Laugavegur: (D)ein Trekking-Traum in Island!?

Trekking auf dem Laugavegur

Der Laugavegur ist wohl die bekannteste Trekkingtour Islands. Auf dem Weg zu den heißen Quellen in Landmannalaugar durchwandert man eine abwechslungsreiche Landschaft vulkanischen Ursprungs. Für mich ist er das Mittelstück einer zusammenhängenden Tour der drei Trekkingtouren Fimmvörðuháls, Laugavegur und Hellismannaleið. 

GPS-Track und Karte

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Fimmvörðuháls: 63.527000, -19.494400
Þórsmörk: 63.686676, -19.520996
Emstrur: 63.803315, -19.284678
Hvanngil: 63.831847, -19.205188
Hrafntinnusker: 63.932980, -19.180840
Landmannalaugar: 63.990511, -19.060491
Álftavatn: 63.854446, -19.245500

Markierung und Wegbeschaffenheit

Der Weg ist durchgehend mit blau markierten Pflöcken markiert. Meist geht es auf einem typischen ausgetretenen Trekkingpfad, teilweise sogar zweispurig ausgetreten, entlang. Aber es ist von breiten Feldwegen, hin- und wieder Schotterpisten und Schneefeldern einiges geboten. Sumpfig wird es hier nie, aber vor allem in der Nähe von aktiven Quellen kann es gerne mal rutschig sein. Ansonsten wandert man vor allem über Stein, Schotter, Sand, und scharfkantiges Vulkangestein.

Flüsse müssen mehrfach gefurtet werden. Dazu sollte man auch immer die Wettervorhersage und Warnhinweise auf vedur.is im Blick haben. Durch vulkanische Aktivität und starken Regen können die Flüsse schnell stark anschwellen und das Furten unmöglich machen. Mehr zum Thema Sicherheit in Island erfahrt in den Reiseinformationen Island.

Karten

Ausgangspunkt Þórsmörk

Husadalur in Þórsmörk besteht aus ein paar Hütten und einen Zeltplatz für die vielen Wanderer. Das Gebiet rund um Þórsmörk ist für isländische Verhältnisse eine wahre grüne Oase und so gibt es hier zahlreiche markierte Wanderwege. Erreichen kann man Husadalur nur mit einem geländegängigen Fahrzeug oder einem Hochlandbus. – Oder in dem man über den Fimmvorduhals in ein bis zwei Tagen hierher wandert.

Endpunkt Landmannalaugar

Treffpunkt vieler Wanderer und Tagesgäste und Ausgangs- oder Endpunkt mehrerer Trekkingtouren. Die Landschaft um die Hütten ist geprägt von rhyolitgefärbtem Gestein, aktiven Quellen und Lavafeldern. Wahnsinnig intensive Farben umgeben einen. Vom Zeltplatz aus führen mehrere Wanderwege, z.B. auf den Blahnukur, in das abwechslungsreiche Gebiet.

Der Zeltplatz selbst ist auf den großen Ansturm ausgerichtet. Beim Check-In (ja, das ist wirklich mehr ein Check-In als eine normale Anmeldung), erhältst Du ein Armband damit Du in die Sanitäranlagen kommst, es gibt einen großen Parkplatz für die Autos und Busse der Tagesgäste und auch ein kleiner Laden fehlt hier nicht. Herzlich willkommen zurück in der Zivilisation. Ansonsten ist der Platz für Zelte, naja, eher bedingt geeignet. Du musst schon zwischen den Schotter- und Matschflächen nach einem wirklich guten Platz suchen.

Hilleberg Unna in Landmannalaugar

Hilleberg Unna in Landmannalaugar

Verkehrsanbindung

Mit dem Allradauto oder dem Hochlandbus erreicht man sowohl Þórsmörk als auch Landmannalaugar.

Vom Busterminal BSI in Reykjavik starten die Linienbusse die ganz Island auf vielen Routen verbinden. Für den Laugavegur lohnt sich das Hiking on your own – Ticket von Reykjavik Excursion. Hier gibt es einen „Hiking Passport“ mit dem ihr für die Trekkingtouren Fimmvörduhals, Laugavegur und den Hellismannaleid ein Hin- und Rückfahrticket bei variablen Einstiegsmöglichkeiten habt.

Wenn Du in einem Tag von zu Hause aus bis zum Startpunkt Deiner Tour kommen willst solltest Du auf jeden Fall einen Flug am frühen Morgen nehmen. Der letzte Bus nach Landmannalaugar geht aktuell z.B. um 16:00 Uhr vom BSI. Nach Thorsmork (Þórsmörk) um 19:30 Uhr. Gleiches gilt natürlich für Deine Rückreise. Den ersten Bus am Morgen zurück nach Reykjavik nehmen, dort in einen Flybus umsteigen und dann am Abend oder in der Nacht zurück fliegen.

Etappen des Laugavegur

Ob man nun den Laugavegur von Nord nach Süd oder andersherum läuft bleibt jedem selbst überlassen. Während in den meisten Büchern die leichtere Route von Nord nach Süd beschrieben ist (weniger Höhenmeter) entscheide ich mich dafür die Trekkingtour von Süd nach Nord zu gehen. Warum? So hast Du mit Landmannalaugar ein echtes Highlight am Ende der Tour.

Laugavegur in vier Tagen

  • Þórsmörk – Emstrur (↑ 600m → 14,5km ∅ 6h)
  • Emstrur – Hvanngil – Álftavatn (↑ 190m → 16km ∅ 5,5h)
  • Álftavatn – Hrafntinnusker (↑ 520m → 11,5km ∅ 5,5h)
  • Hrafntinnusker – Landmannalaugar (↑ 150m → 11km ∅ 4h)

Wie Du siehst sind die Etappen recht kurz und am Ende bleibt noch recht viel vom Tag übrig. Du kannst Dich also entweder genüsslich den Rest des Tages entspannen, am jeweiligen Etappenziel noch Wanderungen in die Umgebung anhängen oder die Etappen zusammenlegen. Ganz schnelle gehen die Tour in zwei Tagen, ich gehe es etwas ruhiger an:

Laugavegur in drei Tagen

  • Þórsmörk – Emstrur – Hvanngil (↑ 760m → 27,5km ∅ 10h)
  • Hvanngil – Álftavatn – Hrafntinnusker (↑ 550m → 15km ∅ 7h)
  • Hrafntinnusker – Landmannalaugar (↑ 150m → 11km ∅ 4h)

Reisebericht und Erfahrungen

Þórsmörk – Emstrur – Hvanngil

Ich übernachte in Husadalur direkt am Einstieg in den Laugavegur und breche früh auf. Schließlich erwarte ich viele Wanderer auf der Strecke und will dem Massenansturm entgehen in dem ich vor allen anderen aufbreche.

Zunächst geht es durch einen Birkenwald durch das grüne Þórsmörk bergauf. Die erste Herausforderungen ist dann die Furt der Þröngá. Kalt ist es, aber was ist schon eine Tour ohne eine Furt? Nachdem die Füße getrocknet sind geht es weiter und bald mit etwas Abstand entlang der Schlucht Markarfljotsgljufur nach Norden. Teilweise geht man hier auf Sand was das Gehen natürlich etwas erschwert. Im Sandar treffe ich dann auf die Wanderer die am Morgen in Emstrur gestartet sind. In Zweierreihen laufen Sie mit leichtem Tagesgepäck. Gepäcktransport machts möglich. So eine Völkerwanderung habe ich auf einer Tour noch nicht gesehen.

Den Canyon des Gletscherflusses Fremri-Emstrua überquert man über eine Brücke. Im kurzen steilen Anstieg danach sind die schwierigsten Stellen mit Ketten gesichert bevor es dann auf einem Pfad weiter bergauf nach Emstrur führt. Hier mache ich eine ausgedehnte Mittagspause bis ich nach Hvanngil aufbreche.

Ein kurzes Stück geht es auf einer Hochlandstraße nach oben bevor der Weg nach rechts abbiegt. Am Hatfell vorbei geht es weitestgehend eben durch eine beeindruckende Aschewüste. Wer sich bis jetzt noch nicht in einer anderen Welt fühlte sollte es spätestens jetzt merken. Für Ungläubige wartet am Ende dann auch ein Wegweiser nach Mordor. Es geht noch ein Stück auf einer Hochlandstraße F261 entlang (keine Angst, dass ist eine Schotterpiste mit extrem wenig Verkehr) bevor die zweite Furt des Tages ansteht.

Am Hatfell ist viel los und der Laugavegur ist zweispurig ausgetreten

Am Hatfell ist viel los und der Laugavegur ist zweispurig ausgetreten

Spärliche Vegetation in der Aschewüste nach dem Hatfell.

Spärliche Vegetation in der Aschewüste nach dem Hatfell.

Ich wundere mich ein wenig. Die Hochlandpiste quert den Fluss an einer Stelle mit reißender Strömung. Ich entscheide mich schließlich weiter flussaufwärts zu gehen und an einer deutlich breiteren Stelle zu furten. Eine gute Entscheidung. Auch hier steht mir das eiskalte Wasser bis übers Knie.

Das letzte Stück ist dann schnell gelaufen. Die Hütte und der Zeltplatz in Hvanngil ist erfreulich wenig bevölkert so dass der Abend schön gemütlich ausklingt.

Hvanngil – Hrafntinnusker

Von Hvanngil geht es in nur 4km nach Álftavatn. Auf dem Weg die Furt durch den Bratthalskvisl. Was ein Gewusel hier. Nach der langen Etappe vom Vortag bin ich etwas später losgegangen und bin nun mitten im Strom der Wanderer aus Álftavatn. Etwas abseits der Menschenmassen quere ich das nur wadentiefe Wasser und verlasse den Tumult schnellstmöglich. Um die Hütte liegen noch viele bunte Zelte, also immer noch einiges mehr los hier. Die Übernachtung in Hvanngil war also die richtige Entscheidung.

Vom Álftavatn geht es dann nach Osten weiter. Noch ein Stück über die Ebene bevor es in einer weiteren Furt durch den Gletscherbach Grashagakvisl gehen soll. Auch hier wieder ein sehr hoher Wasserstand. Gerade wenn ich alleine bin freue ich mich wenn just in diesem Moment von der anderen Seite ebenfalls jemand zum queren ansetzt und man im Notfall nicht alleine ist.

Im Anschluss dann das anstrengendste Stück des Tages. Es geht insgesamt knapp 500 Höhenmeter an den Hängen des Jökultjungur nach oben wo uns ein atemberaubender Ausblick erwartet. Bis zum Fimmvörduhals kann man nach Süden sehen. Nach Norden sieht man die ersten bunten Rhyolithberge und dampfende Quellen die uns den ganzen weiteren Tag begleiten werden.

Rhyolithberge - auf dem Laugavegur häufig zu sehen

Rhyolithberge – auf dem Laugavegur häufig zu sehen

Die letzten Kilometer gehen über viele viele Rinnen und genau so viel Schneefelder. Hier ist Vorsicht geboten, schließlich fließen hier teils Bäche darunter und nicht jede Schneedecke ist automatisch auch tragend! Zum Zeltplatz in Hrafntinnusker geht es nochmal einige Meter bergauf.

Hrafntinnusker liegt sehr frei im Wind und so solltest ihr euch nicht schämen euer Zelt in einer der vielen Steinburgen aufzubauen. Euch weht noch genug Asche ins Zelt, versprochen. Am Abend gehe ich dann noch zu den nahen Solfataren im Westen der Hütte. Immer wieder beeindruckend.

Hrafntinnusker – Landmannalaugar

Die letzte Etappe des Laugavegur führt nach Landmannalaugar. Viel hatte ich davor schon über diese beeindruckende Gegend gelesen und gehört, aber es gibt nichts schöneres als jetzt selbst in diese Welt einzutauchen.

Aber jetzt geht es erstmal auf den Panoramagipfel Söðull (dt. Sattel, 1.132m). Von hier überblickt man weite Teile der heutigen und fast die ganze Etappe des Vortages auf dem Laugavegur. Im Abstieg kommt man dann am Denkmal für einen leider verstorbenen Wanderer vorbei. Kurz vor Hrafntinnusker erfror er in einem Blizzard. Für uns alle eine tragische Erinnerung und Mahnung uns gut auf diese Tour vorzubereiten, täglich den Wetterbericht zu beachten und unsere Ausrüstung auch auf schlechtestes Wetter hin auszulegen.

Am Ende des Plateaus geht es über große Schneefelder zur heißen Quelle Storihver mit Schlammtöpfen, fauligem Schwefelgeruch und einer dampfenden Quelle. Und genau so geht es dann weiter. Die Dampffahnen der Solfataren an der Brennisteinsalda sind von weitem zu sehen und ständig gibt es etwas Neues zu entdecken. Ein bunter Mix, aus Solfataren, Rhyolitgestein und Lavafeldern.

Kurz vor dem Ende des Laugavegur genießt man dann den Ausblick über das Lavafeld Laugahraun, auf den Blahnukur und zurück nach Brennisteinsalda. Der Hauptweg führt im Westen durch das Lavafeld. Alternativ könnt ihr aber auch noch direkt auf den Blahnukur steigen oder durch die Schlucht Grænagil zum Zeltplatz wandern.

Hinter dem Lavafeld Laugahraun endet der Laugavegur in Landmannalaugar

Hinter dem Lavafeld Laugahraun endet der Laugavegur in Landmannalaugar

Nur einen Haken hat die Etappe. Sie ist mit ihren 11 km recht kurz und ich erreiche schon Mittags den Zeltplatz. Also baue ich mein Zelt auf, esse ein wenig und gehe dann mit leichtem Gepäck noch auf den Blahnukur.

Fazit

Zugegeben, das Naturerlebnis beim Trekking wurde durch die Menschenmassen die sich den Laugavegur entlang wälzen ein wenig getrübt. Gerade durch den Gepäcktransport von gewerblichen Tourenanbietern gleichen manche Wegabschnitte eher zweispurigen Flurwegen und wirklich alleine ist man hier nie. Man begegnet dabei auch zahlreichen völlig unzureichend ausgerüsteten Tageswanderern ohne jeglichen Wetterschutz, nur mit Kamera bewaffnet.

Die Natur selbst ist es, die den Weg dennoch empfehlenswert macht. In Europa wird man vergleichbares wohl anderswo vergeblich suchen…

Ich bin froh den Laugavegur gegangen zu sein. Das Naturerlebnis war es wert und die Abschnitte vor und nach dem Weg, Fimmvörðuháls und Hellismannaleið, gaben mir genug Einsamkeit die ich auf Trekkingtouren so liebe.

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