Alleine wandern – 11 Tipps für unvergessliche Solo-Touren

Alleine wandern

Alleine wandern – Fluch oder Segen? Wo der Reiz im „Alleine wandern“ liegt, was Du dabei beachten solltest und welche Routen sich eignen.

Der Reiz des „Alleine wanderns“

Eine Hütten- oder Trekkingtour alleine zu wandern hat einige Vorteile. Schließlich kannst Du so ganz ohne, oft unbewusstem aber dennoch stressigen, Gruppenzwang in Deinem eigenen Tages- und Laufrhythmus wandern. Pausen und Fotostopps legen wir ganz nach Lust und Laune ein. Wer schon einmal früh morgens vor allen anderen in den Bergen oder allgemein in der Natur unterwegs war hat dabei sicher schon einmal ein echtes Hochgefühl an tollen Orten oder nach anstrengenden Tagen bei Wind und Wetter erlebt.

Wenn wir alleine unterwegs sind, kommen wir außerdem der Natur noch näher als mit Tourpartnern oder in Gruppen. Es ist einfach ein viel intensiveres Erleben und dabei gleichzeitig auch noch unheimlich erholsam. Mit ein wenig Glück können wir alleine auch viel eher Tiere beobachten die durch das bunte Treiben von Wandergruppen schon längst das Weite gesucht hätten.

Ausblick von der Schusterplatte am frühen Morgen auf die Dreischusterspitze

Ausblick von der Schusterplatte am frühen Morgen auf die Dreischusterspitze

Langweilig wird Dir dabei übrigens ganz sicher nicht. Im Gegenteil. Alleine zu wandern ist schließlich Herausforderung und Befreiung zugleich. Während das alleine unterwegs sein an sich schon eine Herausforderung ist stellt sich auf der anderen Seite auch schnell eine gewisse innere Ruhe ein. Der Alltag fällt ab, wir sind ganz bei uns selbst und können Natur und Landschaft einfach nur noch genießen. Ohne Rücksicht auf andere nehmen zu müssen gehen wir unser eigenes Tempo und können uns die Zeit nehmen die Natur zu genießen und dabei unsere Gedanken sortieren oder einfach nur abschalten.

Wenn wir uns erstmal mit dem alleine sein wohlfühlen können wir unsere Tour auch ganz nach Belieben unterwegs anpassen.

Sumpflandschaft im Jämtland

Eine kleine Pause an einer Sumpflandschaft im Jämtland

Wir lassen die Seele eben einfach baumeln wenn uns danach ist und gehen so weit wie die Füße tragen wenn sich uns die Gelegenheit dazu bietet. Und wenn die Bedingungen mal nicht so schön sind schlagen unser Lager einfach ein wenig früher auf. Niemand zwingt uns zu irgendetwas. Nur wir allein mit der Natur.

Du hast Lust noch mehr Erfahrungen zum „Alleine wandern“ zu lesen? Auf wanderwütig.de schreiben 5 Blogger über ihre Gründe warum alleine Wandern toll ist.

Tipps für Deine Solo-Wanderung

Du hast Lust eine Wanderung alleine anzugehen? Prima! Hier ein paar erprobte Tipps für Solo-Touren:

Fange ganz einfach an

Auf einem Mikroabenteuer oder verlängerten Wochenendtouren beim Trekking in Deutschland kannst Du Dich an Solo-Touren herantasten. Wer sein eigenes Tempo gehen aber trotzdem mit seinen Freunden losziehen will kann auch einfach tagsüber alleine wandern und sich am Abend wieder mit den anderen aus der Gruppe treffen.

Trainiere für Deine Tour

Gut in Form macht eine Wanderung ohnehin nochmal mehr Spaß und das Risiko sich zu überfordern sinkt auch gleich noch. Hier findest Du Tipps zum richtigen Trekking-Training.

Wähle lieber eine leichtere Route

Auf Solo-Wanderungen steht der Natur- und Tourgenuß an oberster Stelle. Für anspruchsvolle Touren ist es besser einen Tourpartner an seiner Seite zu haben. Anstatt an oder über Deine Grenzen zu gehen wählst Du Dir also am besten eine Tour aus die Du auch alleine sicher bewältigen kannst. Plane gerne auch Puffertage ein.

Packe Dir ein paar Reserven ein

Ganz auf Dich alleine gestellt solltest Du Deine Trekking-Packliste mit entsprechenden Reserven zusammenstellen. Du hast ja keine Redundanz beim Tourenpartner. Das Smartphone sollte z.B. immer genug Strom beim Trekking haben, schließlich ist es oft Navigation und einzige Notrufmöglichkeit in Einem.

Höre auf Körper- und Bauchgefühl

Wenn es gut läuft kannst Du alleine unterwegs jederzeit die Etappe verlängern, einen Gipfel besteigen oder einen Abstecher zu einem tollen Aussichtspunkt oder See mitnehmen. Aber auch eine Pause einzulegen, eine Tour zu verändern oder sogar abzubrechen wenn es mal nicht so läuft, wie ich es z.B. bei meiner Umrundung des Hardangerjokulen gemacht habe, ist keine Schande!

Bleibe auf Wegen und gehe früh los

So hast Du zum einen oft die schönsten Tagesstimmungen ganz für Dich allein und zum anderen steigt auch gleich noch die Wahrscheinlichkeit dass im Notfall nach Dir noch mal jemand vorbei kommt. Wenn Du einen bekannten Wanderweg wählst, bist Du letztlich meist auch nicht ganz alleine unterwegs und triffst immer wieder auf Gleichgesinnte.

Nehme ein Erste-Hilfe Set mit

Ein Erste-Hilfe-Set sollten wir ohnehin immer dabei haben und den Umgang damit für den Notfall sicher beherrschen. Wenn Du alleine wanderst bist übst Du aber am besten auch die Anwendung an dir selbst. Gar nicht so einfach, schließlich lernt man in den Rettungskursen meist die Rettung von anderen. Im besten Fall wirst Du das Erste-Hilfe-Set und Dein Know-How nie brauchen oder kannst jemand anderem helfen. Auf jeden Fall bist Du so aber gut vorbereitet.

Stelle eine Notrufmöglichkeit sicher

Auch heute ist ein stabiles Handynetz nicht überall verfügbar. Mal ist die Gegend einfach zu abgeschieden, mal verhindern Felsen oder dichter verregneter Wald einen guten Netzempfang. Wie es in deinem Tourgebiet aussieht findest Du während Deiner Tourvorbereitung heraus. Für abgelegene Regionen kannst Du zusätzlich zum Handy z.B. ein PLB (Personal Locator Beacon) mitnehmen.

Melde Dich regelmäßig bei Deinen Liebsten.

So wissen sie dass es Dir gut geht und Du selbst weißt dass jemand Hilfe organisieren wird wenn Du überfällig bist.

Hinterlege Deine Routenplanung bei Familie oder Freunden

Am besten hast Du schon vor der Tour Deine Route mit einem Vertrauten besprochen und trägst Dich bei Bergtouren in Hütten- und Gipfelbücher ein – so erleichterst Du die Suche wenn Du überfällig bist oder einen Notruf absetzen musst.

Stelle Deine Orientierung sicher

Auch wenn wir heute viele Touren mit einer Wander-App angehen können – bei schlechtem GPS-Empfang oder einem leerem Smartphone-Akku hilft eine gedruckte Wanderkarte, ein GPS-Gerät oder eine klassische Wanderkarte und ein Kompass weiter.

Nutze Trail-Begegnungen wenn Dir doch einmal nach Gesellschaft ist

Meist trifft man unterwegs Gleichgesinnte und spätestens wenn Du Hütten ansteuerst kommst Du schnell mit anderen Wanderern ins Gespräch. Auf meiner ersten Solo- Alpenüberquerung von München nach Venedig hat sich nach einigen Etappen so z.B. eine tolle Gruppe zusammengefunden die sich allabendlich auf der Hütte wiedergetroffen hat.

 

Alleine wandern ist doch nichts für Dich?

Du kannst dem alleine wandern doch nichts abgewinnen? Keine Sorge, selbst wenn sich in Deinem Freundeskreis niemand fürs wandern begeistern kann findest Du sicher Mitwanderer. Hier nur ein paar Ideen wie Du Wanderpartner finden kannst:

  • Vereine: Sicher gibt es auch bei Dir eine DAV-Sektion, einen Wanderverein oder die Naturfreunde in der Nähe
  • Foren: Wenn Du auf der Suche nach einem Tourpartner für eine Trekkingtour bist bieten sich die Outdoorseiten und das Ultraleicht-Trekking-Forum an.
  • Facebook-Gruppen
  • lokale Wandergruppen

Fazit: unvergessliche Erlebnisse

Alleine wandern ist sicher nicht jedermanns Sache, hat aber einige Vorteile wenn man sich erst einmal darauf einlässt. Schließlich kannst Du so in Deinem eigenen Tages- und Laufrhythmus wandern sowie Pausen und Fotostopps ganz nach Lust und Laune einlegen. Außerdem findest Du beim alleine wandern ganz schnell zur Dir selbst und zur Ruhe. Einfach herrlich schon früh morgens ganz alleine vor allen anderen unterwegs zu sein oder bei guten Bedingungen spontan einfach mal den Tag bis zuletzt zu genießen.

Auf der anderen Seite birgt das natürlich auch ein paar Risiken. So darf man sich auf jeden Fall schon vor der Tour überlegen was in einem Notfall passieren kann. Bei der Routenwahl solltest Du auf Nummer sicher gehen und Deine Fähigkeiten realistisch einschätzen.

Gut vorbereitet sind Solo-Wanderungen auf jeden Fall eine tolle Sache. Mich wird es dabei wohl schon bald auf eine Trekkingtour nach Schottland ziehen. Wo geht es bei Dir als nächstes hin?

 

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