Hardangervidda Ost-West Durchquerung – 5 Tage Trekking im Fjell

Hardangervidda Ost-West Durchquerung

Die Hardangervidda ist ein wahrer Trekkingtraum. Die Ost-West Durchquerung bietet sich dank 8.000 km² Plateaufjell zum Trekking an. Über die endlose Weite der norwegischen Hochebene geht es in 5 Tagen von Geilo nach Liseth durchs Fjell. Nach langen Jahren im Hinterkopf bin ich endlich über die Hardangervidda gewandert.

Tourinformationen

GPS-Track und Karte

Karte und GPS-Track Hardangervidda (Kartendaten © 2018 Google)

Karte und GPS-Track Hardangervidda (Kartendaten © 2018 Google)

Als Karte habe ich mir die „Hardangervidda Outdoor Map“ im Maßstab 1:150.000 besorgt. Normalerweise würde ich mir eine genauere Karte besorgen, aber dieses mal hatte ich das erste mal als Backup das Garmin eTrex 30x GPS-Gerät dabei. Die Wege an sich sind markiert und so war die Orientierung auch kein Problem. Das GPS hatte ich dann im Regen aber doch häufiger als die Papierkarte verwendet.

Literatur

  • Traumtreks Norwegen – Bruckmann
  • Norwegen: Hardangervidda – Conrad Stein Verlag

Markierung und Wegbeschaffenheit

Der Weg ist durchgehend mit dem typischen roten T markiert. Wo es sehr nass ist ist der Weg mit Pflöcken markiert. Das führt auch gleich zu der Bodenbeschaffenheit. Abwechselnd auf festem Trampelpfad oder durch sumpfige Passagen geht es über die Hardangervidda. Gamaschen nicht vergessen! Flüsse müssen hin und wieder überquert werden was aber überall ohne Furten möglich ist. Nur einmal muss ein Fluss auf auf Steinen balancierend überquert werden, ansonsten sind alle Flüsse mit einfachen Brücken ausgestattet.

Ausgangs- und Endpunkt

Ich starte die Tour in Geilo, dem größten Wintersport- und Wanderort am östlichen Rand der Hardangervidda. Hier gibt es sämtliche Einkaufs- und Unterkunftsmöglichkeiten die man sich nur vorstellen kann.

Endpunkt ist Liseth. Liseth befindet sich nur 700m vom Vøringfoss entfernt in der Gemeinde Eidfjord. Nach Bergen sind es 170 km, nach Oslo 300 km. Oder Du gehst zum 1km entfernten Garden weiter wo sich ein Campingplatz befindet. Der Campingplatz bietet alles was man nach ein paar Tagen Tour braucht. Duschen, Waschmaschine, Aufenthaltsraum und einen kleinen Supermarkt. Das bietet sich vor allem an wenn Du noch weiter rund um den Hardangerjokulen oder nach Finse weitergehen willst.

Verkehrsanbindung

Mit dem Auto erreicht man Liseth, Garden und Geilo ganz bequem auf der E7. Hier fährt auch je zweimal am Tag auch ein Bus in Richtung Bergen und Oslo. Ich würde aber auf jeden Fall empfehlen den Bus nur zurück nach Geilo zu nutzen und von hier aus dann mit der berühmten Bergenbahn weiter nach Bergen oder Oslo zu fahren.

Bahnhof Geilo - von hier fährt die Bergenbahn in Richtung Bergen und Oslo

Bahnhof Geilo – von hier fährt die Bergenbahn in Richtung Bergen und Oslo

Etappen

  • Geilo – Tuva (↑ 605m → 21km ∅ 7,5h)
  • Tuva – Heinseter – Rauhellern (↑ 340m → 30km ∅ 7,5h)
  • Rauhellern – Sandhaug (↑ 130m → 30 km ∅ 8h)
  • Sandhaug – Hadlaskard (↑ 60m → 22km ∅ 6h)
  • Hadlaskard – Hedlo – Liseth (↑ 500m → 27km ∅ 9,5h)

Man kann die Tour schön verlängern wenn man den Übergang von der Ost-West Durchquerung nach Norden mit einer Besteigung des Hartaigen (1.690m) verbindet.

  • Sandhaug – Litlos (↑ 260m → 29km ∅ 8,5h)
  • Litlos – Harteigen – Hadlaskard (↑ 650m → 24km ∅ 8h)

Ausrüstung

Die Tour war eine reine Trekkingtour mit dem Zelt. Zwar liegen auf der Route zahlreiche Hütten, aber der Reiz liegt ja gerade daran in der Natur zu sein. Die spontane Routengestaltung ist zudem nur mit dem Zelt möglich da man die Hütten für den Sommer bereits weit im Vorfeld beim DNT reservieren müsste.

Zusätzlich zur „Standard-“ Trekking-Packliste hatte ich dieses mal auch einen Mückenschutz für den Kopf mitgenommen. Bei Windstille kann es in der Hardangervidda schnell zu großen Mückenschwärmen kommen. Das hatte ich zum Glück aber nur während dem ersten Aufstieg – danach hatte es immer ausreichend Wind und Regen.

Für die sumpfigen Passagen solltest Du Deine Gamaschen einpacken. Ich hatte sie nicht dabei und habe das das ein- oder andere Mal doch bereut. Vor allem wenn der Schnee im Frühsommer gerade erst geschmolzen ist steht noch sehr viel Wasser auf der Vidda.

Reisebericht und Erfahrungen

Anreise

Die Anreise war anstrengend. Da ich nach der Trekkingtour noch einen Roadtrip durch das Fjordland geplant habe bin ich mit dem Auto angereist. Auch wenn ich am Vorabend schon in Hirtshals übernachtet habe zieht sich die Anreise nach Geilo bis 17:00 Uhr. Die Strecke ist zwar nicht lang, aber mit Fähre und kurvigen Landstraßen eben nicht die Schnellste Verbindung. Nur für die Trekkingtour wäre eine Anreise mit dem Flugzeug nach Oslo und von hier aus mit der Bergenbahn sicher schneller und wahrscheinlich sogar bequemer gewesen.

Ich stelle das Auto direkt in Geilo ab und starte meine Tour direkt im Ortszentrum.

Geilo – Tuva

Von hier aus geht erstmal direkt zum Ustedalsfjorden. An ihm laufe ich inmitten von Mückenschwärmen entlang. Am „Geilo Beach“ vorbei bis es nach dem See in den Aufstieg geht. Erst durch einen Birkenwald, dann aber bald schon in merklich spärlicher Vegetation ehe man auf einen schönen Aussichtspunkt über den See kommt.

Hier ist dann schon Vorsicht angesagt. Die Wegmarkierungen sind spärlich und fortan greife ich zum Garmin eTrex zur Navigation – so genau ist die Papierkarte dann doch nicht. Ich steige noch bis an den Rand der Hochebene auf und suche mir ein schönes Fleckchen an einem kleinen See mit Bach fürs Nachtlager.

Zelt Big Sky Chinook 1P

Mein Zelt Big Sky Chinook 1P in der ersten Nacht auf der Hardangervidda

Am nächsten Morgen sind die Mücken verschwunden – es regnet in Strömen. Also gehe ich erst am späten Vormittag los. Über den Ustetind (1.376m) gehe ich nach Tuva. Anstrengend. Ich hätte wohl etwas besser für die Trekkingtour trainieren sollen. Nach einer kleinen Pause in Tuva gehe ich noch ein Stück weiter. Zunächst ist das eine recht feuchte Angelegenheit, aber in Hüttennähe sind die größten Schlammlöcher sogar nicht Holzbohlen entschärft. Trotzdem dauert es heute ein wenig bis ich einen schönen Platz inmitten der Seen finde. Nicht dass es hier nicht genug schöne Plätze gäbe – es standen nur schon einige bunte Zelte in der Landschaft und ein wenig Abstand sollte es dann schon sein.

Tuva – Heinseter – Rauhellern

Eine traumhafte Etappe. Genau so habe ich mir die Hardangervidda vorgestellt. Unendliche Weite im Fjell. Der Weg halbwegs trocken, nur hin- und wieder sind ein paar feuchtere Abschnitte auf Steinen balancierend zur überqueren.

Der Wind vertreibt derweil die Mücken und zeitweise kommt sogar die Sonne heraus. So erreiche ich schnell die Hütte Heinseter, stärke mich mit Riegeln und fülle meine Trinkblase auf. Der weitere Weg ist einfach eine herrliche einsame Fjellwanderung. Nach Rauhellern gehe ich noch ein Stück am Langesjøen entlang.

Was mir allerdings noch fehlt ist Trinkwasser. Zwar kreuze ich viele Bäche aber hier wird das Land tatsächlich bewirtschaftet. Letztlich nehme ich zwei Kilomter nach Rauhellern das Wasser aus einem Bach, entkeime es aber zur Sicherheit mit Tabletten. Ein Platz mit Seeblick ist auch schnell gefunden.

Rauhellern – Sandhaug

Auch heute beginnt der Tag vielversprechend. In der Nacht hatte es zwar wieder geregnet aber der Morgen ist trocken. Nach einem Aufstieg geht es weitestgehend Eben weiter. Mal sumpfig, aber daran habe ich mich inzwischen gewöhnt, mal auf einem schönen trockenen Pfad. Ansonsten, was soll ich sagen… Fjell eben – ich mag´s :-).

Auf dem letzten Stück nach Sandhaug erwischt es mich dann aber. Von jetzt auf gleich setzt Starkregen ein. Gerade hatte ich noch eine kleine Zwischenpause eingelegt und mir überlegt wie weit es heute noch gehen könnte. So schnell schaue ich gar nicht, da bin ich schon komplett durchnässt. Wirklich komplett. Die Jacke hatte ich zwar zum Windschutz schon an, für die Regenhose reichte die Zeit aber nicht mehr.

Das "rote T". - Die Wegmarkierung in Norwegen

Das „rote T“. – Die Wegmarkierung in Norwegen

So komme ich tropfnass an der Hütte in Sandhaug an, nutze den Vorraum kurz zum Aufwärmen und trinke eine Milch – Wann hat man schon mal frische Milch auf einer Trekkingtour? Nach einiger Zeit lässt der Regen nach und ich breche wieder auf. Ich gehe noch bis ans Ende des Nordmannslagen und finde im Aufstieg am Ende des Sees eine traumhafte Stelle an einem Bach mit Gumpe. Die Gumpe wird dann gleich als Badewanne genutzt. Frisch, aber nach ein paar Tagen auch erfrischend. So geht es frisch gebadet ins Zelt wo ich mir noch eine Trekkingmahlzeit koche und schnell einschlafe.

Sandhaug – Hadlaskard

Ein wunderschöner Höhenweg erwartet mich heute. Dabei geht es lange Zeit direkt über Fels, an Seen vorbei uns erst im Abstieg nach Hadlaskard wieder durch sumpfiges Gelände.

Davor aber geht es bei peitschendem Wind und Regenschauern durch die karge Landschaft. So begegne ich heute niemandem auf dem Weg. Das Wetter lädt an sich nicht wirklich zum Wandern ein aber mir gefällts. Ich gehe allerdings auch direkt mit Regenhose, Jacke, Mütze und Handschuhen los. So pfeift mir zwar der Wind und der Regen um die Ohren aber es macht mir nicht viel aus so lange ich mich bewege. Für Pausen suche ich mir einen windgeschützten Platz.

Ein besonders schönes Stück dann kurz bevor der Abstieg beginnt. Mitten zwischen zwei Seen (oder ist es eigentlich nur einer?) geht es auf einem Wall in vollem Wind entlang. Am Ende quert man dann die Verbindung der beiden Seen.

TrekkingTrails

Ein toller Weg bei peitschendem Wind auf einem Kamm zwischen Wasser

Der Abstieg führt dann wieder durch einiges an Vegetation, schließlich liegt Hadlaskard doch schon wieder einiges tiefer. Ich übernachte ein gutes Stück nach Hadlaskard im Aufstieg.

Hadlaskard – Hedlo – Liseth

Die letzte Etappe ist dann völlig anders als die letzten Tage. Natürlich regnet es wieder, aber dafür gehe ich ja schon seite Tagen eh nur noch in Regenhose los, aber die Landschaft verändert sich heute komplett. Schon auf der Karte sieht man, dass man jetzt durch viel mehr Vegetation läuft.

So geht es nur am Anfang nochmal vegetationsfrei ein Stück hoch bevor es schnell durch Birkenwald geht. Eine lange Zeit folgt der Weg dabei einem Fluss. Der letzte Abstieg hat es dann endgültig in sich. Auf rutschigem Fels geht es steil nach Liseth bergab. Ein Wunder dass ich hier nicht ausgerutscht bin. Zum Glück habe ich vor der Tour noch meine Wanderschuhe neu besohlen lassen. Entschädigt wird man dafür aber mit einem schönen Wasserfall kurz vor Liseth.

Ein Fluss ohne Namen ist unser Begleiter auf unser letzten Etappe durch die Hardangervidda

Ein Fluss ohne Namen ist unser Begleiter auf unser letzten Etappe durch die Hardangervidda

In Liseth angekommen gehe ich noch bis nach Garden auf den Campingplatz weiter. Es ist Zeit für eine Dusche, Klamotten waschen und ein paar Leckerreien aus dem kleinen Supermarkt des Zeltplatzes bevor es weiter zum Hardangerjokulen geht. Die Zeltwiese ist aber nach dem vielen Regen eher ein Sumpf – da hatte ich ehrlicherweise in der Hardangervidda trotz Regen trockenere Plätze gefunden. Aber was tut man nicht für eine Dusche :-).

Fazit

Warum bin ich die Tour gleich nochmal erst jetzt gegangen? Seit Jahren schwebte mir die Tour vor. Für viele zu Recht ihr Einstieg in die Welt des Trekkings war es auch für mich eine tolle Tour. In der Weite der Hardangervidda verlieren sich die vielen Wanderer schnell, ein Jedermannsrecht dass es erlaubt mitten in der Natur Dein Zelt aufzuschlagen, Trinkwasser ohne Ende (solang man kein Lemmingjahr erwischt) – was will man noch mehr?

Richtig – man will einfach noch mehr davon. Dann kann man schonmal anfangen von einer Wintertour mit Backcountry-Ski durch die Hardangervidda oder einer Nord-Süd-Durchquerungzu träumen… – Oder Du wanderst direkt weiter rund um den Hardangerjokulen nach Finse.