzubereiten.

Was Du dafür weglassen darfst sind Rauchen, Alkohol und Couch-Potato Wochenenden. Im Gegenzug darfst Du starten Dich gesund zu ernähren und Dich vor allem zu bewegen. Im Alltag kannst Du Dich mit 10.000 Schritten am Tag motivieren. Wenn Du anfängst Deine Schritte z.B. mit Deinem Handy zu zählen wirst Du erstaunt sein wie wenig wir uns im Alltag bewegen. Aber du kannst sehr leicht Deine Bewegung im Alltag erhöhen. Da kannst z.B.:

  • Treppen statt dem Aufzug nutzen
  • nicht den nähesten sondern den am weitesten entfernten Parkplatz nutzen
  • eine Haltestelle früher aussteigen
  • zu Fuß statt mit dem Auto einkaufen gehen
  • die fehlenden Schritte am Abend mit einem Spaziergang gehen

Auf einer Trekkingtour gehst Du übrigens gerne mal 20-30.000 Schritte am Tag.

Du schaffst die 10.000 Schritte schon ohne Probleme? Super! Dann kannst Du Deine Kondition jetzt noch mit Ausdauersportarten wie Joggen, Radfahren und Wandern weiter aufbauen. Je mehr Höhenmeter dabei sind desto besser. 2-3 mal wöchentlich für je 30-60min sollten es auf jeden Fall sein.

Wie Du Deine Trittsicherheit trainierst

Beim Trekking wirst Du in den seltensten Fällen auf befestigten Wegen unterwegs sein. Von schmalen Pfaden über sumpfiges Gelände über Blockwerk und felsiges Gelände wirst Du auf alle möglichen Untergrundarten treffen. Da werden Deine Gelenke herausgefordert. Sie gleichen letztlich den ganzen Tag Dein Gewicht inkl. Rucksack aus. Eine Belastung die wir aus dem Alltag nicht kennen.

Trainieren kannst Du Deine Trittsicherheit auf der einen Seite wie gehabt indem Du kleine Touren mit Gepäck gehst und auf der anderen Seite mit gezielten Übungen für die Gelenke. Dafür eignen sich z.B. Übungen auf einem Balancekissen  – für Fortgeschrittene auch auf einem Bein.

Wo Du noch mehr Trainingsinformationen findet

Einige Outdoor-Blogger haben schon sehr ausführliche Artikel zum Thema „Fit for Trekking“ veröffentlicht. Hier eine kleine Auswahl:

Welche Ausrüstung brauche ich?

Beim Trekking hat man sein Zuhause immer mit dabei. Damit ist auch schon grob umschrieben was man alles benötigt. Wenn Du neu einsteigst darfst Du als erstes die großen vier angehen: Rucksack, Schlafsack, Isomatte und Zelt. Diese vier machen den größten Gewichtsanteil aus.

Dazu kommt dann noch Bekleidung für jedes zu erwartende Wetter, Verpflegung inkl. Trinkwasser, Erste Hilfe Set, Kochset, Waschbeutel, Karte und Notfallhandy. Damit bist Du schon fast startklar. Mit Trekkingschuhen findest Du auf jedem Untergrund einen guten Halt. Das ganze dann noch mit persönlichen Sachen und tourspezifischer Ausrüstung (z.B. Mückenschutz fürs Fjell) ergänzt und schon kann es losgehen.

Trekking-Packliste

Meine Trekking-Ausrüstung für Island vor dem Einpacken in den Rucksack

Klingt einfach, kann aber zu einer wahren Wissenschaft werden. Schließlich trägt man seine Ausrüstung tagelang auf dem Rücken. Da zählt jedes Gramm.

Also wird die Ausrüstung soweit es geht optimiert in dem Gegenstände die nicht wirklich nötig sind weggelassen werden, im Gewicht reduziert werden, für mehrere Funktionen verwendet werden oder selbst aus leichten Materialien hergestellt werden.

Wie das ganze dann im Detail aussieht siehst Du in meiner Trekking-Packliste. Und weil am Ende nur Du weißt was Du einpacken willst habe ich hier auch noch eine Trekking-Packliste als Excel-Download für Dich. Damit kannst Du Deine Ausrüstung planen und dabei immer das Gewicht im Auge behalten.

Für den Anfang empfehle ich Dir aber möglichst wenig neu zu kaufen und Dir von Freunden das ein- oder andere erstmal auszuleihen. Außerdem kannst Du auf gemeinsamen Touren mit anderen vieles begrabbeln, ausprobieren und herausfinden was wirklich zu Dir passt.

Was ist Ultraleicht-Trekking?

Unter Ultraleicht-Trekking bezeichnet man Trekking mit weniger als 5kg Rucksackgewicht. Antrieb in die Welt des Ultraleicht-Trekkings einzutauchen ist auf der einen Seite die geringere Belastung der Gelenke und das einfachere, „unbeschwerte“, Vorwärtskommen ohne schweren Rucksack, auf der anderen Seite aber natürlich auch eine gewisse Grenzerfahrung und Ausrüstungs-Spielerei. Deshalb sollte man Ultraleicht-Trekking auch nur mit Erfahrung angehen. Man geht hier schnell an seine Komfort- und im schlechtes Fall auch an eine Sicherheitsgrenze.

Damit man noch weiß wo man sich gerade mit seinem Rucksackgewicht befindet haben sich folgende Gewichtsgrenzen für das Basisgewicht, also ohne Verpflegung, Wasser und Brennstoff, etabliert:

  • bis 5kg: Ultraleicht-Trekking
  • 5-9 kg: Light-Trekking
  • mehr als 9g: traditionelles Trekking

Ich selbst bin in der Regel im Bereich des Leicht-Trekkings unterwegs, probiere aber gerne immer leichtere Ausrüstungsgegenstände aus und reduziere so kontinuierlich das Rucksackgewicht.

Woher bekomme ich Trinkwasser?

Trinkwasser ist lebenswichtig. Jeder der schon einmal bei großer Hitze und sportlicher Betätigung nicht rechtzeitig den Flüssigkeitshaushalt ausgeglichen hat hat schon am eigenen Leib zu spüren bekommen wie schnell der Körper ohne Wasser seine Leistungsfähigkeit einbüßt. Und Trekking ist letztlich mehrstündiger Sport.

Ich habe mir angewöhnt grundsätzlich immer 2l Wasser dabei zu haben wenn ich nicht permanent an Trinkwasser entlang gehe.

Für die Versorgung in der Natur entnehmen wir das Wasser grundsätzlich immer aus fließendem Gewässer oberhalb weide- und landwirtschaftlicher Nutzung oder direkt aus einer Trinkwasserquelle. Schon vor der Tour hast Du speziell für Dein Tourengebiet recherchiert ob und wie Du das Wasser vor dem Verbrauch z.B. noch mit einer mechanischen Filterung oder einer chemischen Entkeimung aufbereiten musst. Mehr zum Thema Wasseraufbereitung findest im Wiki von outdoorseiten.net.

Wenn Du in der Zivilisation unterwegs bist würde ich mir um Wasseraufbereitung aber nicht zu viele Gedanken machen. Einfach auf dem Weg Bewohner nach Leitungswasser fragen anstatt zu viel Energie in die hierzulande fast ausnahmslos notwendige Wasseraufbereitung zu machen. Meist entwickelt sich noch ein nettes Gespräch und oft gibt es auch gleich noch Tipps für einen schönen Platz zum Übernachten gratis dazu.

Brauche ich für Trekking ein GPS-Gerät?

Ein GPS-Gerät ist lange nicht für alle Touren notwendig. Solange Du z.B. auf markierten Wegen in Zivilisationsnähe bleibst wirst Du es nicht wirklich brauchen. Je weiter es in wirkliche Wildnis geht desto sinnvoller ist es aber eines mitzunehmen. Schon allein als Backup für Karte und Kompass.

Garmin eTrex 30x

Garmin eTrex 30x

Bis vor kurzem war ich selbst noch ohne GPS unterwegs, heute nehme ich es aber sehr gerne mit. In weglosem Gelände ist die Orientierung damit kinderleicht und in dicht besiedelten und mit vielen Wegen durchzogenen Gegenden findet man leichter den richtigen Abzweig. Ich nutze dafür ein sehr einfaches und stromsparendes Garmin eTrex 30x und ersetze damit auf kurzen Touren inzwischen auch den Kauf unzähliger Papierkarten.

Alternativ kannst Du auf kürzeren Touren auch Dein Handy als Backup nutzen wenn es einen GPS-Empfänger hat. Aber vergesse nicht vor der Tour eine Karte auf dem Handy zu speichern, Du wirst nicht immer Netzempfang haben. Für eine ständige Orientierung eignet sich das Handy aber nicht da der GPS-Empfang den Akku des Telefons sehr schnell leersaugt!

Wie furte ich richtig?

Furten ist das Durchqueren eines Flusses zu Fuß. Damit Du dabei nicht im Wasser landest und sicher am anderen Ufer ankommst solltest Du einige Punkte beachten:

  1. Informiere Dich im Vorfeld über aktuelle Pegelstände und Gefahren des zu durchquerenden Flusses.
  2. Bergstiefel ausziehen und Sandalen mit Zehenschutz anziehen (z.B. Crocs). Nie barfuß gehen. Du siehst den Untergrund nicht und kannst Dich schnell an scharfen Steinen stoßen!
  3. Suche Dir eine breite Stelle. Hier sollte die Strömung am Schwächsten und die Wasserhöhe am niedrigsten sein.
  4. Lasse den Hüftgurt Deines Rucksackes immer offen. So kannst Du ihn bei einem Sturz leichter ablegen.
  5. Gehe immer gegen den Strom. Wenn Du mit dem Strom gehst ist die Gefahr zu Stürzen größer und wenn es passiert liegst Du mit dem Gesicht ins Wasser während Dich Dein Rucksack von hinten nach unten drückt.
  6. Nutze Stöcke zum Ausgleich und Abtasten des Untergrundes
  7. Sicherheit geht immer vor! Sobald Du Dich unsicher fühlst solltest Du sofort umkehren.

Furten ist an sich kein Hexenwerk aber Wasser hat eine unheimliche Kraft. Schnell kann ein Fluss u.a. nach starken Regenfällen oder geothermalen Aktivitäten anschwellen und unüberwindbar werden. Im Zweifel gehst Du also immer auf Nummer sicher und suchst Dir eine Alternativroute als ein Risiko einzugehen.

Wo ist Wildcampen erlaubt?

Glücklicherweise in den meisten skandinavischen Ländern. Hier gilt das Jedermannsrecht, dass mit wenigen Einschränkungen das Wildcampen in der freien Natur erlaubt. Grundsätzlich ist das Wildzelten in Europa aber überwiegend verboten.

Big Sky Chinook 1P

Big Sky Chinook in Norwegen – Dank Jedermannsrecht darf man hier sein Zelt in der freien Natur aufschlagen

Und wie findet man in Deutschland einen geeigneten Zeltplatz?

  1. Es gibt inzwischen immer mehr Trekking-Zeltplätze in Deutschland. Man bucht die Übernachtung im Vorfeld bei den jeweiligen Behörden und erhält im Gegenzug die Koordinaten des Zeltplatzes.
  2. Fragen hilft – Wenn ihr bei Landwirten nach einem geeigneten Zeltplatz in der Nähe fragt kann euch nicht viel passieren. Im schlechtesten Fall müsst ihr noch ein Stück weiter laufen, im überwiegenden Fall dürft ihr ganz legal mit Erlaubnis des Grundstückeigentümers euer Zelt aufschlagen.
  3. Unter den vielen Zelt- und Campingplätzen gibt es auch einige sehr schöne Naturzeltplätze. Diese Plätze haben entweder extra abgetrennte und abgelegene Zeltwiesen oder sind gleich von vorneweg nicht für Camper ausgelegt. Auf manchen Plätzen fühlt man sich so schon fast wie in der freien Natur.

Wie bereite ich mich auf meine allererste Trekkingtour vor?

Das sind jetzt schon ziemlich viele Informationen rund ums Trekking. Aber keine Angst. Die Beste Vorbereitung ist einfach auf Tour zu gehen. Bevor es gleich auf eine mehrwöchige Tour geht erst mal im Kleinen. Suche Dir eine schöne Gegend in der Nähe, packe Deinen Rucksack als ginge es auf große Tour und mache eine Trekkingtour übers Wochenende.

Dabei kannst Du alles zivilisationsnah testen. In der Praxis merkst Du schließlich am Besten wie sich Deine Ausrüstung schlägt und wie Dein Körper mit der ungewohnten Belastung umgeht. Damit Du dabei Spaß hast auch wenn vielleicht noch nicht alles klappt suche Dir eine nicht zu schwere aber landschaftlich für Dich reizvolle Tour aus bei der Du jederzeit aussteigen kannst wenn Dir danach ist.

Viel Spaß auf Deiner ersten Tour!

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