München – Venedig: Dein Traumpfad zu Fuß über die Alpen

München-Venedig Wegweiser

Alpenüberquerung München-Venedig mit Etappen, Ausrüstung, Erfahrungen und Tipps für den Traumpfad. Für alle die zu Fuß über die Alpen wollen.

Auf dem Weg liegen zahlreiche Gebirgsgruppen und viele Begegnungen beim Wandern. Die alpinen Etappen der Alpenüberquerung sind tatsächlich der so oft beschriebene Traumpfad während viele die Flachlandetappen weglassen. Ich beschreibe euch hier wie ihr in 20 Tagen von Bad Tölz bis nach Priula wandert und dabei mehr als 20.000 Höhenmeter auf 390km Wegstrecke zu Fuß bewältigt.

Tourbeschreibung

Die Tour führt entlang des Traumpfades München-Venedig mit ein paar Anpassungen von den bayerischen Voralpen bis in die Po-Ebene in Italien. Auf dem Weg sind einige seilgesicherte Stellen und Geröllfelder zu passieren. Die Tour sollte nicht unterschätzt werden, auch wenn die Bergetappen sehr gut ausgeschildert und viel begangen sind. Der Abstieg von der Birkkarspitze mit sehr vielen fast zusammenhängenden Seilsicherungen und Geröllfeldern im Auf- und Abstieg ist die erste richtige Bewährungsprobe. Auf ein Klettersteigset konnte ich verzichten. Dafür habe ich in den Dolomiten die Route ein wenig angepasst.

Das Bergwetter kann jede Etappe schnell gefährlich werden lassen und die Länge der Tour ist eine Herausforderung. Vor einer Alpenüberquerung sollte man sich zu Hause daher schon mal eine gute Grundkondition und Trittsicherheit aufbauen. Dazu solltest Du möglichst oft unter realen Bedingen mit Deinem Gepäck in die Berge gehen und damit Bergtouren trainieren. Nach den ersten 2-3 Tagen Bergetappen gewöhnt sich der Körper nach Deinem Training dann von ganz alleine an die ungewohnte Belastung täglich viele viele Höhenmeter zu gehen.

Auf dem Traumpfad lassen sich neben Bergerlebnissen auch viele Begegnungen mit Gleichgesinnten machen. Schnell bildet sich eine allabendliche Gruppe Alpenüberquerer die die gleiche Tour gehen. Es wird viel gelacht, gemeinsam Karten gewälzt und Erlebnisse ausgetauscht. Letztlich finden sich auch immer wieder kleine Gruppen die die ein oder andere Etappe gemeinsam gehen.

GPS-Track München-Venedig

Route und Karte München-Venedig (Karte: Google, Track: selbst erstellt)

Route und Karte München-Venedig (Karte: Google, Track: selbst erstellt)

Lange bevor ich angefangen habe mich mit GPS-Tracks zu beschäftigen bin ich die Tour das erste Mal gegangen. Es gibt daher im Netz schon einige Download-Möglichkeiten. Am Besten gefällt mir der Track auf muenchenvendedig.de. Hier findet ihr neben dem Track mit Zusatzinformationen wie z.B. Hütten und Telefonnummern sogar einen passenden OpenStreetMap-Kartensatz!

Karten

  • Isarwinkel – Bad Tölz – Lenggries WK 182 (Kompass)
  • Karwendelgebirge WK 26 (Kompass)
  • Zillertaler Alpen – Tuxer Alpen WK 37 (Kompass)
  • Taufers – Ahrntal – Tures – Valle Aurina WK 82 (Kompass)
  • Brixen /Bressanone WK 56 (Kompass)
  • Sellagruppe WK 59 (Kompass)
  • Alpi Bellunesi WK 77 (Kompass)

Zusätzlich kannst Du heute natürlich auch auf ein GPS-Gerät als Backup zurückgreifen.

Etappen

In 28 Tagen geht es auf dem Traumpfad von München nach Venedig. Wer sich vor allem auf die Berge freut findet hier eine Alpenüberquerung die nur die Bergetappen enthält. Einige der Tagesetappen sind recht anspruchsvoll (schwarze Markierung). – Bei guter Kondition können einige der im Original recht kurzen Tagesetappen zusammengefasst werden. Nach ein paar Tagen gewöhnt sich der Körper auch an die Belastung und Etappen in diesen Längen waren für verschiedene Altersgruppen kein Problem mehr:

  • Bad Tölz – Obergries – Tutzinger Hütte (↑ 1000m ∅ 6,5h)
  • Tutzinger Hütte – Benediktenwand – Jachenau – Vorderriß (↑ 670m ↓ 1220m ∅ 6,5 h)
  • Vorderriß – kleiner Ahornboden – Karwendelhaus (↑ 1000m ∅ 5h)
  • Karwendelhaus – Birkkarspitze – Kastenalm – Hallangerhaus (↑ 1510m ↓ 1510m ∅ 8 h)
  • Hallangerhaus – Wattens – Haneburger – Lizumer Hütte (↑ 2000m  ↓1600m  ∅ 13 h)
  • Lizumer Hütte – Tuxer-Joch-Haus (↑ 1150m  ↓880m  ∅ 5 h)
  • Pluderingsattel – Schoberspitzen – Kahlwandspitze – Pfitscherjochhaus (↑ 1900m ↓ 2000m  ∅ 12h)
  • Pfitscherjochhaus – Stein – Gliederschartl – Pfunders (↑ 1200m  ↓ 2200m  ∅ 12 h)
  • Pfunders – Niedervintl – Ronahütte – Kreuzwiesenhütte (↑ 1200m ↓ 500m  ∅ 7 h)
  • Kreuzwiesenhütte – Glitterjoch – Würzjoch – Schlüterhütte (↑ 1000m ↓ 800m  ∅ 8 h)
  • Schlüterhütte – Grödner-Joch – Pisciaduhütte (↑ 1400m  ↓ 1170m  ∅ 9 h)
  • Pisciaduhütte – Boehütte – Piz Boe (↑ 800m  ↓ 300m  ∅ 5 h)
  • Boehütte – Piz-Boe – Pordojoch – Marmoladahütte (↑ 590m  ↓ 1070m  ∅ 6,5 h)
  • Fedaisee – Malaga Ciapela – Alleghe – Masare – Tissihütte (↑ 1350m  ↓ 1150m  ∅ 7 h)
  • Ruhetag: Tissihütte – Alleghe – Tissihütte (↑ 800m  ↓ 800m  ∅ 7 h)
  • Tissihütte – Rifugio Vazzoler – Casera di Camp – Carestiatohütte – Passo Duran (↑ 1450m ↓ 2000m  ∅ 10h)
  • Passo Duran – Forcella Moschesin – Pian de Fontana – Rifugio Bianchet (↑ 1600m  ↓ 2600m  ∅10h)
  • Rifugio Bianchet – La Stanga – Belluno(Bus) – Refugio Alpine 5 (↑ 1500m  ↓ 850m  ∅ 9h)
  • Refugio Alpine – Revine – Refrontolo (↑ 200m  ↓ 1600m ∅ 8h)
  • Refrontolo – Priula (↑ 0m  ↓ 0m ∅ 12h)

Von Priula geht es dann noch mit dem Zug weiter bis nach Venedig.

Tourplanung

Auf der Tour selbst kommt es zwar doch meist anders als geplant, aber ganz ohne Planung würde ich die Tour nicht angehen. Auch wenn jeden Abend auf der Hütte gemeinsam mit anderen Alpenüberquerern die Karte studiert und der Hüttenwirt befragt wird. Als Orientierung hat mir das Buch „Traumpfad München – Venedig, Ludwig Grassler“ (Bruckmann) geholfen. Heute nicht mehr erhältlich, aber es gibt inzwischen mehrere gute Wanderführer für die Tour.

Für die „Originalroute“ findet ihr auch bei muenchenvendedig.deumfangreiche Beschreibungen und Informationen.

Bei allen technischen Möglichkeiten die uns heute zur Verfügung stehen: Ich liebe es Touren auf Papier zu planen. Bei einer Alpenüberquerung summiert sich dann allerdings das Kartengewicht beträchtlich.

Tipp: Plant eure Tour zu Hause mit Hilfe von Navigationssoftware wie z.B. Garmin Basecamp vor. Auf Tour nehmt ihr dann aber nur die Karten mit, die für die ersten Tage wirklich notwendig sind mit. Unterwegs kauft ihr dann die weiteren Karten nach und sendet eure nicht mehr benötigten Karten per Post zurück. So spart ihr Gewicht im Rucksack und habt trotzdem immer eine Karte in der Hand.

Plane Deine Tour aber lass Dir noch genug Freiheiten!

Übernachten

Gerade wenn man vom klassischen Trekking mit Zelt kommt stellt sich schnell die Frage wo man am Besten übernachten kann. Ganz klar auf den Hütten! Fast überall kann man in Alpenvereinshütten übernachten. Nur in Hall, auf der Lüsener Alm und am Fedaiasee habe ich in Privatunterkünften übernachtet wobei die Lüsener Alm eine kleine private Hütte und die Marmoladahütte am Fedaisaee eine Großhütte waren.

Meinen Schlafplatz habe ich fast nie reserviert, so war ich in der Etappenwahl sehr flexibel. Leider gibt es aber seit kurzem eine neue Regelung auf den DAV-Hütten wonach nur noch 10% der Schlafplätze für spontane Übernachtungsgäste freigehalten werden. Das Risiko ohne Reservierung nicht mehr unter zukommen ist also gestiegen. Ich empfehle euch daher eure Hütten immer 2-3 Tage vorher telefonisch zu reservieren. Vor allem am Wochenende kann es sonst eng mit einem Lagerplatz werden.

Glungezerhütte

Glungezerhütte (Etappenziel einer Variante von Hall)

Kann man auch zelten? Ich würde davon abraten. Weite Teile des Weges führen durch Naturschutzgebiete und Wildcampen ist ohnehin über die gesamte Strecke verboten. Eine gute Übersicht zum Wildcampen und Biwakieren in Österreich findet ihr beim DAV. Ich selbst hatte bei meiner ersten Alpenüberquerung die komplette Ausrüstung mit Biwakzelt, Kocher, Isomatte und Schlafsack dabei und am Ende nur ein einziges Mal im Tal genutzt.

Nutze die Hütten! Dir und der Natur zu liebe.

Kosten: Das musst Du für den Traumpfad einplanen

Die Hüttenübernachtung incl. Verpflegung auf der Hütte, die Verpflegung unter Tags, Wanderkarten und die Reisekosten sind die Hauptbestandteile der Kosten für eine München-Venedig-Tour. Im günstigsten Fall seid ihr Alpenvereinsmitglied und benötigt nur die Übernachtung und das Abendessen auf der Hütte und verpflegt euch morgens und Mittags selbst.

Aktuell müsst ihr dafür je Hüttenübernachtung 23,- € einplanen:

  • Übernachtung: 12,-€
  • Verpflegung (Bergsteigeressen): 8,-€
  • Teewasser 1l: 3,- €

Dazu dann noch Lebensmittel für die Selbstverpflegung am Tag ca. 5,- €:

  • Frühstück (Müsli + Milchpulver)
  • Mittagessen (z.B. Riegel, Nüsse)

Für die Wanderkarten könnt ihr insgesamt mit ca. 100,- € rechnen.

Der Haken: Ich verspreche euch, dabei wird es nicht bleiben. Ihr werdet der Versuchung nicht widerstehen können auch mal etwas anderes als das Bergsteigeressen zu nehmen, auch mal im Tal oder auf einer privaten Hütte übernachten und euch sicher auch mal mehr als ein Teewasser zu trinken gönnen. Daher…

Rechne mit mind. 50,- € / Etappe

Wenn ihr noch keine Ausrüstung habt kommt da aber nochmal einiges dazu und vergesst die Bahntickets für die Hin- und Rückfahrt nicht!

Ausrüstung und Packliste

Als Basisgepäck könnt ihr euch an meiner Packliste Hüttentrekking orientieren. Zusätzlich empfehle ich aufgrund der Länge der Tour noch zusätzlich mitzunehmen:

  • Ladegerät: Wer Kamera und Handy mit dem gleichen Ladegerät laden kann dem reicht EIN Ladegerät
  • Leichtschlafsack: 3 Wochen auf Hütten im Hüttenschlafsack geht. Wer ein klein wenig mehr persönliche Wohlfühlzone haben möchte nimmt einen Leichtschlafsack mit Daunenfüllung mit
  • Grödel oder Snow-Chains:  zum Überwinden von Altschneefeldern. Besonders in nordseitigen Rinnen können sich Schnee- und Eisreste sehr lange halten.
  • Notizbuch: für alle die gerne die eigenen Eindrücke auf Tour festhalten
  • Nagelknipser
  • Lippenpflegestift
  • 30-40l – Rucksack: Vor allem wenn man nicht nur einen Hüttenschlafsack mit nimmt reicht der 22l-Rucksack aus meiner Packliste nicht mehr aus

Wer zusätzlich in den Dolomiten auch Klettersteige in seine Tour mit aufnimmt muss natürlich noch Klettersteigset und Helm mitnehmen.

Mach´s Dir leicht! Nimm nicht zu viel mit!

Reisebericht und Erfahrungen

Hier findest Du zu jeder Etappe meine Erfahrungen in einem etwas anderen Reisebericht. Denn auf der ersten Alpenüberquerung von München nach Venedig lernt man dazu. Jeden Tag.

Wer die komplette Route angehen will darf sich 4 Wochen Zeit für die Tour von München nach Venedig nehmen. Die habe ich leider nicht. Aber seit einem Diavortrag (ja, das gab es in den Zeiten vor den heutigen Multivisionsshows) um die Jahrtausendwende gärte die Idee einmal selbst die Alpen zu überqueren in mir.

So lange die Idee in mir also rumorte um so spontaner ging es dann los. Es passte auf einmal alles zusammen und so ging es dann kurzentschlossen los. Nur die 4 Wochen Urlaub hatte ich nicht, also beschloss ich die bayerischen Flachlandetappen wegzulassen und direkt in den Bergen zu starten. Mit Bus und Bahn geht es über München an einem Samstag nach Bad Tölz. Los geht´s!

Wenn es Dein Traum ist: Worauf wartest Du noch?

Voralpen

Von Bad Tölz zur Benediktenwand: Das fängt ja schonmal gut an!

Vom Bahnhof in Bad Tölz geht es los. Zum Einstieg geht es auf die Tutzinger Hütte an der Benediktenwand. Bis Obergrieß geht es entlang der Isar bevor der erste Anstieg angegangen wird. Schon auf dieser ersten Bergetappe begegne ich Steinböcken und kann erste tolle Bergszenerien genießen.

Schon in den bayerischen Voralpen auf dem Weg zur Tutzinger Hütte bietet sich eine tolle Szenerie

Schon in den bayerischen Voralpen auf dem Weg zur Tutzinger Hütte bietet sich eine tolle Szenerie

Wer nach am Anreisetag aufsteigen will kann die Etappe über die Seilbahn von Lenggrieß abkürzen, aber ich empfehle schon alleine zur Eingewöhnung auf die kommenden schwierigen Etappen den Weg komplett zu Fuß zu gehen und sich dafür die nötige Zeit zu nehmen.

Lass es langsam angehen!

Von der Tutzinger Hütte ins Rißtal: abwechslungsreiche Landschaften

Zum Start geht es erstmal auf die Benediktenwand. Noch einmal ein paar Höhenmeter bevor es an den Abstieg nach Jachenau geht. Von hier gelangen wir über den Rißsattel und einen steilen Abstieg nach Vorderriß. Die Landschaft ist in dieser Etappe sehr abwechslungsreich: steinige Bergwelt, Almen, Zirben, Buchenwald.

Beim Abstieg nach Vorderriß zeigt sich dann wie gut Deine Knie trainiert sind. Nicht wenige klagen am Abend über Knieschmerzen. Bei allem Training nehme ich auf jede Bergtour meine Trekkingstöcke mit. Sie entlasten Deine Gelenke. So hast Du mehr Spaß an der Tour!

Nimm Trekkingstöcke mit!

Karwendel

Aus dem Rißtal aufs Karwendelhaus: Jetzt geht es richtig los!

Jetzt geht es richtig los. Nach einem letzten Stück flachem Weg am Rißbach entlang geht es über den kleinen Ahornboden zum Karwendelhaus. Samstags ist hier einiges los. Mountainbiker, Familien, Wanderer wo man auch hinschaut. Bis zum Karwendelhaus sind es 890 Höhenmeter im Anstieg.

Durchs Risstal geht ins Karwendel

Durchs Risstal geht es ins Karwendel

Da sich hier die Gäste schon gegenseitig auf den Füßen stehen beschließe ich noch weiter bis zur Biwakschachtel an der Birkkarspitze aufzusteigen. Aber da habe ich mich wohl überschätzt. Nach dem Aufstieg mit den ersten seilgesicherten Abschnitten merke ich wie die Kraft schwindet. Obwohl ich es gewöhnt bin weite Strecke mit Rucksack zu gehen ist das ganze mit Höhenmetern nochmal etwas anderen.

Ich biwakiere also auf ca. 2.100m auf dem letzten Fleckchen Gras und neben den ersten Schneefeldern inmitten des Geröllfeldes.

Meide es am Samstag hier zu sein!

Karwendelhaus – Hallangerhaus: Ist das anstrengend…

Nach einer ungemütlichen Nacht stehe ich schon um 5:30 Uhr auf und mache mich auf den Weg übers Schlauchkar zu Birkkarspitze. Das letzte Stück zieht sich endlos, immer wieder rutsche ich im Schotter wieder ein Stück zurück. Aber bald stehe ich an der Biwakschachtel auf 2.640m und genieße den Ausblick.

Schlauchkar im Aufstieg zur Birkkarspitze

Das Schlauchkar im Aufstieg zur Birkkarspitze

Die Sonne brennt jetzt schon und so versuche ich möglichst schnell abzusteigen. Im Abstieg dann schon eine der längsten seilgesicherten Passagen auf der ganzen Alpenüberquerung. Es geht mehrere hundert Meter steil und fast durchgängig gesichert bergab. Im Anschluss folgt dann erstmal eine lange Geröllpassage. Dieses Mal aber hilft es einem im Abstieg. Auf dem Geröll surfend geht es bergab.

Bei mittlerweile 33° nutze ich den Schatten an der Kastenalm für eine ausgedehnte Mittagspause. So mache ich mich nach 1h auf den Aufstieg zu Hallerangeralm. Aber schnell merke ich, dass meine Kräfte nachlassen. Ich hatte zu wenig gegessen. Ich hatte in der Pause kein großes Hungergefühl, aber meine direkt verfügbaren Reserven waren aufgebraucht. So brauche ich mehrere Pausen bis zur Alm und beschließe auf der Hütte zu übernachten.

Frühzeitig und ausreichend Essen!

Hallangerhaus – Lizumer Hütte: 2000 Höhenmeter an einem Tag ?!

Wieder stehe ich früh auf. Die Bergluft und die Anstrengung lässt einen früh und gut schlafen. Ich find´s gut und bin schon kurz nach 6:00 Uhr beim Aufstieg zum Lafatscherjoch. Im Abstieg dann erst einige rutschige Passagen über feuchte Almwiesen und dann brennender Asphalt auf dem langen Weg nach Wattens. Der Ort ist dann auch schon gegen Mittag erreicht. Ich habe dazugelernt und fülle meine Energiereserven ausgiebig auf.

Aber was mit dem angebrochenen Tag anfangen? Weiter zur Lizumer Hütte! Erst über Straße, dann Flurwege und dann wieder Bergwege geht es noch einmal gewaltig nach oben. Wahnsinn was der Körper so schnell im Stande ist zu leisten. 30km Wegstrecke, 2.000 Höhenmeter im Aufstieg, 1.500 Höhenmeter im Abstieg.

Ich genieße den Abend noch kurz beim Abendessen in der Hütte und lerne einige andere Alpenüberquerer kennen. Wir sollten noch viele schöne gemeinsame Abende vor uns haben.

Der Körper stellt sich auf die Belastung ein!

Zentralalpen

Lizumer Hütte – Tuxer-Joch-Haus: Muss das sein?

Der gestrige Tag steckt mir doch noch ein wenig in den Knochen, draußen hängt tief der Nebel. Also bleibe ich noch ein wenig und gehe erst weit nach den anderen los. Aber dann der Schock – meine Trekkingstöcke sind weg. Ein feiner Bergkamerad hat sich einfach an den Stöcken im Trockenraum bedient. Bedient bin ich jetzt auch.

Es folgt die erste Regenetappe der Tour. Ich sehe nicht wirklich viel im Nebel, aber auch das gehört dazu. Und auch wenn ich die Aussicht vermisse (diese Etappe soll sehr schön sein), so hat mir die Tour gerade wegen der Nebelstimmung trotzdem gefallen. Mal was ganz anderes.

Nimm Deine Trekkingstöcke mit ins Lager!

Zusammengesteckt und sauber versteht sich von selbst.

Über den Pluderingsattel zum Pfitscherjochhaus: Mein Traumpfad!

Die Sonne lacht durch die Fenster ins Lager. Herrlich. Nach dem Regen wird ein toller Sonnentag folgen. Mein Weg führt mich über einen herrlichen Höhenweg über die Weiße- und die Frauenwand zunächst zur Geraer Hütte. Ich koche mir am Bach mein Mittagessen und genieße dann den Weiterweg über die Alpeiner Scharte bis zum Pfitscher-Joch-Haus.

Alpeiner Scharte (2.969m)

Alpeiner Scharte (2.969m)

Eine herrliche Etappe die von den Standardroute abweicht. Der Lohn: einsame Wege, kein Abstieg zum Stausee, atemberaubende Berglandschaften. Erst das letzte Stück zum Pfitscher-Joch-Haus teilt man sich dann wieder mit vielen anderen.

Finde DEINEN Traumpfad!

Pfitscherjochhaus – Stein – Gliederschartl – Pfunders: Vom Winde verweht.

Gut, das Pfitscher-Joch-Haus ist eben ein Massenbetrieb. Um 8:00 Uhr werde ich unsanft von der Putzkolonne geweckt. Nach der langen Tour vom Vortag, immerhin 12h Wanderzeit, habe ich etwas mehr Schlaf gebraucht.

Ich brauche Lebensmittel und beschließe so meine Route über Stein nach Pfunders zu legen. Kurz nach der Gliederscharte erwischt es mich dann. Ein kurzes Gewitter, ich kann mich zum Glück an einem Felsvorsprung unterstellen, wird von einem langanhaltenden starken Dauerregen und Wind abgelöst.

Kein Problem denke ich mir. Poncho drüber und weiter gehts. Aber was soll ich sagen. Nie wieder einen Poncho in den Bergen. Denn ein Poncho ist:

  • eine mobile Sauna
  • ein Segel das Dich bei Windböen glatt umwirft
  • ein Sichtschutz beim Blick auf den Boden, da hat die Trittsicherheit ein Ende

Regenjacke + Regenhose statt Poncho!

Norddolomiten

Von Pfunders zur Kreuzwiesenhütte:

Nach einem kilometerlangen Hatsch auf Asphalt fülle ich in Niedervintel meine Vorräte für die nächsten 7 Tage auf. Auch wenn ich eine komplette Biwakausrüstung mit Biwakzelt, Isomatte, Schlafsack und sackschwerem Kochset dabei habe nutze ich das alles kaum. So kaufe ich nur für Frühstück und Zwischenmahlzeiten ein, Abend gegessen wird gemeinsam mit anderen München-Venedig-Wanderern auf den Hütten.

Die Etappe heute ist mit „nur“ 1.200 Höhenmetern und 7h Gehzeit fast schon ein Spaziergang. Am Abend treffen wir uns dann auf der privaten Kreuzwiesenhütte wieder. Wir? Ja, inzwischen ist aus einigen Solowanderern, Paaren und Kleingruppen eine schöne Hüttengemeinschaft geworden die sich allabendlich auf den Hütten zusammenfindet und das Erlebnis miteinander teilt.

Bei der Hütte haben wir übrigens allesamt am Vorabend angerufen und reserviert. Die Hütte hat nur 20 Lagerplätze und heute würde ich wohl etwas früher reservieren. Sonst steht man am Ende ohne da.

Reserviere Deine Hütten 2-3 Tage vorher!

Von der Kreuzwiesenhütte zur Schlüterhütte: Der frühe Vogel fängt den Wurm!

Schon von der Kreuzwiesenhütte aus kann man den Peitlerkofel sehen. Für mich der Einstieg in die Welt der Dolomiten. Über die Peitlerscharte geht es heute durch die Puezgruppe. Der Kulturschock dann auf halbem Weg am Würzjoch. Was für ein Andrang hier. Die Passstraße spuckt laufend leicht besohlte Tageswanderer aus und so wimmelt es hier nur so von lauten Touristen.

Zum Glück breche ich inzwischen immer sehr früh auf und kann damit zumindest morgens dem großen Trubel entgehen und die Szenerie still genießen. Als Solowanderer kommt so auch immer noch jemand nach Dir. Wenn Du also mal Probleme hättest wärst Du nicht lange allein.

Breche früh auf!

Schlüterhütte – Grödner-Joch – Pisciaduhütte: Von 0 auf 33°

Früh aufbrechen heißt auch bei Kälte in den Tag starten. Es ist tatsächlich eiskalt als ich morgens vor der Hütte mein Müsli esse. Zum ersten Mal auf dieser Tour ziehe ich mir alles Warme an was ich dabei habe. Im warmen Fleece und mit Handschuhen und Mütze starte ich den Aufstieg zur Gliederscharte.

Bei Pausen war auch die Regenjacke als Windschutz Gold wert. Damit habe ich jetzt inzwischen jedes Kleidungsstück aus meinem Rucksack auch wirklich verwendet. Aus dem Schatten heraus kletterte das Thermometer dann aber schnell wieder auf über 30°. Also Sonnenschutz drauf und weiter.

Die Pisciadù-Hütte in der Sella-Gruppe

Die Pisciadù-Hütte in der Sella-Gruppe

Die Etappe selbst ist geprägt von den bizarren Landschaften der Dolomiten. Für mich ist die Alpenüberquerung von München nach Venedig endgültig zum Traumpfad geworden und schon damals war mir klar, dass dies nicht die letzte Hüttentour sein wird.

Nimm Wetterschutz für JEDES Wetter mit!

Von der Pisciaduhütte auf den Piz Boe: Gipfelglück auf der Sella

Die kürzeste Etappe war gleichzeitig eine der schönsten. 800 Meter geht es die Sellagruppe weiter hinauf und auch wenn ich auf der Boehütte unterhalb des Piz Boe übernachte gehe ich bei wechselhaftem Wetter auf den 3.152m hohen Gipfel. Für uns ist es der höchste Punkt der Tour, aber auch echter Wanderberg der von der anderen Seite auch von einer Seilbahnstation leicht zu erreichen ist.

Das macht sich dann auch auf der Boehütte bemerkbar. Unwirtlich und völlig überteuert ist die Hütte wirklich nur zum Schlafen gut. Keine Spur von Hüttenromantik. Da ich immernoch Nudeln, Soßenpulver und einen Spirituskocher mit mir rumschleppe kochen wir uns abseits der Hütte unsere eigenen Nudeln.

Kalkuliere die Kosten Deiner Alpenüberquerung!

Boehütte – Piz-Boe – Pordojoch – Rifugio Sass – Marmoladahütte

Schnee! Aber egal, ich gehe nochmal auf den Piz Boe und den Gipfel diesmal tatsächlich für mich alleine. Beim Abstieg wähle ich dieses Mal den Klettersteig zum Pordoijoch. Hier kommen mir dann gerade die ersten Tageswanderer entgegeben während ich kurz darauf auf dem Bindelweg die phantastischen Ausblicke auf Sella-Gruppe und Marmolada auf dem Weg zum Fedaiasee genieße.

Die Sellagruppe vom Bindelweg aus

Die Sellagruppe vom Bindelweg aus

Wir liegen gut in der Zeit und überlegen uns ob der guten Fitness einen Abstecher auf die Marmolada zu gehen. Zum Glück kommen wir noch mit einem Bergführer ins Gespräch der uns erfolgreich von unserem Vorhaben abbringt. Die Bedingungen sind aktuell nicht die Besten. Grundsätzlich haben wir die Erfahrung gemacht dass es sich wirklich lohnt jederzeit andere über die aktuellen Bedingungen zu befragen. Hüttenwirte und Wanderer aus der Gegenrichtung geben immer gerne Auskunft und meist entwickelt sich auch noch ein nettes Gespräch.

Informiere Dich vor Ort über die aktuellen Bedingungen!

Vom Fedaisee zur Tissihütte: Genuss pur

Die Etappe selbst beginnt erst wenig genussvoll. Viele kürzen die Etappe mit dem Bus ab aber wir folgen der Straße Richtung Alleghe. Dort werden die nicht mehr benötigten Karten per Post nach Hause gesendet und die Vorräte wieder aufgefüllt.

Alpenglühen vom Hausberg der Civetta-Hütte, dem Cima di Col Rean

Alpenglühen vom Hausberg der Civetta-Hütte, dem Cima di Col Rean

Nach einer langen Pause am Alleghesee gehen wir dann gleich noch über Masarè weiter zur Tissihütte. 34km liegen hinter uns als wir an der Hütte ankommen. Die Freude ist groß, denn unsere Wandergruppe die sich letzten Tage etwas verloren hatte ist wieder zusammen. Da Nadja auch noch Geburtstag hat wird heute gefeiert. Der Abend kennt kein Ende und wir sitzen noch lange erst in der Hütte und später bei atemberaubendem nächtlichen Ausblick auf dem Cima di Col Rean.

Genieße die Tour! Lass Dich nicht stressen.

Süddolomiten

Ruhetag: Tissihütte – Alleghe – Tissihütte

Der Vorabend war lang, die Etappe am Vortag auch. Also entschließen wir uns doch mal einen Ruhetag einzulegen. Es liegen schließlich noch einige Etappen vor uns und so gehen wir mit leichtem Gepäck heute nur eine Tagestour, waschen unsere Klamotten und genießen einen weiteren Abend auf der Tissihütte. Da die Tissihütte unterhalb der Civetta direkt am Dolomitenhöhenweg1 liegt werden sogar schon Pläne für die nächste Hüttentour geschmiedet…

Gut erholt kann es dann am nächsten Tag weitergehen.

Plane Ruhetage ein!

Von der Tissihütte  zum Passo Duran: Der Berg bestimmt den Weg

Bei Eiskälte geht es in Richtung Rifugio Vazoller los. Heute will ich die Moizze besteigen und von dort dann weiter über die Caresttiatohütte zum Passo Duran. Der Berg aber hatte etwas gegen meine Routenführung – oder gegen meine unvollständige Ausrüstung.

Blick zurück auf die wolkenverhangene Civetta

Blick zurück auf die wolkenverhangene Civetta

Beim Aufstieg auf die Moizza verhinderte ein vereistes Schneefeld in einer Rinne den Weiterweg. Es war nicht das erste Schneefeld auf dieser Tour aber dieses ist das erste vereiste Schneefeld. Ich versuche noch mit meinen Stiefeln Tritte in den Schnee zu schlagen aber die Vernunft siegte letztlich. Ohne Grödel steige ich wieder ab und gehe um den Berg herum zum Passo Duran. Es blieb nicht weniger als eindrucksvolle Ausblicke auf die Moizzawände und die Civeatta.

Nimm Grödel mit oder trage Umwege mit Gelassenheit!

Vom Passo Duran zum Rifugio Bianchet: Die letzten Dolomitenwände

Wieder eine Doppeletappe. Man gönnt sich ja sonst nichts. Es geht über die Forcella Moschesin zur Pian de Fontana und weiter über die Casera di Vescora zum Rifugio Bianchet. Auf dem Weg passiert man noch einmal einige atemberaubende Gipfelausblicke und zu guter Letzt liegt die Hütte direkt unter der mächtigen Wand des Monte Schiara. Der Sonnenuntergang färbt die Wand dann auch noch tief rot ein. Ein Traum von Berg.

Die Hütte selbst ist eher ungemütlich. Ich bereue ein weiteres Mal meine Tour nicht von vornherein als Hüttentour geplant zu haben. Statt Zelt und Isomatte hätte ich jetzt viel lieber Hüttenschuhe dabei. Auf vielen Hütten gibt es Hüttenschuhe zur freien Benutzung, aber eben nicht auf allen. So ziehe ich alle Socken übereinander um wenigstens halbwegs warme Füße zu haben. Im Waschraum hilft das freilich nicht gegen nasse Böden…

Hüttenschuhe mitnehmen!

Vom Rifugio Bianchet zum Refugio Alpine 5: Abschied von den Alpen

Der lange Abstieg nach Belluno zieht sich. Zum Abschnitt an der Straße entlang findet sich folgendes in meinem Tourenbuch:

Das anschließende Stück Bundesstraße ist der Horror schlechthin. Ich beschließe doch mit dem Bus zu fahren nachdem ich 5km in tosendem Autolärm gewandert bin.

Nach all den tollen Tagen in den Bergen kommt man jetzt so langsam in die Zivilistation zurück. Von Belluno aus geht es aber ein letztes Mal nach oben auf das Nevegal. Also quasi auf die italienischen Voralpen. Hier steht dann auch der berühmte Wegweiser „München-Venedig“ den ihr auch hier im Titelbild seht.

Auf dem Refugio Alpine 5 genieße ich dann ein letztes Mal Polenta. Im Ofen mit Käse überbacken. Schon alleine dafür muss ich wohl nochmal über die Alpen gehen.

Probiere auf jeden Fall die Polenta!

Piave

Refugio Alpine – Refrontolo

Der Weiterweg über den Höhenzug des Nevegal ist noch ein letztes Mal ein traumhafter Abschnitt bevor es dann endgültig bergab geht. In praller Sonne geht es stundenlang durch dicht besiedeltes Gebiet.

Aber immerhin: Ich schlage zum ersten Mal mein Biwakzelt, ein Vaude Refugee, auf. Wieder wir mir bewusst dass ich in Zukunft meine Ausrüstung für eine Hüttentour anstatt für eine Zelttour zusammenstellen werde.

Mach`s Dir leicht! Lasse Deine Zeltausrüstung zu Hause.

Refrontolo – Priula

Ihr ahnt es schon, nicht mein Fall diese Flachlandetappen… So gibt es auch nicht mehr viel zu sagen. Nach dieser Etappe endet meine Tour von München nach Venedig vorzeitig. Ich behalte die Etappen durch die Berge in Erinnerung, bewahre die Freiheit der Berge in mir und fahre von Priula mit dem Zug nach Venedig. Noch am gleichen Tag sitze ich dann im Zug zurück nach Deutschland.

Gondel in Venedig

Gondel in Venedig

Ich bin nicht die ganze Strecke am Stück gelaufen, aber ich bin die Etappen gelaufen die mich glücklich gemacht haben. Während die allermeisten auf dieser Tour entschleunigen und Stress abbauen setzen sich manche unter Druck alles gehen zu müssen. Wofür?

München-Venedig ist kein Wettkampf!

Was der Traumpfad München-Venedig auslösen kann…

Für mich war die Alpenüberquerung von München nach Venedig der Auslöser für viele weitere Bergtouren, Weitwanderungen und Alpenüberquerungen. Hüttentrekking gehört deshalb seitdem fest in meinen Kalender. Schon davor war ich oft zu Fuß unterwegs. Trotzdem war diese Tour nochmal etwas anderes. Wochenlang vom Alltagsleben getrennt, meist in alpinem Gelände. Jeder Schritt alleine eine Schritt für sich selbst. Unbeschreiblich das Gefühl die Alpen aus eigener Kraft überschritten zu haben. Kein Pauschalurlaub der Welt könnte dieses Gefühl ersetzen. Einmal vom Virus befallen zieht es mich seitdem immer wieder in die Berge. Es braucht nicht viel um glücklich zu sein. Es reicht am Abend in den Bergen einfach nur dazustehen. Dazustehen und in die Berge zu blicken.

Wenn Du Dir das alles jetzt durchgelesen hast bleibt mir nur noch eines: Viel Spaß für eure eigene Tour zu Fuß von München nach Venedig!

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