Setesdalsheiene-Ryfylkeheiane: von der Heide in die Berge

Setesdalsheiene

Setesdalsheiene & Ryfylkeheiane: einsames und abwechslungsreiches Berggebiet in Norwegen mit kurzer Anreise. Wer schon immer mal Abseits der großen überlaufenen Trekking-Touren in der Bergwelt Norwegens unterwegs sein wollte wird hier fündig.

Setesdalsheiene-Ryfylkeheiane

Das Setesdalsheiene-Ryfylkeheiane steht ein wenig im Schatten der Hardangervidda, verstecken braucht es sich aber wahrlich nicht. Schließlich ist die Landschaft sogar abwechslungsreicher, die Wege ähnlich gut markiert und durch die Selbstversorgerhütten (kaum bewirtschaftete Hütten) nochmal um einiges einsamer als der große nördliche Nachbar. Also genau das richtige Tourengebiet zum Trekking in Norwegen.

Lage

Im Südwesten Norwegens, direkt südlich der Hardangervidda und den Lysefjord im Süden umfassend liegen die Berggebiete der Setesdalsheiene und des Ryfylkeheiane. Beide werden oft gleichgesetzt. Tatsächlich sind die Grenzen fließend und auf Wanderkarten sowie nach einiger Internetrecherche nicht wirklich erkennbar. So ist meine Tour z.B. auf einer Wanderkarte des Setesdalsheiene während der DNT fast allen Hütten am Weg dem Ryfylkeheiane zuordnet.

Eindeutig ist aber dass das Setesdalsheiene nach Osten hin über das Setesdal östlich des Flusses Otra hinaus geht (Setesdal-Aust) während das Ryfylkeheiane ausschließlich westlich in Richtung und mit atemberaubenden Ausblicken auf die schroffen Fjorde Ryfylkes liegt und dabei große Teile des Setesdal Vesthei mit einschließt.

Natur und Geographie

Die Hochebene liegt im Mittel zwischen 800 und 1.200m, nach Norden hin werden die Berge immer höher. Der höchste Punkt ist mit dem Vassdalsegga auf 1.640m erreicht. Die beiden mit Abstand populärsten Stellen aber liegen im westlichen Bereich, dem Bereich des Setesdalsheiene-Ryfylke, der Preikestolen und der Kjeragbolten am Lysefjord. Hier ist dann natürlich nicht mehr viel mit Einsamkeit.

Während in tieferen Lagen vor allem Birkenwälder die Landschaft prägen sind zum Wandern vor allem die höheren Lagen mit ihrer charakteristischen Heidelandschaft (Heiene) inmitten abwechslungsreicher Berglandschaft reizvoll.

Im Herbst färbt sich die Landschaft in allen möglichen Rottönen während im Sommer die Heide in saftigem Grün leuchtet. Da man im Setesdalsheiene aber schnell in verschiedensten Höhenlagen unterwegs ist kann es schon Mitte August sein dass man an einem Tag noch in sommerlichem Grün unterwegs ist und schon am nächsten Tag etwas höher durch die volle herbstliche Farbenpracht der Bergtundra wandert.

Im Gebiet des Setesdalsheiene-Ryfylke leben übrigens Europas südlichste Rengtierherden! Gute Chancen also auf einer mehrtägigen Tour die prächtigen Tiere zu erleben.

Wasserkraft

Das wasserreiche Berggebiet ist für das südliche Norwegen eine wichtiger Standort für Wasserkraft. Schließlich bietet das Gefälle zu den Fjorden optimale Voraussetzungen die Kraft des Wassers zu nutzen. Daher werden vor allem im westlichen Teil des Gebietes viele Flussläufe für die Wasserkraft genutzt und der größte See, der Blasjö, ist letztlich aufgestaut. Von ein paar Verbauungen abgesehen fällt die Nutzung für Wasserkraft in dieser ansonsten ursprünglichen und weitläufigen Landschaft aber kaum ins Gewicht zumal einen die Wanderwege in aller Regel direkt ins Naturparadies führen.

Tourbeschreibung

GPS-Track und Karte

Setesdalsheiene Karte

GPS-Track und Karte Setesdalsheiene-Ryfylkeheiane (Kartendaten © 2019 Google)

Toursteckbrief

  • Strecke: 131km
  • Anstieg: 4.900m
  • Anreise:
    • mit den Öffentlichen: je nach Startpunkt (Fähre von Stavanger nach Lysenbotn, Bus von Kristiansand nach Valle mit Linie 170 der Agder Kollektivtrafikk as)
    • mit dem Auto: Fähre nach Kristiansand und bis zum Einstieg über die RV9 nach Valle, zurück mit den Buslinien NW180 und 170
  • Markierungen: wie in Norwegen üblich gute Markierung mit dem roten „T“ des DNT
  • Wegbeschaffenheit: gut sichtbare Wanderpfade, teils über Blockwerk
  • Beste Jahreszeit: Ende Juni – Ende September (abhängig von den Schneeverhältnissen)
  • Übernachten: dank Jedermannsrecht mit Zelt fast überall möglich, ansonsten in den DNT-Hütten
  • Trinkwasser: so lange es kein „Lemmingjahr“ ist findet man überall ausreichend Trinkwasser, ggf. chemisch aufbereiten
  • Schwierigkeiten: wo keine Sommerbrücken vorhanden sind dürfen Flüsse gefurtet werden, ansonsten überwiegend gute Pfade, maximale Schwierigkeit nach DAV-Kategorien Rot (T3), nach DNT-Kategorien ebenfalls Rot (anspruchsvoll)

Karten

OSM-Karten

Tipp: Zu Tourplanung findest Du auf ut.no detaillierte Wanderkarten mit Hütten und Wegen. Leider nur online nutzbar und nicht offline zur Nutzung auf Tour aber zur Vorbereitung eine tolle Möglichkeit die uns der DNT da anbietet!

Höhenprofil

Höhenprofil Setesdalsheiene-Ryfylkeheiane

Höhenprofil Setesdalsheiene-Ryfylkeheiane

Etappen

Die Tour durch das Setesdal Vesthei Nord bietet 3 schöne Einstiegsvarianten:

1. Lysefjorden: Anreise mit der Fähre u.a. von Stavanger

    • ∎ Lysefjorden – Svartevatn (→15,5km ↑ 1.330 ↓ 365m ∅ 7,5h)
    • Svartevatn – Litle Aurådal – Storsteinen (→22,5km ↑736m ↓ 757m ∅ 8h)
    • Storsteinen- Hovdal (→14,2km ↑ 572m ↓ 387m ∅ 5h)

2. Nes: Anreise nur mit PKW

    •  Nes – Viglesdalen
    •  Viglesdalen – Stakken – Nilsebu
    •  Nilsebu – Storsteinen – Hovdal

3. Valle: Anreise mit PKW oder Bus von Kristiansand

    • Valle – Stavskar – Bossbu (→18,9km ↑988m ↓ 270m ∅ 8h)
    • ∎ Bossbu – Kringlevatn (→20,4km ↑660m ↓ 740m ∅ 8h)
    • Kringlevatn – Hovdal (→22,5km ↑815m ↓ 650m ∅ 8h)

Ab Hovdal folgt die Route dann auf dem gleichen Weg, wenngleich es natürlich vor Ort noch weitere Möglichkeiten für Varianten gibt.

  • Hovdal – Krossvatn (→17,7km ↑ 387m ↓ 409m ∅ 8h)
  • Krossvatn – Jonstølen (→16,6km ↑ 351m ↓ 751m ∅ 5h)
  • Jstonølen – Bleskestadmoen (→12,2km ↑ 611m ↓ 442m ∅ 5h)
  • Bleskestadmoen – Holmavatn (→16km ↑ 676m ↓ 254m ∅ 6h)
  • Holmavatn – Haukeliseter (→16km ↑ 376m ↓ 523m ∅ 6h)

(Schwierigkeitsbewertung nach DNT-Wegekategorien. Vor der Tour muss der aktuelle Zustand bzw. die aktuelle Schwierigkeitsbewertung eingeholt werden. Die Schwierigkeitsbewertung kann sich bei Regen schnell verändern (sumpfige Abschnitte, anspruchsvolles bis nicht mehr mögliches Furten)

Übernachten

Jedermannsrecht

Wer mit dem Zelt unterwegs ist der kann sich über das Jedermannsrecht freuen. Dank ihm können wir in der freien Natur in Norwegen fast überall übernachten. Mit dem Recht gehen aber auch Pflichten einher! Wenn wir uns alle daran halten können wir uns nach lange daran erfreuen.

Für das Setesdalsheiene-Ryfylkeheiane heißt das unterm Strich:

  • einfach genug (mind. 150m) Abstand zu den Hütten und bewohnten bzw. bewirtschafteten Flächen halten
  • kein Feuer schüren
  • rücksichtsvoll sein
  • keine Spuren hinterlassen

Wer sich daran hält kann hier die Natur wie wir es beim Trekking lieben direkt mit dem Zelt genießen.

Hütten

Wer im Setesdalsheiene-Ryfylkeheiane eine Hüttentour gehen will braucht an sich keine Hütten im Vorfeld reservieren. Schließlich sind die meisten Hütten Selbstverpflegungs- oder Selbstbedienungshütten. Für Trekkingtouren braucht es die Hütten natürlich gar nicht, aber für den Fall der Fälle sind die Hütten natürlich ein Rückzugsort bei anhaltend schlechtem Wetter.

Hier die wichtigsten Hütten für die Etappen der Tour durchs Setesdalsheiene-Ryfylkeheiane vom Lysefjord aus:

HütteSchlafplätzeHüttenart
Lysefjorden80Bewirtschaftet
Litle Aurådal24Selbstbedienung
Storsteinen28Selbstbedienung
Hovatn28Selbstbedienung
Vassdalstjørn30Selbstbedienung
Krossvatn28Selbstbedienung
Jonstølen32Selbstbedienung
Bleskestadmoen36Selbstbedienung
Holmavatn20Selbstbedienung
Haukeliseter156Bewirtschaftet

Fazit Setesdalsheiene-Ryfylkeheiane

Das südlichste Heide- und Berggebiet Norwegens, das Setesdalsheiene-Ryfylkeheiane ist wie zum Trekking gemacht. Schnell von Deutschland aus zu erreichen, einsam und mit den Heidelandschaften im Süden sowie den Bergen im Norden landschaftlich wirklich reizvoll.

Wer mag kann die Tour im Süden mit der Tour Lysefjorden-Rund und im Norden in der Hardangervidda verlängern.

Hier gibt es noch mehr Touren in Norwegen: