Trekking in Norwegen – Trekkingtouren, Tipps und Erfahrungen

Trekking Norwegen

Trekking in Norwegen ist für viele der Inbegriff von Trekking. Fjell, Fjorde, Berge, Meer, Polarlichter und nicht zuletzt das Jedermannsrecht ziehen uns einfach magisch an. Ihr findet hier Trekkingtouren, Regionen und Reiseinformationen rund ums Trekking in Norwegen.

Trekkingtouren in Norwegen

In Norwegen findest Du fast überall hervorragend geeignete Gebiete für Trekkingtouren. In über 40 Nationalparks gibt es von einfachen Trekkingtouren bis zu anspruchsvollen Bergtouren Möglichkeiten für alle Arten des Trekkings und Weitwanderns.

Trekking in Norwegen

Trekking in Norwegen

Touren

#TrekkingtourEtappenEntfernung [km]
1Lysefjord Runde6-11111
2Setesdalsheiene9151
3Hardangervidda Ost-West5116
4Hardangervidda Nord-Süd584
5Hardangerjokulen-Umrundung4109
6Jotunheimen-Runde6103
7Rondane-Durchquerung591
8Dovrefjell6103
9Trollheimen-Rundweg574
10Saltfjellet-Svartisen361
11Nordkalottleden55800

Regionen

Dovrefjell

Der Nationalpark Dovrefjell-Sunndalsfjella wurde 2002 gegründet und ist 1.693 Quadratkilometer groß. Besonderheit: Hier leben Moschusochsen frei in der Natur. Höchster Gipfel ist der Snøhetta (2286m) im Westen des Nationalparks. Ich habe die Tour durchs Dovrefjell, auch weil es nicht so überlaufen ist wie manch andere Region, wirklich genossen.

Hardangervidda

Die Hardangervidda ist eine Fjell-Hochebene zwischen Oslo und Bergen. Hunderte km markierte Wanderwege laden zu Trekkingtouren ein. Am Beliebtesten die Ost-West- und die Nord-Süd-Durchquerung. Die Hardangervidda eignet sich besonders gut für Einsteiger. Sind doch die meisten Flüsse mit Brücken entschärft, die Wege gut markiert und insgesamt nicht allzu anspruchsvoll.

Rondane

Der älteste Nationalpark Norwegens ist der Rondane-Nationalpark. Zehn Gipfel mit mehr als 2.000 m erwarten uns hier. Neben Jotunheimen findest Du hier mit das bergigste Gebiet Norwegens vor. Ansonsten ist die Rondane auch bekannt für viele wilde Rentierherden.

Jotunheimen

Die „Alpen Norwegens“ liegen in Jotunheimen. Nirgends geht es in Skandinavien so weit in die Höhe wie hier. Der höchste Gipfel ist der Galdhøpiggen (2.469m), über 200 Gipfel mit über 2000m liegen in Jotunheimen. Auch der bekannte Bergrücken Besseggen liegt hier. Dazu bietet uns der DNT hier unzählige Hütten und gut markierte Wege an. Beste Voraussetzungen also um hier anspruchsvolle Trekkingtouren in atemberaubender Landschaft zu gehen. Eine der beliebtesten Touren: Die Jotunheimen-Runde.

Saltfjellet-Svartisen

Der Saltfejellet-Svartisen-Nationalpark erstreckt sich auf einer Fläche von 2100 Quadratkilometern vom Nordfjord im Westen über die nordische Gebirgswelt auf bis zu 1.500 Höhenmetern bis zu den Tundrenlandschaften im Osten. Im Westen ist der Park dabei durch den Svartisen, dem viert-größten Gletscher Norwegens, geprägt während im Osten der Bergzug Saltfjellet namensgebend ist. Hier eine kurze Trekkingtour durch den Saltfejellet-Svartisen-Nationalpark. Du kannst hier auch gut 2 Wochen auf einer Ost-West-Durchquerung wandern!

Karten

Wenn Du eigene Touren planen willst brauchst Du vor allem gute Karten und Tourinformationen. Was ich zur Tourplanung nutze:

Online-Portale

  • Ut.no – umfangreiches Portal mit Karte, Hütten und Streckenbeschreibungen
  • Sentinel-Hub – aktuelle Satellitenbilder zur Beurteilung der Schneelage

Auf den Karten von Ut.no kannst Du Dir auch die Schwierigkeitsbewertungen der Wegabschnitte ansehen. Hier die Bewertungsskala dazu:

  • Grün: einfache Tagesausflüge für Jedermann auf markierten Strecken
  • Blau: Etappen bis zu 15 km, meist auf markierten Strecken
  • Rot: bis zu ca. 25 km, viele Anstiege, teilweise abseits markierter Wege
  • ∎ Schwarz: mehr als ca. 25 km, teils sehr steiles und unebenes Gelände, oft ohne Markierung

Papierkarten

Karten für Norwegen könnt ihr entweder vor Ort, in gut sortierten Reisebuchhandlungen oder über den Nordlandshop beziehen. Dabei habt ihr eine große Auswahl von speziellen Wander-, Ski- und topographischen Karten.

OSM-Karten für Wander-App und GPS-Gerät

Wer mit einem GPS-Gerät wie dem Garmin eTrex 30x oder einer Wander-App wie Locus Map unterwegs ist findet inzwischen auch für Norwegen viele gute Karten zum freien Download:

Reiseinformationen Norwegen

Anreise und Transfer

Für Trekkingtouren in Norwegen ist das Flugzeug meist die schnellste Wahl. Schließlich kann man mit dem Auto für das man eine Fähre bräuchte auf einer Trekkingtour wenig anfangen. Die deutlich längere Reisezeit mit dem Auto lohnt sich vor allem wenn man die Trekkingtour noch mit einem Roadtrip verbindet.

Anreise mit dem Flugzeug

Die meisten Direktflüge gibt es nach Oslo und Bergen. Von hier aus geht es dann am besten mit dem Zug in die Tourengebiete wie z.B. die Hardangervidda oder Jotunheimen. Wer weiter in den Norden z.B. in das Saltfjellet oder auf die Lofoten will steigt in der Regel in Oslo mit Ziel Bodo um. Skandinavian Airlines bietet hier Linienflüge an. Die Flüge solltet ihr aber wirklich frühzeitig buchen! Schnäppchen bei kurzfristigen Buchungen in den Norden von Norwegen gibt es wirklich sehr selten.

Anreise mit dem Auto

Mit dem Auto könnt ihr entweder über die Öresundbrücke über Schweden oder mit einer Fähre von Dänemark aus anreisen. Für die meisten Fälle ist die Fähre wohl die bessere Option. So kann man gut einige Stunden oder eine Nacht Pause während der Anfahrt zu Erholung einbauen. Aus Franken kommend fahre ich zum Beispiel gerne am ersten Tag der Anreise bis zum Fährhafen in Dänemark und starte dann den zweiten Anreisetag gut erholt mit der Überfahrt nach Norwegen. Fährverbindungen gibt es z.B. von Fjordlineund Color Line von Hirtshals und Frederikshavn nach Kristiansand, Langesund, Sandjefjord und Oslo.

Reisen in Norwegen

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind im Allgemeinen gut ausgebaut. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen dass Du Dir für das Reisen in Norwegen wirklich Zeit einplanen darfst. Es sind einfach meist unheimlich weite Strecken und dabei geht es dann gerne auch noch ganz schön hoch und runter. Gerade, ebene, Strecken wirst Du nicht viele sehen. Attraktiv um aus Bus und Zug aus dem Fenster zu sehen, aber eben zeitaufwändig. Dafür sind manche Zugstrecken wie z.B. die Bergenbahn von Oslo nach Bergen schon an sich eine Attraktion.

Portal und App zum Planen von Bus, Zug, Boot und Flugzeug in Norwegen: Entur

Wer mit dem Auto reist sollte sich im klaren darüber sein dass es Autobahnen wie wir sie kennen kaum gibt. In Norwegen werden wir auch beim Reisen an sich entschleunigt. 🙂 Seit ein paar Jahren gibt es eine Maut in Norwegen. Am Besten registrierst Du Dich mit Deinem Kennzeichen online und lässt die Gebühren direkt von Deiner Kreditkarte abbuchen.

Fähre Norwegen

Überfahrt mit der Fähre in Norwegen

Zusätzlich liegen an der Küste viele reizvolle Fjorde an der Strecke. Egal ob zu Fuß oder mit dem Auto unterwegs nimmt man hier immer wieder Fähren zur Abkürzung der Strecke. Nicht selten ist es auch die einzige Möglichkeit weiter zu kommen. Das solltet ihr also auf jeden Fall in eurer Reisekasse berücksichtigen.

Zelten, Wildcampen, Jedermannsrecht und Hütten in Norwegen

Norwegen bietet dem Trekking-Interessierten für alle Spielarten des Trekkings geeignete Übernachtungsmöglichkeiten.

Wer seine Tour als Hüttentrekking plant findet alle nötigen Informationen auf der Seite des norwegischen Wandervereins DNT eine Übersicht der Hütten. Als DNT-Mitglied (DNT: norwegischer Wanderverein) gibt es auf die Übernachtung einen Rabatt was sich laut DNT schon ab 3 Nächten lohnt. Eine Übernachtung im Lager einer bewirtschafteten Hütte kostet als Nicht-Mitglied ca. 286 NOK, als Mitglied ca. 216 NOK (Stand: 2019) zzgl. Verpflegung. Den Schlüssel für verschlossene Selbstversorgerhütten bekommt man nur als DNT-Mitglied. Alle Hütten des DNT kannst Du über das Buchungsportal des DNT reservieren.

Wer mit dem Zelt unterwegs ist der kann sich über das Jedermannsrecht freuen. Das Jedermannsrecht ist ein traditionelles Recht in Norwegen. Es ermöglicht jedem die Natur genießen zu können und erlaubt es uns mit unserem Zelt in der freien Natur fast überall übernachten zu können. Mit dem Recht gehen aber auch Pflichten einher! Wenn wir uns alle daran halten können wir uns nach lange daran erfreuen. Dazu ein Auszug von visitnorway.de:

Die wichtigsten Regeln sind einfach: Seien Sie rücksichtsvoll und umsichtig. Fügen Sie der Natur und der Umgebung keinen Schaden zu. Hinterlassen Sie die Landschaft so, wie Sie sie gerne vorfinden würden….

…Ausgenommen hiervon sind bewirtschaftete Felder und Rastplätze. Achten Sie nur darauf, einen Mindestabstand von 150 Metern zum nächsten bewohnten Haus bzw. zur nächsten bewohnten Hütte einzuhalten…

…Vom 15. April bis zum 15. September sind offene Feuer in oder in der Nähe von bewaldeten Bereichen verboten.

Vaude Mark II Light (heute Mark L 3P)

mit dem Vaude Mark II Light dank Jedermannsrecht direkt am Fjord

Alternativ zum Zelten auf Basis des Jedermannsrechtes findet sich entlang der meisten Verbindungsstraßen, im Fjordland und in größeren Ortschaften und Städten natürlich auch unzählige Campingplätze. Hier empfiehlt sich die Camping-Card die ihr u.a. über den ADAC beziehen könnt. Mit ihr bekommt ihr auf den meisten Plätzen Vergünstigungen. Zusätzlich spart ihr euch beim Anmelden das Abgeben des Reisepasses oder das Ausfüllen von Formularen da ihr so eine länderübergreifend gültige Identifikation für Campingplätze vorlegen könnt.

Wetter in Norwegen

Nicht ohne Grund verbinden viele mit Skandinavien und Norwegen nasskaltes Wetter. In der Tat ist die Niederschlagsmenge im Schnitt deutlich über der Niederschlagsmenge Deutschlands. In den wenigen Sommermonaten von Ende Juni bis September aber kann man durchaus längere stabile Wetterperioden haben.

Nichts desto trotz befindet man sich im hohen Norden und auch wenn die Berge in der Regel nicht nicht höher als 1.000 – 1.500m hoch sind ist das Klima ähnlich wechselhaft wie in den heimischen Alpen bei 2.500 und mehr Metern. Im hochgelegenen Fjell und in den Bergregionen ist die Durchschnittstemperatur auch im Sommer bei ca. 7-10°C. Nachts fällt die Temperatur schnell auf den Gefrierpunkt. Auch Schneefall kann jederzeit in höheren Lagen auch im Sommer eintreten.

An der Westküste, also zum Beispiel im Fjordland oder an den Lofoten, sorgt der Golfstrom über das ganze Jahr hinweg für anhaltende mildere Temperaturen. Und ja – man kann sich auch in Norwegen einen Sonnenbrand einfangen!

Für Trekkingtouren eignen sich vor allem die Monate Juli und August. Davor kann es gut sein dass noch Schnee liegt oder das Fjell schlicht noch zu nass ist um wirklich vorwärts zu kommen. Spätestens ab September können die Temperaturen in höheren Lagen empfindlich fallen.

Nach Langzeitaufzeichnungen von Meteoblue sind die Temperaturen und Niederschlagsmengen je nach Region teils sehr unterschiedlich. Selbst zwischen Harteigen und Finse gib es schon große Unterschiede. Du solltest also auf jeden Fall für Dein Tourengebiet nochmal im Detail ansehen wie sich das Wetter in Deinem Reisezeitraum verhält. Frostig kalte Nächte sind aber so oder so auch in den Sommermonaten keine Seltenheit sobald Du die Küste und damit den Einfluss des Golfstroms verlässt.

Update: Eine sehr gute Webseite zum aktuellen Wetter aber auch mit gutem Wetterarchiv ist yr.no. Hier findet ihr teilweise sogar für einzelne Hütten detaillierte Wettervorhersagen.

Tipp: Für die Wettervorhersage vor Ort liefert die App von YR.no werbefrei 4x am Tag aktuelle Vorhersagen. Mehr dazu im Artikel Wetter-App Vergleich: 9 Wetter-Apps im Outdoor-Praxistest

Netzabdeckung und Roaming in Norwegen

Die Netzabdeckung in Norwegen ist im Allgemeinen sehr gut. (Nicht ohne Grund sind in Norwegen mehr Mobiltelefone als Einwohner gemeldet.) Trotzdem gibt es einige Gegenden in denen es nach wie vor keinen Netzempfang gibt. Auf der interaktiven Karte von Telia könnt die aktuelle Netzabdeckung in Norwegen sehen.

Gebühren für Roaming entfallen bei den meisten Anbietern glücklicherweise seit dem 15.06.2017. Norwegen ist zwar nicht in der EU, schließt sich aber den neuen EU-Regeln für Roaming an. Um ganz sicher zu gehen solltet ihr aber die Bedingungen für Roaming eures Netzanbieters ansehen. Hier sind alle Länder gelistet für die ihr keine Roaminggebühren zahlen müsst.

Netzabdeckung Norwegen

Screenshot von telia.no vom 08.07.2017 zur Netzabdeckung in Norwegen

Währung, Zahlungsverkehr und Einkaufen

Einkaufen in Norwegen

Norwegen ist kein billiges Reiseland, aber Dank eines starken € wird es zunehmend günstiger nach Norwegen zu reisen. Lebensmittel erhält man in allen größeren Ortschaften in Ketten wie z.B. Rimi, Netto, Kiwi und ICA. Während einer Trekkingtour können wir uns aber auch direkt in den Hütten und Selbstversorgerhütten des DNT verpflegen. Während man bei bewirtschafteten Hütten analog den Alpenvereinshütten essen kann stehen uns bei Selbstversorgerhütten Vorräte zur Selbstverpflegung zur Verfügung. Die Preise stehen direkt am Regal und bezahlt wird einfach per Einwurf in einen Briefkasten oder per Kreditkartenabrechnung.

Währung und Zahlungsverkehr

Währung in Norwegen ist die Norwegische Krone (NOK). Der Kurs liegt aktuel bei 9,39 NOK für 1€. Am Besten bemüht ihr vor Reiseantritt aber nochmal einen Währungsrechner.

Auch in Norwegen ist die Zahlung mit Kreditkarte sehr weit verbreitet. EC-Karten werden oft auch angenommen aber weniger weit verbreitet. Wer auf Hütten übernachtet kann i.d.R. seine Kreditkartendaten über ein Formular in einem Briefkasten einwerfen. Je nach Tourengebiet solltet ihr euch da aber vorher noch auf den Seiten der Hüttenbetreiber über die gewünschte Zahlungsweise informieren.

Trekking in Norwegen hat Suchtpotential

Trekking in Norwegen ist tatsächlich einfach ein Traum. Seit vielen Jahren zieht es mich immer wieder hierher. Weite Landschaften, Hütten für den Notfall und ein Jedermannsrecht dass es uns erlaubt an den allermeisten Plätzen mit dem Zelt zu übernachten. Was will man mehr?

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