Alpenüberquerungen: 10+1 Wege zu Fuß über die Alpen

Alpenüberquerung

10 Alpenüberquerungen und Dein eigener Weg zu Fuß über die Alpen. Mit Übersichtskarte, Etappen, Höhenmetern, Routenbeschreibungen und Tipps zur Übernachtung. Alles was Du brauchst um Deine Route über den Alpenhauptkamm zu finden.

Alpenüberquerungen

10 Alpenüberquerungen von Nord nach Süd (Kartenmaterial: Google)

Alpenüberquerungen von Nord nach Süd (Kartendaten © 2018 Google)

Schon auf den ersten Blick sehen wir dass nicht jede Alpenüberquerung den kompletten Alpenbogen überquert. So ist bei einigen nach der Überquerung des Alpenhauptkammes die Tour zu Ende, während andere Wege wochenlang über alle Berggruppen von Nord nach Süd führen.

AlpenüberquerungEtappen [#]Strecke [km]Aufstieg [hm]
München - Venedig2855020.000
Oberstdorf - Meran E561818.800
Oberstdorf - Meran Alternative1723920.000
Salzburg - Triest2850025.000
Berchtesgaden - Lienz91309.500
Kufstein - Verona3244223.500
Bodensee - Gardasee1434320.100
L1: Garmisch-Partenkirchen - Brescia2739929.900
B1: Bodensee - Airolo1218511.200
Bayrischzell - Belluno2137226.050

München – Venedig

Der Klassiker unter den Alpenüberquerungen. Auf 28 Etappen geht es vom Marienplatz in München bis zum Markusplatz in Venedig. Als Ludwig Graßler 1974 den Weg zum ersten Mal erfolgreich ging war er sich wohl selbst nicht bewusst, was er damit in Gang treten würde. Heute ist seine Alpenüberquerung viel begangen und nicht ohne Grund ist sie bis heute als „Traumpfad“ bekannt.

Die Route ist im Verhältnis eine leichte Alpenüberquerung. Nur selten darfst Du seilversicherte Stellen bewältigen. Die längste gleich zu Beginn im Abstieg der Birkkarspitze. In den Dolomiten kannst Du eine Etappe mit Klettersteig gehen. Er kann aber leicht umgangen werden.

Für mich war es die erste Alpenüberquerung zu Fuß – sie ist nicht die letzte geblieben…

Etappen28
Entfernung550
Höchster PunktPiz Boe (3.152m)
Höhenmeter20.000
RouteBayerische Voralpen, Inntal, Karwendel, Tuxer Alpen, Pfunderer Tal, Dolomiten, Belluneser Voralpen
TourbeschreibungMünchen - Venedig

Oberstdorf – Meran auf dem E5

Der Originalweg von Oberstdorf nach Meran ist ein Teilstück des E5. Dafür plant man normalerweise 9 Etappen ein. Die meisten Tourenbeschreibungen verlaufen aber nicht auf dem Originalweg und kommen, teils mit Bustransfer in den Tälern, mit 6 Tagen aus. Er ist DER klassische Weg für geführte Alpenüberquerungen. Dabei führen viele Routen östlich des E5 über die Öztaler Alpen.

Wer nach dem fast schon touristisch ausgebautem Weg mehr und ursprünglichere Alpen mag kann den E5 auch gut mit dem gelben Weg der Via Alpina verbinden. Ab Sölden/Zwieselstein kannst Du dann bis Triest über die Alpen weitergehen.

Etappen6
Entfernung181
Höhenmeter8.800
RouteAllgäuer Alpen, Lechtaler Alpen, Ötztaler Alpen,
TourbeschreibungOberstdorf-Meran von Sepp am Berg

Oberstdorf – Meran: E5 Alternative

Wem der Originalweg des E5 zu überlaufen ist oder die Tour etwas verlängern möchte wird hier fündig. Diese Route habe ich selbst mit Hilfe von Wanderkarten zusammengestellt. Sie folgt nur auf der ersten Etappe dem E5, führt dann aber in einem großen Bogen über die Lechtalter- und später auf dem Geigenkamm in den Ötzaler Alpen von Oberstdorf nach Meran.

Diese Alpenüberquerung lebt von langen Abschnitten direkt auf den Höhenzügen. Insgesamt steigt man hier während der 17 Etappen nur 2 mal ins Tal ab!

Etappen17
Entfernung239
Höhenmeter20.000
Höchster PunktGrawand (3251m)
RouteAllgäuer Alpen, Lechtaler Alpen, Ötztaler Alpen,
TourbeschreibungOberstdorf-Meran E5 Alternative

Salzburg – Triest

Die Tour von Salzburg nach Triest ist eine im Verhältnis relativ junge Alpenüberquerung. Sie führt in 28 Etappen über fast 500km durch die Nationalparks in Berchtegaden, Hoher Tauern und Triglav. Dabei durchqueren wir mit Österreich, Deutschland, Slowenien und Italien 4 Länder.

Bezüglich Schwierigkeitsniveau ist die Tour mit dem Traumpfad vergleichbar. An sich unschwierig gibt es 4 Etappen mit alpinem Anspruch. Diese können aber leicht umgangen werden.

Obwohl es sich um eine relativ junge Alpenüberquerung handelt hat sich bereits ein Kennzeichen der Tourengeher etabliert: Ein rotes Band ist das Erkennungszeichen aller Salzburg-Triest-Wanderer.

Etappen28
Entfernung500
Höhenmeter25.000
RouteBerchtesgadener Alpen, Salzburger Schieferalpen, Goldberggruppe, Hohe Tauern, Gailtaler Alpen, Karnischer Hauptkam, Julische Alpen, Collio
TourbeschreibungSalzburg-Triest von Einfachbewusst

Berchtesgaden – Lienz

Auf der Wanderung vom Berchtesgaden nach Lienz überquert man den Alpenhauptkamm eisfrei aber dennoch teils in großer Höhe. Die Tour führt uns von St. Bartholomä über die Berchtesgadener Alpen mit dem majestätischen Watzmann, die Salzburger Schieferalpen, die Glockner- und Schobergruppe in den Hohen Tauern bis nach Lienz. Das „ewige Eis“ lockt dann am Großglockner. Die „Normalroute“ beinhaltet einen Bustransfer, für konditionsstarke Alpenüberquerer gibt es aber eine Umgehungsvariante mit einer zusätzlichen Etappe.

Etappen9
Entfernung130
Höhenmeter9.500
Höchster PunktGernot-Röhr-Biwak (2.940m)
RouteBerchtesgadener Alpen, Salzburger Schieferalpen, Hohen Tauern
TourbeschreibungBerchtesgaden-Lienz

Kufstein – Verona

Dieser Weg über die Alpen wird als mittelschwer, teils auch als leicht, beschrieben. Im Gegensatz zu manch anderer Alpenüberquerung werden hier „nur“ 1.100 Höhenmeter im Tagesmittel erklommen.

Obwohl es zu der Tour auch eine eigene Website und einen Führer im Buchhandel gibt finden sich zu der Tour kaum Erfahrungsberichte im Internet. Damit dürfte die Route weit weniger begangen werden als der große Nachbar München-Venedig.

Etappen32
Entfernung442
Höhenmeter23.500
RouteKaisergebirge, Kitzbüheler Alpen, Hohe Tauern, Tauferer Tal, Dolomiten (u.a. Fanes, Rosengarten, Lagorai)
TourbeschreibungKufstein-Verona

Bodensee – Gardasee

Diese schwere Alpenüberquerung verbindet die zwei bekanntesten Seen Zentraleuropas miteinander. Obwohl schon mehrfach begangen gibt es keinen Führer zu der Route – gute Chancen also sich nicht in Großgruppen wiederzufinden und sich die Route individuell zusammenzustellen.

Dabei verrät aber schon ein Blick auf die Daten der wenigen Tourbeschreibungen im Internet den konditionellen Anspruch der Tour. Im Schnitt werden knapp 1.500 Höhenmeter im Auf- und Abstieg bewältigt.

Etappen14
Entfernung343
Höhenmeter20100
höchster PunktHintere Schöntaufspitze (3324 m)
RouteBregenzerwald, Lechquellengebirge, Verwallgruppe, Engadin, Ortler Gruppe, Stilfser-Joch, Adamello-Brenta Dolomiten
Tourbeschreibungvom Gardasee zum Bodensee

Bayrischzell – Belluno

Die Bergsteiger-Variante als Alternative zu München-Venedig. Dieser Weg über die Alpen führt Dich anspruchsvoll über die Alpen. Er hält „Kraxelpassagen und Klettersteige“ parat. Lange und steile Etappen führen hier über den Alpenhauptkamm. Die Beschreibung zu der Tour ist noch gar nicht online, einen ersten Streckenverlauf gibt es aber bereits. So verspricht diese Alpenüberquerung noch eine recht einsame Tour, wenngleich natürlich viele Hütten auf dem Weg anderer Wanderwege liegen. Ich habe einige schöne Flecken der Alpen in der Tour von anderen Hüttentouren in dieser Alpenüberquerung wiederentdeckt:

Auf Dustyboots heißt es zu der Tour:

Die Route ist ein echter Geheimtipp. Du triffst unterwegs niemanden, der die gleiche Strecke wandert wie Du. Nur im letzten Abschnitt ab der Civetta sind mehr Fernwanderer unterwegs.

Ab der Civetta dürfte diese Alpenüberquerung im Wesentlichen auf dem Traumpfad München-Venedig verlaufen. Wenn Du Deine Tour noch ein wenig ausbauen willst kannst Du ihm dann auch noch über die Belluneser Alpen folgen.

Etappen21
Entfernung372
höchster PunktAhrner Kopf (3.051m)
Höhenmeter26.050
RouteBayerische Voralpen, Kaisergebirge, Kitzbühler Alpen, Hohe Tauern, Sextener und Belluneser Dolomiten
TourbeschreibungBayrischzell-Belluno von Dustyboots

L1: Garmisch-Partenkirchen – Brescia

Die Alpenüberquerung von Hans Losse führt mehrfach über 3.000m. Zwar gibt es keine Kletterpassagen aber einige steile und ausgesetzte, teils seilversicherte Abschnitte gibt es schon zu überwinden. Ein spaltenfreier Gletscher liegt auf der Tour und auch aufgrund der Etappenlänge ist dieser Weg eher einer der anspruchsvolleren.

Etappen29
Entfernung399
Höchster PunktSeykogel (3.360m)
Höhenmeter29.900
RouteWetterstein, Mieminger Kette, Sellrain, Ötztal, Schlandrauntal, Stilfser Joch, Texelgruppe, Adeamello-Brenta
TourbeschreibungGarmisch-Partenkirchen - Brescia

B1: Bodensee – Airolo

Die westlichste und genaugenommen die einzige Alpenüberquerung in den Westalpen in dieser Übersicht. Auf der Suche nach einer weiteren Alternative zum E5 hat User Becks im Outdoorforum eine neue Route über die Alpen entwickelt. Sie kommt ohne Alpinausrüstung (Steigeisen, Klettersteigausrüstung) aus und eignet sich lt. der Tourenbeschreibung für Tourengeher mit Zelt- bzw. Biwakausrüstung und Hüttenwanderer.

Die Schwierigkeit der Tour ist mit max. T4, Alpinwandern, angegeben. Auszug aus der SAC-Skala zur Einstufung als T4:

Wegspur nicht zwingend vorhanden. An gewissen Stellen braucht es die Hände zum Vorwärtskommen. Gelände bereits recht exponiert, heikle Grashalden, Schrofen, einfache Firnfelder und apere Gletscherpassagen.

Für einige Etappen gibt es zusätzlich auch Alpinvarianten.

Etappen12
Entfernung185
Höhenmeter11.200
RouteBodensee, Walensee, Murgtal, Elm, Greina- und Cadlimoebene, Airolo
TourbeschreibungBodensee-Airolo

Deine eigene Alpenüberquerung: +1

Wenn wir uns die oben beschriebenen 10 Alpenüberüberquerungen ansehen können wir eines feststellen: Mit Ausnahme des E5 ist keine Tour durchgängig als Alpenüberquerung markiert. Vielmehr sind sie entstanden weil es nach Ludwig Graßler Leute wie Dich und mich gab die einen eigenen Weg über die Alpen gefunden haben.

Und ich kann euch nur dazu ermutigen EUREN Weg zu Fuß über die Alpen zu gehen. So könnt ihr euch die Tour genau für euch zusammenstellen. Und auch wenn ihr euch an einer der bekannten Touren orientiert lohnen sich oft Abstecher. Als Nebeneffekt könnt ihr euch so auch oft ruhigere, wenig frequentierte, Bergwege heraussuchen.

Blattschnitte

Um schnell herauszufinden welche Karten Du für Deine eigen Route verwenden kannst habe ich hier noch die Blattschnitte der wichtigsten Kartenhersteller für euch verlinkt.

GPS-Karten:

Hier noch ein paar Tipps zum Planen einer eigen Alpenüberquerung:

  • Plane Dir ein paar Eingeh-Etappen ein
  • Berechne die Gehzeiten der Etappen
  • Plane Lebensmittel-Stopps ein
  • Sieh Dir die Schwierigkeit der Etappen an

Die Schwierigkeit von Bergwegen kannst Du z.B. in der GPS-Karte Freizeitkarte Alpen finden. Sie enthält eine Wegeeinstufung auf Basis der SAC-Schierigkeitsskala. Außerdem findest Du auf vielen Hüttenseiten Tourbeschreibungen zu Gipfeln und Nachbarhütten mit Zeit- und Schwierigkeitsangaben.

Einen Gehzeitrechner und eine Checkliste für Deine eigene Tourplanung findest Du in den Trekking-Tools.

Wildcampen oder Hütten – wo Übernachten?

Bei einer Alpenüberquerung bewegen wir uns in wunderbarer Natur. Gleichzeitig befinden wir uns auch in einem sehr sensiblen Lebensraum. Nicht ohne Grund haben wir hier also auch eine hohe Dichte an Schutzgebieten. Es dürfte kaum eine Alpenüberquerung geben die nicht auch mehrere Schutzgebiete durchquert. Für uns heißt das gerade beim Übernachten auf die Natur acht zu geben und uns an die jeweils gültigen Bestimmungen zum Wildcampen und Biwakieren zu halten.

Schutzgebiete in den Alpen (©ALPARC)

Schutzgebiete in den Alpen (©ALPARC)

Wildcampen

Grundsätzlich ist es in den Alpen nicht erlaubt wild zu zelten, ein Jedermannsrecht o.ä. gibt es nicht. So wird das Wildzelten zwar in einigen Regionen toleriert, in anderen erwartet den Alpenüberquerer aber auch eine saftige Strafe in Höhe mehrerer tausend Euro. Doch damit nicht genug – die Regelungen zum Übernachten unterscheiden sich von Region zu Region. So hat in Österreich z.B. jedes Bundesland eigene gesetzliche Regelungen, in Italien und Deutschland ist wildes Zelten im Alpenraum nicht erlaubt und in der Schweiz finden sich wieder kantonsspezifische Regelungen. Zwischen Zelten und Biwakieren wird dabei aber in fast allen Gebieten unterschieden.

Was heißt das für Deine Alpenüberquerung?

  1. Wildcampen (mit Zelt) ist in den meisten Gebieten nicht erlaubt
  2. Biwakieren (ohne Zelt) ist teils erlaubt
  3. Ob ein Tarp als Zelten oder als Biwakieren betrachtet wird ist nicht einheitlich geregelt
  4. In Schutzgebieten ist auch das Biwakieren nicht erlaubt
  5. Wer mit dem Zelt die Alpen überqueren will muss sich die örtlichen Bestimmungen ansehen

Dazu hier ein paar Links zum Thema Wildcampen und Biwakieren in den Alpen:

Hütten

Die einfachste Art in den Alpen zu Übernachten ist in einer der zahlreichen Hütten. Die Vorteile liegen auf der Hand: Man hat ein Dach über dem Kopf, die Möglichkeit seine Sachen zu trocknen und spart sich Übernachtungsgepäck und Lebensmittel im Rucksack. Im Gegenzug ist man eben nicht alleine mitten in der Natur und teilt sich die Nacht unter Umständen mit schnarchenden Bergwanderern. Manche Hütte an den großen bekannten Alpenüberquerungen gleichen zudem heute eher einer ungemütlichen Großgastronomie als einer gemütlichen Berghütte.

Als AV-Mitglied profitiert man auf Hütten von günstigen Übernachtungspreisen und der Option auf ein günstiges Bergsteigeressen. Hier findest Du mehr zum Thema: Was kostet der Traumpfad München Venedig? (Ist auf andere Alpenüberquerungen übertragbar)

Wer auf Hütten übernachten will sollte die Hütten auf jeden Fall vorreservieren. Schließlich müssen die DAV-Hütten nur noch 10% der Schlafplätze für spontane Übernachtungsgäste freihalten. Das Risiko ohne Reservierung nicht mehr unter zukommen ist also gestiegen. Ich empfehle euch daher die ersten Etappen schon zu Hause zu buchen und unterwegs dann die Hütten je nach Vorankommen immer 2-3 Tage voraus telefonisch zu reservieren. Vor allem am Wochenende kann es sonst eng mit einem Lagerplatz werden.

Hier findet ihr Hütten für eure Alpenüberquerung:

Fazit: für jeden eine Alpenüberquerung

Wer die Alpen zu Fuß überqueren will findet Alpenüberquerungen in allen Facetten. Von kurzen, wie z.B. von Berchtesgaden nach Lienz, die nur den Alpenhauptkamm überqueren bis hin zu mehrwöchigen Alpenüberquerungen von Nord nach Süd wie die von München nach Venedig. Auch in der Schwierigkeit gibt es eher leichte Routen wie von Oberstdorf nach Meran oder sehr anspruchsvolle wie den L1. Das i-Tüpfelchen ist die eigene Alpenüberquerung wie z.B. meine Oberstdorf – Meran Alternative.

Als Übernachtung bieten sich die zahlreichen Hütten in den Alpen an. Wenn Du unter freiem Himmel schlafen willst dann solltest Du Dir im Vorfeld die regionalen Regelungen genau ansehen um keine saftige Strafe zu riskieren.

Aber egal welche Alpenüberquerung Du am Ende gehst – Du wirst dieses Erlebnis sicher nie vergessen!