Mikroabenteuer: Deine Outdoor-Lust im Alltag integriert

Mikroabenteuer

Mikroabenteuer: Einfach mal draußen sein. Im Alltag, inmitten wichtiger Termine. Was das ist, wie das geht und welche Ideen für jeden funktionieren…

Was sind Mikroabenteuer?

Von Mikroabenteuern liest man in letzter Zeit immer mehr. Aber was ist das überhaupt, ein „Mikroabenteuer“? Der Begriff kommt vom englischen „Microadventures“ und wurde zuerst von Alastair Humphreys verwendet. Ausgangspunkt des Ganzen ist die Einstellung zum Abenteuer selbst:

Adventure is only a state of mind.

Und was soll ich sagen? Er hat einfach Recht! Wer Abenteuer erleben will braucht keine Flugreisen, unzählige Tage von Urlaubstagen oder anspruchsvolle Trekkingtouren. Das alles hat was, aber um Abenteuer zu erleben reichen eben oft auch kleine Mikroabenteuer die sich im Alltag integrieren lassen.

Alastair beschreibt Mikroabenteuer bzw. Microadventures auf seiner Seite selbst:

Simple expeditions and challenges which are close to home, affordable and easy to organise. Ideas designed to encourage ordinary people to get Out There and Do Stuff for themselves, even in these tightened financial times.

Und genau darum soll es auch hier gehen: Kleine Abenteuer in der Umgebung, ohne große Kosten oder großen Planungsaufwand. Einfach als Inspiration raus zu gehen und sich nicht durch vermeintliche Grenzen schon im Kleinen limitieren zu lassen.

Mikroabenteuer-Ideen

Dieser Abschnitt soll Dir einfach Ideen geben. Ideen um ein kleines Abenteuer in den Alltag einzubauen. Sicher wirst Du nicht alle Ideen in deiner Umgebung umsetzen können, aber ich bin mir sicher dass für jeden von euch eine Idee dabei ist die sich umsetzen lässt.

Im Folgenden beschreibe ich euch Ideen für kurze Touren mit Übernachtung. Was ihr beim Übernachten beachten solltet findet ihr im Artikel Trekking in Deutschland.

Ansonsten kann ich euch nur empfehlen das Smartphone mit dem ihr dank Navi-App zum Ziel gefunden habt vor Ort irgendwann auszuschalten. Sonst kommt ihr eh nicht zur Ruhe. Als Wecker könnt ihr ja eure Outdoor-Uhr verwenden.

Steinbrüche

Steinbrüche gibt es wie Sand am Meer. Vor allem gibt es viele aufgegebene Steinbrüche die schon lange nicht mehr bewirtschaftet werden. In ihnen hat sich sich über Jahrzehnte die Natur einen Teil der Landschaft zurückgeholt während die steilen Felswände und Gesteinsschichten genauso wie alte Industrieanlagen noch immer zu bewundern sind. Ein herrlicher Tummelplatz zum Erkunden und einsamen übernachten – gebührenden Abstand zu den Kanten und Wänden (herabfallende Steine) und freie Zugänglichkeit vorausgesetzt.

Seen

Nicht erst seit Seed von „einem Haus am See“ sang träumten viele von eben diesem. Im kleinen ist das einfach die Übernachtung am See. Damit man nicht unsanft von Joggern, Förstern oder Jägern am See geweckt wird empfiehlt sich eine Übernachtung auf einer kleinen Anhöhe außerhalb der Sichtweite der Wege rund um den See. Ohne Zelt, nur im Biwak.

Nach dem Aufstehen kann man dann gemütlich um den See schlendern bevor es gestärkt auf die Arbeit geht.

Wälder

Zum übernachten im Wald braucht man ja eigentlich nicht all zu viel Worte verlieren. Der eine fürchtet sich ob der „wilden“ Tiere die einem am Ende nicht wirklich Nahe kommen, der andere gewinnt dem ganzen nur ein müdes Lächeln ab. Am Ende ist eine Übernachtung irgendwo im Wald, vielleicht auf einer Lichtung abseits der Wildpfade, einfach ein Ruhepol. Und keine Ausrede – Wald für ein kurzes Mikroabenteuer dürfte es so ziemlich überall in in Deutschland geben.

Schluchten

Schluchten ziehen Wanderer schon lange an. Steile Felswände, oft noch ein reißender Fluß und noch in den aussichtslosendsten Lagen wachsende Bäume. Sicher hat es die nicht überall, aber wenn Du eine Schlucht in Deiner Nähe hast – worauf wartest Du noch?

Am besten übernachtest Du aber nicht direkt in der Schlucht sondern suchst Dir einen gemütlichen Schlafplatz oberhalb der Schlucht mit einem schönem Ausblick. So bleibt Dir die Feuchtigkeit der Schlucht im Schlafsack genauso wie die morgendlichen Jogger erspart.

Flüsse

Die Wahrscheinlichkeit ist gering, aber wenn Du weder Wald noch Seen in der Nähe hast kannst Du Dich spätestens jetzt nicht mehr herausreden. Schließlich gibt es überall in Deutschland Bäche und Flüsse. Also schnell die wenigen Sachen für eine Übernachtung packen und auf zum nächsten Fluß. Schon nach wenigen Minuten am Flusslauf vergisst man alles um sich herum.

Beim Übernachtungsplatz selbst gilt natürlich ähnliches wie beim Überachten in einer Schlucht: Möglichst nicht direkt am Wasser und besser etwas oberhalb das Lager aufschlagen. Die Feuchtigkeit ist dabei gar nicht sooo relevant. Schließlich kann man den Schlafsack spätestens am Folgeabend zum Trocknen aufhängen.

Lost Places

Nicht ganz so leicht zu finden sind „Lost Places“ – verlassene Häuser, Stollen oder Fabriken. Aber es gibt sie ganz sicher auch in Deiner Nähe. Zum Übernachten eher nicht geeignet sind sie aber ein lohnendes Ziel für ein kurzes Mikroabenteuer solange der Zutritt nicht versperrt ist. Übernachtet wird dann einfach ein wenig abseits.

Bikepacking

Wer tatsächlich keine schönen Touren in der unmittelbaren Umgebung für sein Mikroabenteuer findet oder alles fußläufige schon durch hat kann es mit Bikepaking probieren. So erweitert sich der Aktionsradius um ein vielfaches und man kann manch lohnendes Ziel trotz der Entfernung ganz einfach in sein Mikroabenteuer einbauen. Ich war selbst erstaunt welche Entfernungen mit ein wenig Übung machbar sind.

Vom Mikroabenteuer direkt zur Arbeit

In der Regel stellt man sich sein Mikroabenteuer so zusammen, dass man morgens noch zu Hause duschen kann und von hier wie üblich zur Arbeit fährt. Das kostet aber freilich Zeit. Viel Zeit. Schließlich muss man nach dem Abenteuer erst nach Hause und macht sich erst dann auf den Weg zur Arbeit. Das kann dann schon fast wieder zu Stress ausarten und für viele ist das wohl auch die größte Hürde ein Mikroabenteuer in den Alltag einzubauen. Dabei ist ein Mikroabenteuer an sich erstmal wie ein Kurzurlaub und lässt Dich frisch erholt voller Energie in den Tag starten.

Wenn man sich ein wenig Gedanken macht kann man sein Mikroabenteuer aber auch gut in einen Wochentag integrieren.

Leitfaden für Mikroabenteuer im Alltag

  1. Deponiere Deine Business- bzw. Arbeitskleidung im Spind.
  2. Gehe mit minimaler (Biwak-) Ausrüstung auf Tour – Du willst keinen Monster-Rucksack im Spind oder dem Auto deponieren.
  3. Suche Dir ein Mikroabenteuer zwischen Wohn- und Arbeitsort. Am Morgen legst Du dann nur noch das letzte Stück zur Arbeit zurück.
  4. Mache kein Feuer bei Deinem Mikroabenteuer – Kleidung und Ausrüstung nehmen den Geruch an. Was uns gefällt kann schnell Kollegen stören. Rücksicht ist angesagt!
  5. Mache Dich vor Ort frisch – wenn es die Möglichkeit gibt: Warum nicht direkt vom Mikroabenteuer ins Büro wandern? Ist am Ende ja nichts anderes als wenn man mit dem Rad zu Arbeit fährt, dort duscht und sich umzieht.

Wenn Du keine Möglichkeiten hast Dich morgens vor Ort oder z.B. in einem nahe gelegenen Freibad frisch zu machen solltest Du aber auf diese Spielart der Mikroabenteuer verzichten.

Direkt von der Arbeit in das Abenteuer: 5 to 9

Eine andere Variante ein Mikroabenteuer in den Alltag einzubauen ist es einfach direkt von der Arbeit aus ins Abenteuer zu starten.

Ansonsten unterscheidet sich das Ganze nicht all zu sehr von den obigen Tipps. Nur dass Du eben direkt von der Arbeit weg zu Deinem Mikroabenteuer aufbrichst. Das heißt, dass Du Deine minimale ultraleichte Ausrüstung mit zur Arbeit nimmst oder am besten einfach im Auto deponierst und nach Feierabend direkt zu Deiner Tour aufbrichst. Damit ersparst Du Dir auch gleich noch den stressigen Feierabendverkehr.

Skurrile Stilblüten der Mikroabenteuer

Mit den Mikroabenteuerrn sind auch die Superlative des Wanderns immer mehr für noch so kleine Abenteuer übernommen worden. So werden in den Social Media heute z.B. viele kurze Wanderungen als „Traumpfad“ betitelt während es für mich davon nur einen gibt: Den Traumpfad München-Venedig.

Die Superlative sind meiner Meinung nach übertrieben, aber die Grundidee ist doch einfach klasse. Ohne große Restriktionen und Vorbereitungen schnell mal raus. – Das ist es worum es geht. Eben das kleine Abenteuer erleben. Dafür braucht es doch gar keine Superlative, oder?

Fazit: Mikroabenteuer

Ich mag die Idee der Mikroabenteuer. Einfach im Alltag mal rausgehen, irgendwo überachten und am nächsten Tag voller Energie in den Tag starten. Warum eigentlich nicht?

Ob es dafür den Begriff „Mikroabenteuer“ braucht? Ich weiß es nicht. Man könnte auch einfach sagen…

Ich bin dann mal über Nacht draußen!

Klingt vielleicht nicht so modern, sagt aber letztlich genau das gleiche.

Alles was Du dafür brauchst ist eine kleine unauffällige Ausrüstung, eine Uhr mit Wecker und ein wenig eigene Kreativität und Experimentierfreudigkeit in der Routenfindung. Wenn Du direkt von Deinem Mikroabenteuer in den Alltag zurückkehrst brauchst Du vor Ort nur eine Duschmöglichkeit und Wechselklamotten.

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