Dovrefjell – 5 Tage Trekking in Norwegens Wildnis

Dovrefjell

Dovrefjell – Einsame Berge, weite Täler, eisige Seen. Eine Tour durch das Dovrefjell führt Dich mitten in den Lebensraum von Moschusochsen und Fjordpferden.

Tourbeschreibung

In einer weiten Runde führt uns die Tour durch den Dovre­fjell-Sunndalsfjella-Natio­nalpark, einer typischen Hochfläche Norwegens mit einigen hohen Gipfeln im Zentrum. Das Landschaftsbild ist von Flechten, Moos und Felsen bestimmt. Das Wetter ist, wie so oft in Norwegen, rau und abwechslungsreich. Selbst im Sommer kann es zu Schneefällen kommen.

Das Dovrefjell ist auch das Reich der Moschungsochsen. Vor allem im süd-westlichen Teil ziehen die kleinen Herden durch die Berge. Mehr als 200m sollte man sich diesen pflanzenfressenden Riesen aus der Eiszeit nicht nähern, fühlen sie sich bedroht zeigen sie es einem u.a. mit einem Schnauben und Scharren am Boden an. Wer Ihnen dann immer noch zu nahe kommt darf mit „blitzschnellen Gegenangriffen zur Selbstverteidigung“ rechnen.

Dass man sie aber überhaupt zu Gesicht bekommt ist natürlich nicht garantiert.

Der Snøhetta (2286m), lange Zeit als höchster Berg Norwegens vermutet (der liegt jedoch mit dem Galdhøpiggen (2.469m) tatsächlich in Jotunheimen), ist der höchste Gipfel des Nationalparks. Bergerfahrung ist für die schwarze Tour auf das Dach des Dovrefjell zu empfehlen. Alternativ kann man ihn aber auch umgehen.

Dovrefjell-Karte

Dovrefjell – Karte und GPS-Track

Toursteckbrief

  • Strecke: 90,3 km
  • Höhenmeter: +1.860 / -2.300 m
  • Start: Kongsvoll
  • Ende: Lønset
  • Anreise: mit dem Zug von Oslo oder von Hjerkinn (nach einer Tour durch das Rondane) nach Kongsvoll
  • Rückreise: 2x täglich Bus nach Oppdal, von hier weiter mit dem Zug 21 (SJ Nord) zurück zum Ausgangspunkt oder nach Oslo
  • Markierung: rotes „T“ des DNT
  • Wegbeschaffenheit: gut ausgetretene Pfade, lange Strecken über Blockwerk, keine Furten, ein sehr steiles Schneefeld
  • Beste Jahreszeit: Juli-August; auch im Sommer Altschneefelder
  • Übernachten: Wildcampen dank Jedermannsrecht möglich, ansonsten an / in den Hütten des DNT
  • Trinkwasser: ausreichend frisches Wasser am Weg

Karten

Papierkarten

  • Dovrefjell Vest Topo 3000 Wanderkarte, 1:50.000
  • Turkart 2829: Dovrefjell – Snøhetta, 1:50.000 (deckt nicht die ganze Tour ab)
  • Turkart 2497: Dovrefjell vest – Sunndalsfjella 1:100.000 (nicht mehr erhältlich)

OSM-Karten

Etappen

  • Kongsvoll Fjell­stue – Reinheim (↑ 750m ↓ 110m → 15km ∅ 5h)
  • Reinheim – Åmotsdalshytta (↑ 210m ↓ 250m → 9,3km ∅ 4h)
    • ∎ Variante: Reinheim – ▲ Snøhetta – Åmotsdalshytta (↑ 920m ↓ 880m → 11,3km ∅ 8h)
  • ∎ Åmotsdalshytta – Grøvudalshytta (↑ 290m ↓ 750m → 26,3km ∅ 9h)
    • ∎ Variante: Åmotsdalshytta – Dindalshytta (↑ 510m ↓ 670m → 25,3km ∅ 9h)
  • Grøvudalshytta – Gammelsetra (↑ 790m ↓ 810m → 16,9km ∅ 7h)
  • Gammelsetra – Lønset (↑ 340m ↓ 680m → 22,5km ∅ 6h)

(Schwierigkeitsbewertung nach DNT-Wegekategorien. Vor der Tour muss der aktuelle Zustand bzw. die aktuelle Schwierigkeitsbewertung eingeholt werden. Die Schwierigkeitsbewertung kann sich bei Regen schnell verändern (sumpfige Abschnitte, anspruchsvolles bis nicht mehr mögliches Furten)

Übernachten

Übernachten im Zelt ist Dank Jedermannsrecht in Norwegen fast überall erlaubt und auch im Dovrefjell kein Problem. Wer die Tour ohne Zelt gehen will kann aber auch in den Selbstversorger-Hütten übernachten (DNT-Hüttenschlüssel nötig!). An einer Hütte kann man auch für einen Obolus die sanitären Einrichtungen nutzen und direkt an den Hütten sein Zelt aufschlagen.

HütteZeltenSchlafplätzeTelefon
Reinheim3622 82 28 00
Åmotdalshytta3498 65 91 55
Grøvudalshytta3591 15 69 96
Gammelsetra3240 55 28 90
Dindalshytta1373 92 42 00

Tourbericht

Nur eine Bahnstation fahre ich zur Anreise. Von Hjerkinn, wo ich nach einer Tour durchs Rondane anbekommen bin, bis Kongsvoll. Beide Bahnhöfe sind schöne alte Fjellstationen. Es steigen nur wenige Fahrgäste aus, einen größeren Trekkingrucksack kann ich bei niemandem sehen. Die meisten sind wohl Tagesgäste die sich Kongsvoll ansehen und eine Tageswanderung zu den Moschungsochsen unternehmen werden.

Kongsvoll – Reinheim – Åmotsdalshytta

Nach einem kurzen Stück entlang der Straße beginnt der Weg durch das Dovrefjell an der Kongsvold Fjellstue. Gleich nachdem ich die Straße verlassen habe klären mich auch schon Informationstafeln über die Moschusochsen auf und geben Tipps für das Verhalten wenn sie einmal direkt den Weg säumen. Mindestens 200m Abstand soll man halten. Nach einigen Verhaltenshinweisen ein ebenso kurzes wie eindrückliches Statement:

„Das Moschusrind greift nur zur Selbstverteidigung an: Sie sind also selber Schuld, falls etwas passiert.“

In die Verlegenheit den Moschusochsen zu Nahe zu kommen komme ich aber gar nicht erst. Obwohl die Chance gerade auf der ersten Etappe groß sei und ich fortwährend Ausschau halte bekomme ich die Kolosse leider nicht zu sehen. Macht aber nichts, dafür gibt die Landschaft einfach alles was sie hat.

Nach dem Anstieg durch den Birkenwald ist der Snohetta schon von weitem zu sehen. Wie eine Pyramide ragt der Gipfel hinter dem langen Stropsjodalen im Westen auf. Auf dem Weg dahin begegne ich schon früh morgens Anglern. Es sollten nicht die letzten sein. Auch der Hüttenwirt der Reinheim-Hütte nutzt den gästelosen Vormittag zu einem kleinen Angelausflug.

Reinheim erreiche ich dann auch trotz ständiger Ausschau (irgendwo Moschungsochsen zu sehen?) nach 5h. Erstmal Mittag machen. Das Wetter ist einfach phantastisch, die Berge und die Landschaft sind es sowieso. Da auch die Beine mitspielen geht es direkt weiter Richtung Amotsdalshytta.

Im Anstieg über Blockwerk zur Scharte am Skardkolien bereue ich das schon fast, aber am Ende war es einfach ein toller Tag. Kurz vor der Hütte finde ich einen schönen Platz in der Nähe eines Baches. Ein kurzes Bad, ein schnell gemachtes Trekkingessen und schon schlafe ich mit all den schönen Eindrücken dieser langen Etappe ein.

Åmotsdalshytta – Storvollen

Kurz nachdem ich loslaufe erreiche ich auch schon die Åmotsdalshytta. Nur einen kleinen Buckel und eine Flußquerung über Steine war sie entfernt. Vor den Hütte eine schwer bepackter Rucksack, den dazugehörigen Wanderer sehe ich nicht. Nur ein paar Schafe säumen Weg und Hüttenumgebung. Gleich mehrere Schilder weisen darauf hin dass man das Wasser der Bäche direkt an der Hütte besser nicht trinken sollte.

Mein Weg führt mich direkt entlang des Åmotsvatnet entlang nach Westen. Am Ende des Sees sehe ich noch von weitem zwei Zelte, persönlich werde ich heute aber niemandem mehr begegnen. Nicht viel los hier.

Ein kleiner Anstieg noch und ich stehe vor dem Weg einer langen, steinigen, Ebene. Der Weg ist gut ausgetreten und von Geröll befreit. Eine unwirkliche Atmosphäre bei tief hängenden Wolken mit selten durchbrechenden Sonnenstrahlen.

Kurzum: einfach schön hier. Einige Kilometer später beginnt dann eine wahre Blockwerk-Tortur. Immer wieder geht es über große und kleine Felsblöcke hoch und runter ohne wirklich weiter zu kommen. Hin- und wieder noch ein Bachlauf dazwischen und dann, endlich, der Blick über das Salhotjonne auf Berge und Seen.

Die Strecke ins Tal hat es dann noch mal in sich. Weite Strecken über Blockwerk, teils direkt am steilen Seenufer entlang und ein steiles vereistes Schneefeld verlangen mir einiges ab. War das Blockwerk einfach nur anstrengend hat mir das Schneefeld doch einiges an Respekt abgenötigt. Selbst nachmittags noch vereist sehe ich die ein- oder andere Spur von Wanderern die sich wohl nur auf dem Hintern hinunter getraut hatten. Mit meinen Bergstiefeln, zum Glück hatte ich nicht die Trailrunner genommen, und Trekkingstöcken habe ich mit kleinen Trippelschritten genug halt. Anstrengend, aufregend, erfüllend. Solche Erlebnisse sind es doch warum man solche Touren überhaupt angeht. Raus aus der Komfortzone, rein in die Natur.

Nach einem großen Schluck aus der Trinkblase geht es dann weiter. Am Litvantnet vorbei geht es noch einmal kurz steil bergab bevor ich endgültig im Grovudal bin. Im lichten Birkenwald grasen unzählige Schafe, ob das Wasser wohl trinkbar ist? Ich bemühe zur Sicherheit für die Trinkwasseraufbereitung ein paar Chemietabletten.

Storvollen – Grøvudalshytta – Gammelsetra

Teile des Weges sind wohl recht wenig begangen. Jedenfalls geht es mitunter über dicht überwucherte Wege, teils recht schlammig, weiter. Erst kurz vor der Hütte, auf Höhe einer kleinen Alm, wird der Weg wieder besser. Hier treffe ich auch das erste mal auf Wanderreiter denen ich heute noch häufiger begegnen werde.

Nach einer schwankenden Hängebrücke geht es östlich der Grovu entlang auf einem gut ausgebauten Weg entlang zur Grøvudalshytta. Man merkt dass die Landschaft hier auch bewirtschaftet wird, dem Genuss tut das aber keinen Abbruch. Die Hütte selbst ist menschenleer – sie wird wohl gerade umgebaut.

Mit der Einsamkeit ist es allerdings vorerst vorbei – der Weg vom Wanderparkplatz hoch zur Grovudalshytta ist ein beliebter Wanderweg mit zahlreichen erklärenden Tafeln. Ich verstehe allerdings kaum kein Wort, die Tafeln sind in norwegisch gehalten. Es geht wohl um die Geschichte der naturbelassenen Bewirtschaftung des Tales. Erst vor einigen Jahren haben sich hier einige junge Norweger der Tradition der Bewirtschaftung angenommen und sie wieder aufleben lassen.

Über ein kurzes Stück auf einer Schotterstraße geht es dann nach Westen Richtung Gammelsetra. Ich gebe zu, den Abschnitt habe ich einfach mal unterschätzt. Nach dem letzten Wirtschaftsweg verwandelt sich der Weg in einen Hindernisparcour. Ich überwinde unendlich viele Baumhindernisse, durchwate sumpfige Abschnitte und steige unzählige Rinnen im Birkenwald auf und ab. Oft ist der Weg kaum zu erkennen, immer wieder habe ich Mühe die verwitterten Wegemarkierungen zu finden. Der Abschnitt verlangt mir einiges ab.

Das letzte Stück verläuft dafür auf einem Flurweg so dass man schnell vorankommt. Zum Schlafen habe ich mir schon vorab das Flusstal des Linndøla ausgeguckt. Was ein Glück dass auf Höhe der Gammelsetra ein Weg nahe an den Fluss führt und ich schon nach einem kleinen Abstecher in die Wildnis einen schönen Platz zum Übernachten direkt am Wasser finde. Kurz nachdem ich das Zelt aufgebaut habe beginnt auch schon der Regen der sich in dunklen Wolken schon länger angekündigt hatte. Was für ein Tag.

Gammelsetra – Lønset

Der letzte Tag von der Gammelsetra nach Lønset ist so ganz anders als die vergangenen Tage. Neben einem langen Abschnitt auf schmalen Pfaden entlang des Storvatnet verlaufen weite Teile auf Schotterwegen. Hier lerne ich Norwegen von einer anderen Seite kennen. Unzählige Ferien- und Wochenendhäuser liegen an der Etappe. Ein Kontrast zu den Tagen davor aber dennoch sehenswert.

Neben tollen Ausblicken auf den See zeigt die Etappe leicht erreichbare Ruheoasen. Nach vielen Kilometern Schotterweg und einem Stückchen Straße freue ich mit dennoch die Tour in Lønset abzuschließen.

Der Bus hält, anders als in Karten angegeben, übrigens nicht mehr im „Ortszentrum“ am Laden sondern an der Landstraße. Mit der Linie 901 fahre ich nach einer kleinen Stärkung im Dorfladen nach Oppdal zum Bahnhof.

Fazit

Der Dovre­fjell-Sunndalsfjella-Natio­nalpark hat einiges zu bieten. Neben den Moschungsochsen, die man nicht immer zu sehen bekommt, findet man hier ein typisches Fjell, Berge und in den niedrigeren Lagen verwilderte Pfade. Für die letzte Etappe mag es schönere Optionen geben, aber insgesamt hat das Dovrefjell was. Gemeinsam mit einer Durchquerung des Rondane eine tolle Trekkingtour.

 

Weitere Artikel für Dich: