Alpenüberquerung zu Fuß von München nach Venedig

Auf dem Traumpfad München Venedig liegen zahlreiche Gebirgsgruppen und viele Begegnungen beim Wandern. Die alpinen Etappen der Alpenüberquerung sind tatsächlich der so oft beschriebene Traumpfad während viele die Flachlandetappen weglassen. Ich bin in 18 Tagen von Lenggries bis nach Belluno gewandert und habe dabei mehr als 20.000 Höhenmetern auf 318km Wegstrecke zu Fuß bewältigt.

Tourbeschreibung

Die Tour führt entlang des Traumpfades „München-Venedig“ mit ein paar Anpassungen von den bayerischen Voralpen bis in die Po-Ebene in Italien. Auf dem Weg sind einige seilgesicherte Stellen und Geröllfelder zu passieren. Die Tour sollte nicht unterschätzt werden, auch wenn die Bergetappen sehr gut ausgeschildert und viel begangen sind. Der Abstieg von der Birkkarspitze mit sehr vielen fast zusammenhängenden Seilsicherungen und Geröllfeldern im Auf- und Abstieg ist die erste richtige Bewährungsprobe. Auf ein Klettersteigset konnte ich verzichten. Dafür habe ich in den Dolomiten die Route ein wenig angepasst.

Das Bergwetter kann jede Etappe schnell gefährlich werden lassen und die Länge der Tour ist eine Herausforderung. Vor einer Alpenüberquerung sollte man sich zu Hause daher schon mal eine gute Grundkondition aufbauen. Nach den ersten 2-3 Tagen Bergetappen gewöhnt sich der Körper dann auch an die ungewohnte Belastung täglich viele viele Höhenmeter zu gehen.

Auf dem Traumpfad lassen sich neben Bergerlebnissen auch viele Begegnungen mit Gleichgesinnten machen. Schnell bildet sich eine allabendliche Gruppe Alpenüberquerer die die gleiche Tour gehen. Es wird viel gelacht, gemeinsam Karten gewälzt und Erlebnisse ausgetauscht. Letztlich finden sich auch immer wieder kleine Gruppen die die ein oder andere Etappe gemeinsam zu gehen.

Etappen

Wer die Flachlandetappen weglassen möchte findet hier eine Alpenüberquerung entlang der Route München-Venedig die nur die Bergetappen enthält. Einige der Tagesetappen sind recht Anspruchsvoll. – Bei guter Kondition können einige der im Original recht kurzen Tagesetappen zusammengefasst werden. Nach ein paar Tagen gewöhnt sich der Körper auch an die Belastung und Etappen in diesen Längen waren für verschiedene Altersgruppen kein Problem:

  • Lenggries – Hinterriß – kleiner Ahornboden – Karwendelhaus (↑ 1000m ∅ 5h)
  • Karwendelhaus – Birkkarspitze – Kastenalm – Hallangerhaus (↑ 1510m ↓ 1510m ∅ 8 h)
  • Hallangerhaus – Wattens – Wattens – Haneburger – Lizumer Hütte (↑ 2000m  ↓1600m  ∅ 13 h)
  • Lizumer Hütte – Tuxer-Joch-Haus (↑ 1150m  ↓880m  ∅ 5 h)
  • Pluderingsattel – Schoberspitzen-Schoberspitzen – Kahlwandspitze – Pfitscherjochhaus (↑ 1900m ↓ 2000m  ∅ 12h)
  • Pfitscherjochhaus – Stein – Stein – Gliederschartl – Dunerklamm – Pfunders (↑ 1200m  ↓ 2200m  ∅ 12 h)
  • Pfunders – Niedervintl – Ronahütte – Kreuzwiesenhütte (↑ 1200m ↓ 500m  ∅ 7 h)
  • Kreuzwiesenhütte – Glitterjoch – Würzjoch – Schlüterhütte (↑ 1000m ↓ 800m  ∅ 8 h)
  • Schlüterhütte – Grödner-Joch – Pisciaduhütte (↑ 1400m  ↓ 1170m  ∅ 9 h)
  • Pisciaduhütte – Boehütte – Piz Boe (↑ 800m  ↓ 300m  ∅ 5 h)
  • Boehütte – Piz-Boe – Pordojoch – Rifugio Sass – Marmoladahütte (↑ 590m  ↓ 1070m  ∅ 6,5 h)
  • Fedaisee – Malaga Ciapela – Rocca Pietore – Alleghe – Masare – Tissihütte (↑ 1350m  ↓ 1150m  ∅ 7 h)
  • Ruhetag: Tissihütte – Alleghe – Tissihütte (↑ 800m  ↓ 800m  ∅ 7 h)
  • Tissihütte – Rifugio Vazzoler – Moizze – Casera di Camp – Carestiatohütte – Passo Duran (↑ 1450m ↓ 2000m  ∅ 10h)
  • Passo Duran – Forcella Moschesin – Pian de Fontana – Casera di Vescora – Carestiatohütte (↑ 1600m  ↓ 2600m  ∅10h)
  • Carestiatohütte – La Stanga – Belluno(Bus) – Nevegal – Refugio Alpine 5 (↑ 1500m  ↓ 850m  ∅ 9h)
  • Refugio Alpine – Revine – Refrontolo (↑ 200m  ↓ 1600m ∅ 8h)
  • Refrontolo – Priula (↑ 0m  ↓ 0m ∅ 12h)

Von Priula geht es dann noch mit dem Zug weiter bis nach Venedig.

Übernachten

Gerade wenn man vom klassischen Trekking mit Zelt kommt stellt sich schnell die Frage wo man am Besten übernachten kann. Ganz klar auf den Hütten! Fast überall kann man in Alpenvereinshütten übernachten. Nur in Hall, auf der Lüsener Alm und am Fedaiasee habe ich in Privatunterkünften übernachtet wobei die Lüsener Alm eine kleine private Hütte und die Marmoladahütte am Fedaisaee eine Großhütte waren. Meinen Schlafplatz habe ich fast nie reserviert, so war ich in der Etappenwahl sehr flexibel. Leider gibt es aber seit kurzem eine neue Regelung auf den DAV-Hütten wonach nur noch 10% der Schlafplätze für spontane Übernachtungsgäste freigehalten werden. Das Risiko ohne Reservierung nicht mehr unterzukommen ist also gestiegen. Wie es momentan auf den italienischen C.A.I.-Hütten aussieht? Da muss ich leider passen. Wer hier aktuelle Informationen hat bitte gerne in den Kommentaren eure Erfahrungen posten!

Kann man auch zelten? Ich würde davon abraten. Weite Teile des Weges führen durch Naturschutzgebiete und Wildcampen ist ohnehin über die gesamte Strecke verboten. Eine gute Übersicht zum Wildcampen und Biwakieren in Österreich findet ihr beim DAV. Ich selbst hatte bei meiner ersten Alpenüberquerung die komplette Ausrüstung mit Biwakzelt, Kocher, Isomatte und Schlafsack dabei und am Ende nur ein einziges Mal im Tal genutzt.

Packliste

Als Basisgepäck könnt ihr euch an meiner Packliste Hüttentrekking orientieren. Zusätzliche empfehle ich aufgrund der Länge der Tour noch zusätzlich mitzunehmen:

  • Ladegerät: Wer Kamera und Handy mit dem gleichen Ladegerät laden kann dem reicht EIN Ladegerät
  • Leichtschlafsack: 3 Wochen auf Hütten im Hüttenschlafsack geht. Wer ein klein wenig mehr persönliche Wohlfühlzone haben möchte nimmt einen Leichtschlafsack mit Daunenfüllung mit
  • Grödel oder Snow-Chains:  zum Überwinden von Altschneefeldern. Besonders in nordseitigen Rinnen können sich Schnee- und Eisreste sehr lange halten.
  • Notizbuch: für alle die gerne die eigenen Eindrücke auf Tour festhalten
  • Nagelknipser
  • 30-40l – Rucksack: Vor allem wenn man einen nicht nur einen Hüttenschlafsack mitnimmt reicht der 22l-Rucksack aus meiner Packliste nicht mehr aus

Wer zusätzlich in den Dolomiten auch Klettersteige in seine Tour mit aufnimmt sollte natürlich zusätzlich noch Klettersteigset und Helm mitnehmen,

Tourplanung

Auf der Tour selbst kommt es zwar doch meist anders als geplant, aber ganz ohne Planung würde ich die Tour nicht angehen. Auch wenn jeden Abend auf der Hütte gemeinsam mit anderen Alpenüberquerern die Karte studiert und der Hüttenwirt befragt wird. Als Orientierung hat mir das Buch „Traumpfad München – Venedig, Ludwig Grassler“ (Bruckmann) geholfen.

Bei allen technischen Möglichkeiten die uns heute zur Verfügung stehen: Ich liebe es Touren auf Papier zu planen. Bei einer Alpenüberquerung summiert sich dann allerdings das Kartengewicht beträchtlich.

Tipp: Plant eure Tour zu Hause mit Hilfe von Navigationssoftware wie z.B. Garmin Basecamp vor. Auf Tour nehmt ihr dann aber nur die Karten mit, die für die ersten Tage wirklich notwendig sind mit. Unterwegs kauft ihr dann die weiteren Karten nach und sendet eure nicht mehr benötigten Karten per Post zurück. So spart ihr Gewicht im Rucksack und habt trotzdem immer eine Karte in der Hand.

Welche Karten brauchst Du?

  • Isarwinkel – Bad Tölz – Lenggries WK 182 (Kompass)
  • Karwendelgebirge WK 26 (Kompass)
  • Zillertaler Alpen – Tuxer Alpen WK 37 (Kompass)
  • Brixen /Bressanone WK 56 (Kompass)
  • Sellagruppe WK 59 (Kompass)
  • Alpi Bellunesi WK 77 (Kompass)

Alternativ kannst Du heute natürlich auch auf ein GPS-Gerät zurückgreifen.

GPS-Track München-Venedig

Lange bevor ich angefangen habe mich mit GPS-Tracks zu beschäftigen bin ich die Tour das erste Mal gegangen. Es gibt im Netz aber schon einige Download-Möglichkeiten. Am Besten gefällt mir der Track auf muenchenvendedig.de. Hier findet ihr neben dem Track mit Zusatzinformationen wie z.B. Hütten und Telefonnummern sogar einen passenden OpenStreetMap-Kartensatz.

Fotos

Was der Traumtrek München-Venedig auslösen kann…

Für mich war die Alpenüberquerung von München nach Venedig der Auslöser für viele weitere Bergtouren,  Weitwanderungen und Alpenüberquerungen. Hüttentrekking gehört deshalb seitdem fest in meinen Kalender. Schon davor war ich oft zu Fuß unterwegs. Trotzdem war diese Tour nochmal etwas anderes. Wochenlang vom Alltagsleben getrennt, meist in alpinem Gelände. Jeder Schritt alleine eine Schritt für sich selbst. Unbeschreiblich das Gefühl die Alpen aus eigener Kraft überschritten zu haben. Kein Pauschalurlaub der Welt könnte dieses Gefühl ersetzen. Einmal vom Virus befallen zieht es mich seitdem immer wieder in die Berge. Es braucht nicht viel um glücklich zu sein. Es reicht am Abend in den Bergen einfach nur dazustehen. Dazustehen und in die Berge zu blicken.

Wenn ihr noch mehr über diese Alpenüberquerung erfahren wollt empfehle ich euch zum Schluß nochmal die Seite Traumpfad München – Venedig.

Seid ihr auch schon zu Fuß auf dem Traumpfad von München nach Venedig gelaufen? Was haltet ihr von meiner Tour, was sind eure Erfahrungen?

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