Outdoor-Wasserfilter: Wie Du Trinkwasser gewinnen kannst

Trinkwasser

Trinkwasser ist das wichtigste auf Deiner Trekkingtour. Outdoor-Wasserfilter und chemische Aufbereitung – wie Du Wasser richtig aufbereitest.

Woher bekomme ich Trinkwasser?

Trinkwasser ist lebenswichtig. Jeder der schon einmal bei großer Hitze und sportlicher Betätigung nicht rechtzeitig den Flüssigkeitshaushalt ausgeglichen hat hat schon am eigenen Leib zu spüren bekommen wie schnell der Körper ohne Wasser seine Leistungsfähigkeit einbüßt. Und Trekking ist letztlich mehrstündiger Sport.

Ich habe mir angewöhnt grundsätzlich immer 2l Wasser dabei zu haben wenn ich nicht permanent an Trinkwasser entlang gehe.

Für die Versorgung in der Natur entnehmen wir das Wasser grundsätzlich immer aus fließendem Gewässer oberhalb weide- und landwirtschaftlicher Nutzung oder direkt aus einer Trinkwasserquelle. Schon vor der Tour hast Du speziell für Dein Tourengebiet recherchiert ob und wie Du das Wasser vor dem Verbrauch z.B. noch mit einer mechanischen Filterung oder einer chemischen Entkeimung aufbereiten musst. Mehr zum Thema Wasseraufbereitung findest im Wiki von outdoorseiten.net.

Wenn Du in der Zivilisation unterwegs bist würde ich mir um Wasseraufbereitung aber nicht zu viele Gedanken machen. Einfach auf dem Weg Bewohner nach Leitungswasser fragen anstatt zu viel Energie in die hierzulande fast ausnahmslos notwendige Wasseraufbereitung zu machen. Meist entwickelt sich noch ein nettes Gespräch und oft gibt es auch gleich noch Tipps für einen schönen Platz zum Übernachten gratis dazu.

Warum Wasser aufbereiten?

Wenn es um Trinkwasser bei Outdoor-Aktiviäten geht es ans eingemachte. Deshalb gleich vorweg:

Achtung! Outdoor-Trinkwasseraufbereitung hat Grenzen! Nicht alle Verunreinigungen, Mikroorganismen und Chemikalien können mit den üblichen Filtern und Tabletten entfernt werden!

Daher zum Einstieg erstmal eine kleine Übersicht welche Wasserverunreinigungen auf Tour üblicherweise lauern.

Mikroorganismen

Mikroorganismen sind kleinste Lebenwesen die nur unter der Mikroskop sichtbar sind. Mit bloßem Auge sind sie nicht erkennbar. Die meisten Mikroorganismen sind Einzeller. Zu Ihnen zählen u.a. Bakterien, Pilze, Algen, Protozoen und Viren.

Bakterien

Bakterien sind zu Hause wie auch Tour immer an und ums uns herum. Teils Helfer, teils Last. Bakterien sind Einzeller die sich bei ausreichend Nährstoffen und warmen Temperaturen gerne teilen und damit vermehren. Gefährlich sind Bakterien im Trinkwasser vor allem wenn das Wasser mit Fäkalien verunreinigt ist. Typische Auswirkungen sind Durchfall (Diarrhö), Cholera und Ruhr. (Quelle: WHO).

  • Größe: 0,2 – 5 Mikron
  • verbreitete Keime: E.coli (Escherichia coli ), Salmonellen, Cholera

Protozoen

Protozoen sind ebensfalls tierische Einzeller, im Volksmund oft auch einfach als Parasiten benannt. Sie lassen sich wegen ihrer Größe aber meist gut herausfiltern. Üblicherweise finden sie sich in ungefiltertem Oberflächenwasser wieder. Für eine Infektion soll lt. Katadyn schon eine einzige Zelle ausreichen.

  • Größe: 1 – 15  Mikron
  • Bekannte Keime: Amöbenruhr, Gardia (Dünndarm-Parasiten), Kryptosporidien, Malaria-Erreger

Viren

Viren sind die kleinsten aber meist auch schlimmsten Übeltäter im Wasser. Durch ihre kleinste Größe ist mechanisches Filtern extrem schwer und so werden sie von den meisten Outdoor-Wasserfiltern auch nicht oder nur teilweise gefiltert. Daher sind unterwegs meist nur chemische Aufbereitungsmittel (Chlor) oder Hitze (Abkochen) gegen Viren verlässlich. Sie treten vor allem durch Verschmutzung des Wassers mit tierischen oder menschlichen Fäkalien auf.

  • Größe: 0,02 – 0,2  Mikron
  • verbreitete Keime u.a.: Influenza (Grippe), Hepatitis A, B, C und D, Rota-Virus, Polio-Virus

Schwebstoffe / Partikel

Die offensichtlichsten Schwebstoffe im Trinkwasser bei Trekkingtouren Pflanzenreste. In höherer Konzentration können sie gefährlich werden, ansonsten sorgen sie einfach für einen meist modrigen Geschmack. Kritischer als die Schwebstoffe selbst sind aber die an ihnen haftenden Bakterien oder Viren. So reduziert das mechanische Filtern der Schwebstoffe gleichzeitig auch noch das Risiko von Infektionen. Wenn man also kein absolut klares Wasser vorfindet ist ein mechanischer Filter immer als erste Stufe der Wasseraufbereitung ratsam.

Chemikalien

Chemikalien können in den verschiedensten Varianten im Trinkwasser vorkommen. Eine sichere vollständige Reinigung vor Chemikalien ist aufgrund der vielfältigen Arten an Chemikalien unterwegs schlicht nicht möglich! Ein Aktivkohlefilter nimmt zwar einige chemische Bestandteile auf und neutralisiert den Geschmack ein wenig, filtert aber nicht alle Chemikalien zuverlässig aus dem Wasser heraus.

Wenn in eurem Tourengebiet Chemikalien in natürlichen Wasservorkommen auftreten können gilt daher: Gebiet meiden, ausreichend Trinkwasser mitnehmen, Spezialaufbereitung suchen. Die Risiken durch Chemikalien im Trinkwasser sind ansonsten schlicht nicht kalkulierbar.

Arten der Outdoor-Wasseraufbereitung

Anfangs ist die Wasseraufbereitung wie ein Buch mit sieben Siegeln. Damit ihr euch ein wenig besser orientieren könnt habe ich hier eine Übersicht für euch zusammengestellt.

Wasseraufbereitung

Arten der Wasseraufbereitung

Wichtig: Ihr findet hier eine grobe Übersicht über verschiedene Arten und Funktionsweisen zur Wasseraufbereitung. Die spezifischen Einsatzgebiete verschiedener erhältlicher Produkte entnehmt ihr bitte der jeweiligen Produktbeschreibungen der Hersteller!

Mechanische Filterung

  • Einsatzgebiet: Bakterien , Protozoen
  • Funktionsweise: Filterung mittels keramischem Filter (Mikrofaser-Röhrchen) bis zu einer Porengröße von 0,0001 mm
  • Leistung: 1,7 l/min
  • Anmerkung:
    • Der Filter muss regelmäßig gereinigt werden, ein verstopfter Filter funktioniert nicht.

Beispiele: Care Plus Saywer Mini SP128, LifeStraw Personal

Chemische Wasseraufbereitung

  • Einsatzgebiet: Bakterien , Protozoen (Giardia) , (einige) Viren
  • Funktionsweise: Abtötung von Bakterien und Giardia durch Silberionen und / oder Chlor
  • Leistung: ∼ 1 Tablette/l, 30min für Bakterien, 120min gegen Giardia, 6 Monate Konservierung vor Wiederverkeimung
  • Anmerkungen:
    • wirkt nur bei klarem Wasser zuverlässig
    • wirkt nicht gegen alle Viren
    • hinterlässt Chlorgeschmack (kann mit Hilfe von Tabletten oder Aktivkohlefilter neutralisiert werden)

Beispiele: Mc Nett Aquaventure Wasserentkeimer, Katadyn Micropur Forte

(Achtung Verwechslungsgefahr: Micropur Classic eignet sich nur zur Konservierung von sauberem Wasser, nicht zur Aufbereitung!)

Aktivkohle-Filter

  • Einsatzgebiet: schlechter Geruch und Geschmack von Trinkwasser , (bedingt Chemikalien)
  • Funktionsweise: Adhäsion und Absorption, kurz: die Aktivkohle bindet Schadstoffe
  • Leistung: abhängig von Gesamtsystem (wird normalerweise nicht einzeln verwendet)
  • Anmerkungen:
    • benutzte Aktivkohle muss spätestens nach 6 Monaten erneuert werden
    • mit dem ersten Liter muss der Kohlestaub vom Einfüllen der Aktivkohle ausgespült werden
    • sollte immer hinter einem mechanischen Filter verwendet werden
    • filtert / reduziert Chemikalien nur bedingt, kein „Rundum-“ Schutz vor Chemikalien!

Beispiel: Katadyn Flaschenadapter für Aktivkohle

Abkochen

  • Einsatzgebiet: Mikroorganismen (Bakterien, Viren, Pilze)
  • Funktionsweise: 3-5min sprudelndes Kochen
  • Anmerkungen:
    • keine Wirkung bei Chemikalien
    • Schwebstoffe bleiben im Wasser
    • einige Mikroorganismen überleben auch 100°C
    • hoher Brennstoffverbrauch
    • Kochzeit abhängig von Höhe (1 Minute länger je 150 Höhenmeter)

Beispiel: dein eigenes Trekking-Kochset

Wasserfilter-System

  • Einsatzgebiet: Bakterien , Viren , Protozoen , schlechter Geschmack , (bedingt Chemikalien)
  • Funktionsweise: Kombination aus mechanischem Filter und Aktivkohlefilter, meist mit Pumpsystem
  • Leistung: ∼ 2,5 l/min (für große Wassermengen geeignet)
  • Anmerkung:
    • schwer und sperrig
    • Der Filter muss regelmäßig gereinigt werden, ein verstopfter Filter funktioniert nicht.
    • filtert / reduziert Chemikalien nur bedingt, kein „Rundum-“ Schutz vor Chemikalien!

Beispiele: Katadyn Hiker Pro (310g), Katadyn Vario (425g), MSR – Guardian Purifier Pump (490g)

UV-Licht

  • Einsatzgebiet: Bakterien , Viren , Protozoen
  • Funktionsweise: zerstört Bakterien, Viren und Protozoen unter umrühren mittels UV-Licht-Stick
  • Leistung: ∼ 0,5 l/min
  • Anmerkungen:
    • wirkt nur bei klarem Wasser zuverlässig
    • benötigt Strom

Beispiel: SteriPen Pure+

Quellen: Zusammenfassung aus verschiedenen Datenblättern der beispielhaft genannten Produkte von Saywer, MSR, Steripen, Katadyn

Wasseraufbereitung in der Outdoor-Praxis

Vor der Tour: Wasseraufbereitung planen

  1. Informiere Dich über die Wasserqualität in Deinem Tourgebiet
    • Gibt es natürliches Trinkwasser / Trinkwasserquellen?
    • Ist das Wasser klar oder voller Schwebstoffe?
    • Enthält das Wasser Bakterien/Protozoen oder gar Viren?
    • Sind chemische Verunreinigungen zu erwarten?
  2. Wähle je nachdem die geeignete Methode oder auch eine Kombination von Methoden zur Wasseraufbereitung aus
  3. Gleiche die vom Hersteller angegebene Wirkung mit der zu erwartenden Wasserverschmutzung ab
  4. Prüfe vor der Tour die Haltbarkeit der Wasseraufbereitungsmittel (z.B. Aktivkohle, chemische Aufbereitungsmittel)
  5. Reinige vor der Tour Deinen mechanischen Filter, Faltflaschen und Wasserbeutel
  6. Teste die Funktion

Während der Tour:

  1. Nutze möglichst oft bekannte Trinkwasserquellen.
  2. Entnehme Wasser nie unterhalb bewohnter oder landwirtschaftlich bzw. industriell genutzter Gebiete!
  3. Wasser möglichst immer aus fließendem Gewässer nahe an der Quelle entnehmen (fließendes Wasser kann z.B. durch oberhalb liegende Kadaver verschmutzt werden)
  4. Entnehme Wasser nur aus stehendem Gewässer wenn sich keine toten Tiere oder Exkremente im Wasser befinden
  5. Führe die Wasseraufbereitung immer genau nach Herstelleranleitung aus. Nimm Dir die Zeit dafür, auch wenn es vielleicht mal etwas länger dauert!
  6. Scheue Dich nicht Anwohner nach Trinkwasser zu fragen. Abgewiesen wurde ich noch nie, meist entwickelt sich noch ein nettes Gespräch und oft gibt es auch gleich noch Tipps für einen schönen Platz zum Übernachten gratis dazu.

Fazit: Outdoor-Wasserfilter je nach Tourgebiet

Je nach Tourgebiet darfst Du Wasser unterschiedlich zu Trinkwasser aufzubereiten. Daher steht vor der eigentlichen Auswahl des geeignetes Outdoor-Wasserfilters immer erstmal die Recherche der zur erwarteten Trinkwasserqualität im nächsten Tourgebiet.

Die Wahl des richtigen Outdoor-Wasserfilters hängt immer von der aktuellen Wasserqualität im Tourgebiet ab. 

So habe ich in der Vergangenheit auch schonmal auf einen Wasserfilter verzichtet wenn es die aktuellen Tourbedingungen zugelassen haben. Hier ein paar Beispiele, immer oberhalb von Bewirtschaftung:

In diesen Fällen nehme ich zur Sicherheit nur noch ein paar Tabletten zur chemischem Wasseraufbereitung mit.

Im Gegenzug bereite ich beim Trekking in Deutschland Wasser immer auf bzw. versuche ich gleich sauberes Leitungswasser am Weg zu bekommen. In Südeuropa nehme ich dagegen immer einen Filter und Tabletten mit. Chemische Verunreinigungen kann man grundsätzlich mit keinem Outdoor-Wasserfilter entfernen.

 

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