Pilgrimsleden – Trekking in Dalsland

Pilgrimsleden

Wandern auf dem Pilgrimsleden in Dalsand. Auf alten Spuren durch eine bezaubernde Landschaft mit Hügeln und Seen durch Westschweden.

Tourbeschreibung

Der Pilgrimsleden im Norden von Dalsand ist ein abwechslungsreicher, einfacher, Wanderweg für Natur- und Geschichtsbegeisterte. Dabei entspricht die Route in etwa der Route des mittelalterlichen Pilgerweges entlang alter Kirchen nach Trondheim, einer der damals wichtigsten katholischen Pilgerstätten in Skandinavien. Gleichzeitig ist der Weg aber auch für Naturbegeisterte wirklich lohnenswert.

Immer wieder öffnen sich tolle Ausblicke über die hügelige Seenlandschaft. Während zu Beginn und am Ende Kulturlandschaft und bewohnte Seeabschnitte den Weg prägen liegen im Kern der Tour kaum berührte Landschaften, die sogar dem Weltnaturerbe Höge Kusten nahe kommen. Von Naturschutzgebieten mit unterschiedlichsten Waldarten, tollen Ausblicken nach kurzen, teils steilen, Anstiegen, über fast durch Büsche zugewucherte Wege bis hin zu durch Forstwirtschaft ausgedünnten Wäldern ist hier einiges geboten.

Zur Übernachtung bieten sich vor allem die schönen Ufer und Shelter der zahlreichen Seen an.

Pilgrimsleden Karte

Pilgrimsleden Karte

Map Data: © OpenStreetMap Mitwirkende

Digitale Karten

Toursteckbrief

  • Strecke: 76km
  • Höhenmeter: 850m im Auf- und Abstieg
  • Start: Bahnhof Mellerud oder Parkplatz an der Kirche
  • Ende: Bahnhof Åmål oder Bushaltestelle Åmål an der E45
  • Rückreise: mit Zug oder Bus von Åmål nach Mellerud oder weiter nach Süden
  • Markierung: Wegweiser und rotoranger Punkt an Bäumen und Steinen
  • Wegbeschaffenheit: von überwucherten Trampelpfaden bis zu kurzen Straßenabschnitten
  • Beste Jahreszeit: Mai – September
  • Übernachten: in oder an Sheltern
  • Trinkwasser: aus Bächen und Seen filtern oder in Ortschaften
  • lokale Informationen: Visit Åmål in Westschweden

Etappen

  • Mellerud (Bahnhof) – Upperud 9:9 (↑ 115m  ↓115m → 14,5km ∅ 4h)
  • Upperud 9:9 – Högelund (↑ 240m  ↓120m → 15,9km ∅ 4,5h)
  • Högelund – Edsleskog (↑ 430m  ↓470m → 22,1km ∅ 6,5h)
  • Edsleskog – Åmål (↑ 270m  ↓350m → 23km ∅ 6,5h)

Übernachten

Dank Jedermannsrecht ist das Übernachten am Pilgrimsleden an sich recht einfach. Allerdings sind weite Teile der Landschaft auch einfach herrlich bewachsen und bieten daher tatsächlich recht wenige Möglichkeiten sein Zelt aufzuschlagen ohne die Fauna zu beeinträchigen.

Die besten Zeltmöglichkeiten bieten sich hier auf den Bergrücken, damit aber auch etwas abseits von Wasser, und vor allem im direktem Umfeld der zahlreichen Shelter.

Tourbericht

Nach 2 Jahren Pandemie und im Verhältnis wenigen mehrtägigen Touren habe ich mich schon früh entschieden vor größeren Touren erst einmal kleinere Brötchen zu Backen um wieder reinzukommen. So war der Pilgrimsleden für mich der Einstieg in eine längere Reise zum Trekking in Schweden.

Mellerud (Holms Kirche) – Upperud 9:9 – Flat

Früh am morgen geht es los. Nach einer doch recht langen und anstrengenden Reise stehe ich am Parkplatz hinter der Holms Kyrka und packe die letzten Sachen in den Trekkingrucksack. Ein wenig bewölkt ist es, aber es sollte ein guter Tag werden.

Anfänglich geht es über gut ausgebaute Forstwege durch eine typische schwedische Kulturlandschaft. Rot  gestrichene Land- und Bauernhäuser inmitten großer Felder prägen anfangs das Bild. Doch schon kurz darauf gesellen sich erste wilde Pfade durch die Wälder dazu.

Wilder Wald im Naturschutzgebiet auf dem Pilgrimsleden

Wilder Wald im Naturschutzgebiet

Spätestens nach der Überquerung der E45 wird es ein wenig wild. Der Weg ist hier ganz offensichtlich wenig begangen. Beerensträucher und Büsche wohin man auch sieht und nur wenig später dann das erste kleine Naturschutzgebiet dem auf dem Pilgrimsleden noch weitere folgen sollten.

Nach einem längeren Abschnitt in zweiter Reihe neben gemütlichen Holzhäusern am Svanfjorden entlang ist Upperud schnell erreicht. Der zum Hostel umgebaute Getreidespeicher Upperud 9:9 wäre ein gutes Etappenziel. Aber das Wetter ist gut und ich schlafe ja ohnehin viel lieber draußen in der Natur.

Also geht es einfach direkt weiter. Nach dem ersten wirklichem Anstieg öffnet sich dann auch das erste Mal ein toller Blick auf die zerklüftete Seenlandschaft zwischen den Hügeln. Unzählige Seen wie diesen werden wir auf der Tour noch sehen. 

Seenlandschaft am Pilgrimsleden

Seenlandschaft am Pilgrimsleden

Nach knapp 20km erreiche ich dann das erste typische Shelter. Eine einfache pyramidenförmige Hütte mit Feuerstelle in der Mitte, daneben einige gute Stellen ein Zelt aufzuschlagen. Und das ganze direkt am See – einfach traumhaft. Nachdem der Tag aber wirklich super schön ist und sich die Beine noch gut anfühlen gehe ich einfach direkt weiter. Am nächsten See, Flat, schlage ich dann aber gerne das Zelt in der Nähe des offenen Shelters für die Nacht auf.

Schnell die Wasservorräte auffüllen, kochen, und den Abend gemütlich auf einem Felsen am See ausklingen lassen. Dachte ich. Da hatte nur leider mein Saywer-Wasserfilter etwas dagegen. Es kam einfach kaum noch Wasser am anderen Ende an. Nach einer Weile war es aber dann doch noch genug Wasser bis in den nächsten Tag hinein.

Was für ein Toureinstieg.

Flat – Högelund – Tansjön

Der Schlafplatz war gut gewählt. Direkt am See und in der Nähe des Shelters verteilten sich die verschiedenen Wandergrüppchen, meist Familien und Pärchen, gut auf der kleinen Landzunge. Auch wenn man hier nicht völlig abgeschieden unterwegs ist kommt das Naturerlebnis damit auch Nachts nicht zu kurz.

Zelten auf dem Pilgrimsleden - hier am See "Flat"

Zelten auf dem Pilgrimsleden – hier am See „Flat“

Früh stehe ich auf und genieße die Stille bevor es losgeht. Und es sollte erneut ein wirklich schöner Tag werden. Gleich mehrfach geht es die Hügelketten hoch und runter. Natürlich (fast) immer dabei: Die Aussicht auf einen See. Mal direkt am Ufer entlang, mal mit etwas Abstand auf dem Rücken der Hügelketten. Mit am schönsten an diesem Tag: Die Mittagspause am Rumpesjön.

Rumpesjön

Rumpesjön

Danach geht es dann weitere Hügelketten hoch- und runter, ein Stück über eine Forststraße und auf rutschigen Pfaden an den Ufern der Järpestolstjärnet-Seen entlang zum kleinen Weiler Vämebo. Das in den Karten verzeichnete Shelter sehe ich hier nicht, macht aber auch nichts. Ein Schlafplatz am See ist ja ohnehin viel schöner. Also gehe ich noch weiter bis zum halboffenen Shelter Tansjön.

Viel Platz für Zelte ist am Fuß des steilen Hangs zum See nicht, aber für mein kleines Big Sky Chinook finde ich ein schönes Plätzchen. Schnell noch etwas abseits Wasser abfüllen (mein Filter wollte gar nicht mehr) und dann ab in den See eine kleine Runde schwimmen. Kalt, aber einfach herrlich. Nach einer Doppelportion Trekkingnahrung schlafe ich schon am frühen Abend ein.

Tansjön – Edleskog – Handskesjö

Die Morgensonne weckt mich schon früh auf. Ausreichend geschlafen habe ich ja, auch wenn halb sechs Uhr morgens für mich mal so richtig früh ist… Ich drehe mich also gerne noch ein paar mal um, aber dann zieht es mich doch schon bald raus. Irgendwann in der Nacht hat sich noch ein weiteres Zelt dazugesellt, ich höre ein gleichmäßiges leises Schnarchen. Also packe ich mein Zelt schnell und leise ein, Frühstücken werde ich einfach am nächsten See. Wieder geht es also schon am frühen Morgen los.

Ausblick auf den Tansjön

Ausblick auf den Tansjön

Die Etappe selbst ist bis Edleskog weitestgehend abgeschieden und sehr hügelig. Nach einem etwas heruntergekommenem weiß gestrichenem Holzhaus, ich könnte schwören dass könnte Pippi’s Villa gewesen sein, fülle ich meine Wasserblase am nächsten Bach auf. Der Filter hat inzwischen leider endgültig den Dienst quittiert.

Kurz vor Edleskog erreiche ich dann den höchsten Punkt der Tour – immerhin 242m. An der „Bergstation“ des Skiliftes (!) und dem Shelter Högheden vorbei geht es nach einem kurzen Zwischenanstieg dann durch den Wald nach Edleskog herab.

An sich wieder ein gutes Etappenende mit bequemen Übernachtungsmöglichkeiten wenn man ein wenig Zivilisation mag. Der Tag ist aber noch jung und der schöne Tag macht auch heute einfach Lust auf mehr. So gehe ich nach einer ausgiebigen Pause natürlich weiter, das Shelter Handskesjö ist das neue Tagesziel.

Handskesjö Raststuga

Handskesjö Raststuga

Der Weg bis dahin war dann wieder sehr abwechslungsreich, allerdings lange Zeit von Wald- und Landwirtschaft geprägt. Angefangen von breiten Flurwegen, an der Talstation des Liftes vom Vormittag vorbei (nein, ein Abstieg über die überwucherte Piste bietet sich wirklich nicht an), über zerfurchte Waldwege inmitten komplett gerodeter Waldabschnitte bis zu schmalen Pfaden durch herrlichen Mischwald mit unendlich vielen Blaubeeren ist hier alles geboten was eine gemischte Kultur- und Naturlandschaft eben so bieten kann.

Nach einem ausgiebigen Bad im See genieße ich bald schon ein wenig Trekkingnahrung und döse schnell ein. In der Nacht versuche ich mich dann auf einem nahen Felsen noch ein wenig in Nachtaufnahmen. Ein schöner Abend.

Handskesjö – Åmål

Auch die letzte Etappe war nochmal sehr abwechslungsreich. Aber gleich vorweg: wer keine Forstwege mag sollte lieber gleich in Edsleskog den Bus nach Åmål nehmen. So geht es nach den ersten hundert Metern auf eine Pfad am See erstmal einige Kilometer auf Forststraßen entlang. Der Wald entlang des Weges und die Ausblicke auf die letzten kleinen Seen entschädigen uns dafür aber natürlich schon ein wenig.

In der Nähe des Outdoor-Centers Hanebol gibt es dann nochmal unzählige Wanderoptionen. Verschieden farbig markierte Rundwege führen durch den Mischwald. Der eine ein wenig länger, der andere etwas kürzer. Ich erwische natürlich unbewusst eine etwas längere Variante. Im Sommer Ausgangspunkt für Wanderungen gibt es hier im Winter ganz offensichtlich auch einige, bei Bedarf beschneite, Loipen fürs Langlaufen.

Bahnhof Åmål

Bahnhof Åmål

Vom Outdoor-Center zieht es sich dann noch ein wenig bis zum Bahnhof. Ob der Bus an der nahen E4 früher gefahren wäre? Ich weiß es nicht, aber letztlich wollte ich auch einfach mal ganz bewusst durch die Ortschaft laufen um auch das leben in Schweden zumindest ein klein wenig kennenzulernen.

Am Bahnhof angekommen kaufe ich mein Ticket dann über das Smartphone (der Ticket-Automat konnte nur schwedisch was ich wiederum nicht verstanden habe) und warte in der Wartehalle bis zur pünktlichen Abfahrt des Zuges.

Erfahrungen

Der Pilgrimsleden in Dalsand verbindet eine tolle Natur mit Historie und Kulturlandschaft. Hier einige Erfahrungen für eure eigene Tourvorbereitung:

  • Auf dem Pilgrimsleden ist selbst in der Hochsaison tagsüber wenig los. Erst am Abend begegnet man vielen anderen Wanderern.
  • Die Shelter sind als Etappenziel wirklich klasse. Besonders in der Ferienzeit sind sie aber auch ganz gut besucht. Am besten immer auch ein Zelt zur Sicherheit mit einpacken.
  • Die Bahnverbindung ist super, die Ticket-Automaten am Bahnhof verstehen aber nur schwedisch. Am einfachsten kauft ihr euer Ticket daher über die App der schwedischen Bahn.
  • Das Wasser in Bächen und Seen würde ich mit Vorsicht genießen. Wir sind hier in einer Kulturlandschaft und die Seen sind einfach herrlich einladend um nach einem langen Tourtag ein Bad zu nehmen. Am besten das Wasser abseits entnehmen und filtern.

Fazit

Der Pilgrimsleden ist ein wirklich schöner Wanderweg in Westschweden. Landschaftlich steht er dem Höga Kustenleden auf seinen abgeschiedenen Etappen tatsächlich nur wenig nach. Traumhafte einsame Seen und eine abwechslungsreiche Hügellandschaft machen einfach Spaß beim Wandern. Auf die bewohnten und bewirtschafteten Abschnitte vor- und nach den naturbelassenen Etappen darf man sich hier aber natürlich auch einstellen.

 

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