Garmin eTrex 30x/32x im Praxistest

Garmin eTrex 30x

Als bekennender Papierkartenliebhaber habe ich lange Zeit GPS-Geräte links liegen lassen. Zu Unrecht wie ich heute weiß. Wofür und wie ich das Garmin eTrex 30x / 32x heute nutze erfahrt ihr hier.

Warum ein GPS-Gerät?

Heute hat man ja die Qual der Wahl wenn es um das richtige Navigieren geht. Wanderkarte, Topografische Karte, GPS-Gerät, GPS-Uhr und nicht zu letzt auch Apps wie Locus Map für das Smartphone stehen zur Auswahl.

Für ein GPS-Gerät spricht:

  • Redundanz zum Smartphone
  • Robustheit
  • Vielseitigkeit im Einsatz als Outdoor-Navi beim Wandern, Paddeln, Radfahren, Geocaching…
  • separate Energieversorgung mit austauschbaren Akkus (im Gegensatz zu einem Handy)
  • kostenlose Karten

Warum ein eTrex?

Auswahlkriterien

Die Kriterien für mein erstes GPS-Gerät waren schnell zusammengestellt. Wie üblich sind mir Funktionalität und Gewicht wichtiger als trendige Features oder stylisches Aussehen. Grundfunktionen wie z.B. Track-Aufzeichnung oder Routing waren schon in der Vorauswahl berücksichtigt. Mein Haupteinsatzzweck sollte das Trekking und Paddeln, also eher langsame Outdooraktivitäten, sein. Es kam also nicht auf einen schnellen Prozessor und geführtes Routing an.

KriterienAnforderungeTrex 30x  
Packmaßklein5,4 x 10,3 x 3,3 cm
Gewichtleicht141g mit Batterien
RobustheitSpritzwasserdichtIPX7 (bedingt wasserdicht)
Displaywenig reflektierend, Farbdisplay, besser klein um Strom zu sparen2,2 Zoll Display, transreflektives TFT-Display mit 65.000 Farben
Akkulaufzeitso lange wie möglich25h
EmpfangGPS+Glonass GPS+Glonass
ExtrasUSB-Schnittstelle, microSD-Steckplatz (Speichererweiterung)3-Achsen-Kompass, barometrischer Höhenmesser, USB-Schnittstelle, microSD Kartensteckplatz
Preisgünstig, Amortisation über Einsparung an Papierkarten199 € inkl. Karte TopoActive Westeuropa

Das eTrex 30x kommt auf den ersten Blick vielleicht etwas altbacken daher, aber letztlich habe ich kein vergleichbares GPS-Gerät mit der Funktionalität und Akkulaufzeit bei niedrigem Gewicht gefunden. Da nehme ich auch gerne in Kauf dass die Geschwindigkeit beim Laden nicht ganz so schnell ist.

Unterschied zwischen eTrex30x und eTrex32x

Das eTrex 32x ist der Nachfolger des 30x, dabei sind die Änderungen aber sehr gering weshalb der Praxistest des 30x in weiten Teilen auch auf das 32x übertragen werden kann.

Die wichtigsten Unterschiede und Verbesserungen im eTrex 32:

  • größerer internen Speicher: 8 GB (32x) vs. 3,7 GB (30x)
  • optische Änderungen in den Menüs

Ansonsten sehe ich aus den Datenblättern und auch aus einem Test im Laden keine weiteren Unterschiede. Sogar die schon längst veraltete Mini-USB-Schnittstelle wurde nicht auf den modernen USB-C-Anschluß aktualisiert.

Zubehör

Je nach Einsatzzweck bietet sich verschiedenes Zubehör an. Für das Radfahren habe ich noch die Fahrrad Halterung die man einfach mit zwei Kabelbindern am Lenker befestigen kann. Zum Wandern gibt es noch eine praktische Rucksackhalterung die mit Klettverschluss um Rucksackriemen befestigt wird. Fürs Paddeln nutze ich die Karabiner Halterung. Damit kann man das GPS-Gerät nach Belieben an einer Leine oder Lasche am Boot befestigen. In Summe muss ich sagen dass jedes Zubehör seinen Zweck gut erfüllt.

Als Speichererweiterung verwende ich eine 32GB microSD-Karte. Das reicht mit sehr viel Sicherheit für meine verwendeten Karten und Touren aus. Lädt man neue Karten auf die microSD-Karte kann man bequem den internen Kartenleser des Rechners verwenden und ist nicht an die Datenübertragung über USB-Kabel gebunden was in den meisten Fällen schneller gehen sollte.

Einstellungen

Profile

Ich habe mich zunächst vor allem darauf konzentriert mir ein eigenes Profil „Wandern“ zu erstellen. Am Anfang lohnt sich dabei der Blick auf eine der zahlreichen Anleitungen im Internet um die Einstellungen vorzunehmen. Hier werden alle Konfigurationsmöglichkeiten gut und einfach erklärt.

Die wichtigsten Einstellungen zum Wandern in Kurzform:

  • System: Satellitensystem „GPS+Glonass“, WAAS aus, Batterietyp NiMH, USB-Mode Massenspeicher
  • Anzeige: Beleuchtungsdauer 15s, Farben Auto, Energiesparmodus Ein
  • Töne: Töne „Aktiviert“, Nachrichten-Signalton: „Ein“, Tastenton „Deaktiviert“, Abbiegewarnungen „Ein“, Annäherungsalarme „ein“
  • Karte: Ausrichtung „Fahrtrichtung“, Führungstext „Nie“, Datenfelder „2“ (Anstieg + Distanz)
  • Tracks: Trackaufzeichnung „Nicht aufzeichnen“ (bei Tourstart manuell einschalten), Aufzeichnungsart „Auto“, Automatisch archivieren „Wenn voll“, Farbe: „Gelb“
  • Seitenfolge: alle nicht benötigten Seiten von der Startseite entfernen
  • Routing: Routenpräferenz „Kürzere Zeit/Kürzere Strecke“, Routen berechnen für „Fussgänger“

Zusätzlich deaktiviere ich vor jeder Tour alle nicht benötigten Karten. Das spart Ladezeit.

Analog habe ich dann noch die vorhandenen Profile Rad und Marine (zum Paddeln) auf meine Anforderungen angepasst.

Karten

Ich verwende überwiegend die OSM-Freizeitkarten. Die Karten sind kostenlos und es gibt für viele Länder und Regionen regelmäßig Updates. Höhendaten sind übrigens in einigen Karten, z.B. für Deutschland oder die Alpen, ebenfalls enthalten. Allerdings haben die verschiedenen Karten offenbar eine sehr unterschiedliche Genauigkeit in den Höhendaten. Mehr dazu im Artikel Garmin Karten im Vergleich – Ein Praxistest freier OSM-Karten.

v.l.n.r: Reit- und Wanderkarte, Freizeitkarte Deutschland, Garmin TopoActive Europa West

v.l.n.r: Reit- und Wanderkarte, Freizeitkarte Deutschland, Garmin TopoActive Europa West

Den Einsatz der Freizeitkarten für Bergtouren sehe ich in den Alpen aber auch aus einem anderen Grund problematisch. Klettersteige sind zwar anders als andere Bergwege dargestellt. es fehlt mir aber die klarere Visualisierung über Piktogramme wie ich es von Papierkarten gewohnt bin. Ein Sicherheitsrisiko dass ich nicht eingehen will solange mir die Abgrenzungen zwischen Bergwanderwegen und alpinen Wanderwegen nicht klar genug ist. Auch in der Legende der Freizeitkarte heißt es dazu:

Freizeitaktivitäten im Gebirge erfordern entsprechende Erfahrung und bergen Gefahren. Alleine mit dieser Karte sollte keine Bergtour geplant werden. Aus Sicherheitsgründen wird nicht über die (Berg-)Wanderwege der Kategorien T4-T6 geroutet (Ausnahme: Freizeitkarte Alpen). Klettersteige sind immer vom Routing ausgenommen.

Erfahrungen auf Tour

Das eTrex 30x macht genau das was es soll. Neben den ganzen technischen Eigenschaften die ja schon beim Kauf klar waren überzeugt mich das GPS-Gerät auch in der Praxis. Nach ein wenig Eingewöhnungszeit und individueller Einstellung klappt die Bedienung sehr gut. Hier gibt es aber mit Sicherheit einfacher zu bedienende Geräte.

Die Geschwindigkeit ist manchmal etwas träge. Lädt man aber nicht zu viele Touren auf das Gerät oder die microSD-Karte und deaktiviert aktuell nicht benötigte Karten läuft es auch gleich wieder schneller.

Tourplanung

Im Zusammenspiel mit Garmin BaseCamp erleichtert es die eigene Tourplanung ohne auf Online-Portale angewiesen zu sein. Wegstrecke und Höhenmeter sind schnell am PC mit kostenfreien Karten geplant und genauso schnell auf das Gerät übertragen. Meine Tour in die Hardangervidda und rund um den Hardangerjokulen habe ich zum Beispiel so geplant. Für Tageswanderungen bis zu verlängerten Wochenendtouren ersetzt das Gerät jetzt auch die Anschaffung von Wanderkarten. Dazu plane ich die Tour am PC und nutze unterwegs die das eTrex.

Abstriche muß man leider in der Konnektivität machen. Keine WLan-Verbindung, keine Verknüpfung mit Apps wie Komoot, keine Verknüpfung zu Garmin Connect und selbst beim Anschluss an den PC muß man die richtige Reihenfolge einhalten.

Tipp: Erst den mittleren USB-Stecker des mitgelieferten Kabels an den PC anschließen, dann den Mikro-USB-Stecker mit dem Navi verbinden.

Akkulaufzeit

Garmin gibt selbst 25h Akkulaufzeit an ohne dabei auf die verwendeten Batterien oder Akkus einzugehen. Ich verwende die schwarzen „eneloop pro“ Akkus mit einer Kapazität von 2500 mAh und 500 Ladezyklen. Die eneloops mit 1900 mAh haben dagegen 2100 Ladezyklen. Zusätzlich nutze ich dafür das zugehörige „Panasonic Schnellladegerät eneloop pro“. Mit diesem Ladegerät stellt man sicher auch wirklich die maximal mögliche Kapazität laden zu können. Nach dem Ladevorgang wird auch noch gleich angezeigt ob sich die verbleibende Akkulebenszeit dem Ende neigt und der Akku besser ausgetauscht werden sollte.

Laut einem Test von navigation-professionell ergibt sich bereits bei den eneloops mit 1900 mAh eine Akkulaufzeit von 36h im Sparmodus und ohne Displaynutzung und 11h im Powermodus (Bildschirm dauerhaft an). In einem weiteren Test wurde schon ermittelt dass 2500 mAh Akkus eine ca. 20% höhere Laufzeit als 2000 mAh Akkus haben. Damit sind die angegebenen 25h Akkulaufzeit bei mäßiger Displaynutzung also realistisch und hat sich in der Praxis auch bestätigt.

Die Akkulaufzeit mit den schwarzen eneloops liegt in der Praxis bei 25-30h. Genutzt wurde das Navi in der Zeit durchgehend zum Aufzeichnen des Tracks und etwa zur Hälfte gleichzeitig auch zum Routing.

Noch mehr geht mit deutlich teureren Lithium-Batterien. Diese würden im Vergleich zu 2000 mAh Akkus sogar 90% Laufzeitgewinn bringen. Das würde sagenhaften 68h Akkulaufzeit ohne Displaynutzung entsprechen. Hier wird wohl ein Praxistest zur Akkulaufzeit unter realen Bedingungen fällig…

Ein Satz eneloop pro Akkus reichen auf jeden Fall locker für ein verlängertes Wochenende wenn man das Display nicht zu häufig, zu hell und zu lange benutzt. Verzichtet man auf Glonass Empfang sollen nochmal gut 10% Akkulaufzeit gewonnen werden können.

Das Gewicht der 2 Akkus ist übrigens nichts zu vernachlässigen. Am leichtesten sind Lithium-Batterien, gefolgt von Alkali-Batterien, den weißen eneloops und letztlich den schwarzen eneloops. Die um 20% höhere Leistung rechtfertigt für mich das Mehrgewicht.

Lese-Tipp: Strom beim Trekking: Wie Du Outdoor immer Strom hast

Trekking und Wandern

In der Regel lasse ich mir bei Trekkingtouren einfach nur den vorher geplanten Track und meinen Standort anzeigen. Routing braucht es in den allermeisten Fällen nicht und würde auch zu viel Strom verbrauchen. Das GPS-Signal ist in der Regel sehr schnell da und der Empfang bei eingeschaltetem GPS und Glonass System hat auch in engen Tälern sehr gut funktioniert.

Ansichten im Profil "Wandern"

Ansichten im Profil „Wandern“

Etwas nervig ist der sehr langsame, aber eben auch stromsparende, Prozessor. Das fällt vor allem beim Zoomen und Verschieben der Karte auf.

Dafür ist das eTrex aber eben leicht, robust und zuverlässig. Bei meinen bisherigen Touren kam es noch nie zu einem Absturz des Systems, Regen und Stöße hat das Gerät bisher klaglos hingenommen.

Die Trackaufzeichnung im Intervall „Auto“ ist sehr gut. Keine Ausreißer und selbst bei Pausen ist die ganz normale Punktewolke relativ klein so dass ich die Tracks mit sehr wenig Aufwand auch für die Karten auf dieser Seite aufbereiten kann.

Paddeln

Beim Paddeln nutze ich das Navi in erster Linie für Annäherungsalarme. Vor jeder Tour suche ich mir Gefahr- und Umtragestellen, aber auch mögliche Übernachtungsplätze, heraus uns speichere sie als Wegpunkt auf dem eTrex. Warnen lasse ich mich dann je nachdem 50-200m vorher. Aber Vorsicht: den Annäherungsalarm muß man in Meilen angeben!

Einrichtung des Annäherungsalarms für ein Wehr

Einrichtung des Annäherungsalarms für ein Wehr

Weitere Funktionen die ich gerne beim Paddeln nutze:

  • Reisecomputer: zurückgelegte Strecke, Geschwindigkeit, Sonnenuntergang
  • Kompass: vor allem auf Seen

Damit ich es immer griffbereit habe nutze ich die Karabinerhalterung und klemme das Navi dann unter die Decksbespannung.

Von der Wasserdichtigkeit konnte ich mich während meiner Tour mit dem Packraft auf der Wiesent überzeugen. Hier ist das GPS unfreiwillig und unbemerkt fast 3km halb im Wasser gehangen. Es hat dicht gehalten und getan was es tun soll – den Track aufgezeichnet. Nur die Höhenmessung hat in dieser Zeit nicht richtig funktioniert. Kaum war es aus dem Wasser hat aber die Höhe wieder gestimmt, was bei einer Barometrischen Höhenmessung aber auch nicht weiter verwunderlich ist.

Beim Paddeln ist das eTrex bei mir wegen der Robustheit und der zielsicheren Bedienung auch mit nassen Fingern zur Orientierung das Gerät der Wahl. Alternativen wie z.B. die App Canua haben sich bei mir in der Praxis nicht bewährt.

Radfahren

Für Radtouren hatte ich das Gerät gar nicht vorgesehen, aber nachdem ich Bikepacking für mich entdeckt habe durfte sich das eTrex 30x natürlich auch als Fahrradnavigation beweisen.

Zielauswahl, Routing und Warten auf das Re-Routing beim Radfahren

Wartezeit bei der POI-Suche, Routing und Warten auf das Re-Routing beim Radfahren

Leider hat es mich da aber nicht überzeugen können:

  • die Anzahl der Routingpunkte ist stark begrenzt, so kann man kaum eine längere vorgeplante Route verwenden
  • das Routing ist in der Berechnung sehr langsam. Spätestens beim Re-Routing ist der Spaß vorbei
  • Ziele für das Routing können zwar eingegeben werden, das ist dann aber schon sehr fummelig
  • die Akkulaufzeit wird bei eingeschaltetem Display schon sehr deutlich reduziert
  • die Fahrradhalterung mit Kabelbindern ist nicht besonders stabil und wackelt Offroad schon sehr

Alles in allem würde ich das eTrex 30x nur für gelegentliche Radtouren nehmen. Wer häufiger unterwegs ist wird meinem richtigen Radnavi wie z.B. dem Garmin Edge 830 oder 530 sicher glücklicher.

Fazit

Ich liebe immer noch Papierkarten. Den Überblick über ein ganzes Tourengebiet, das Abfahren der Route mit dem Finger, das Markieren von Wegpunkten und die Unabhängigkeit von Strom waren und bleiben Kriterien die für eine Papierkarte sprechen.

Aber das eTrex 30x / 32x verrät einem eben auch bei Nebel, im Whiteout oder Ebenen zuverlässig die Position und ist dabei auch noch ein robuster, zuverlässiger und stromsparener Begleiter. Ich nutze es bei längeren Trekkingtouren und Kanutouren wo man nur hin- und wieder seinen Standort bestimmen oder Annäherungsalarme erhalten will. Für das Radfahren, wo man gerne auch das Routing nutzen will, kann ich es nicht empfehlen.

Für einfache Wanderungen in Zivilisationsnähe bei schönem Wetter und leichtem Gelände reicht heute natürlich auch eine Smartphone-App zur Orientierung.

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