Garmin Forerunner 645: Laufuhr im Outdoor Praxistest

Garmin Forerunner 645

Taugt eine Laufuhr wie die Garmin Forerunner 645 auch im Outdoor- und Trekking-Einsatz? Ich habe es ausprobiert. Alles über die Praxistauglichkeit der Smartwatch im Test on Tour.

Die Zeit war reif. Überreif. Nachdem die x-te Discounter Laufuhr ihren Geist aufgegeben hatte und auch meine langjährig zuverlässige Outdoor-Uhr mal wieder nach ihrem recht aufwändigen jährlichen Batteriewechsel verlangt hatte habe ich mich nach einer neuen Uhr umgesehen.

Das Ziel dabei: Eine Uhr für alles – Training, Wandern, Trekking, Paddeln. Ja, die eierlegende Wollmilchsau sollte es sein. Und das zu einem halbwegs annehmbaren Preis. Geworden ist es die Garmin Forerunner 645. Die „echten“ Outdoor-Uhren waren mir entweder viel zu groß (Suunto) oder zu teuer (Garmin Fenix5).

In diesem Artikel erfahrt ihr ob das die richtige Entscheidung war.

Technische Daten

Maße (lxbxh)42,5 x 42,5 x 13,5 mm
Akkulaufzeit7 Tage (im Smartwatch-Modus)
24h im GPS-Modus
BesonderheitSportuhr mit vielen Funktionen
GehäusematerialKunststoff / Edelstahl
GlasmaterialGorilla® Glass 3
Akkuwechselnicht nötig, aufladen mit Spezialkabel
Gewicht42,2g
Temperaturbereichk.A.
Wasserdicht5 ATM
Preis399,-€

Praxistest

Akkulaufzeit

Eine Sportuhr / Smartwatch ist von Haus aus erstmal nicht auf eine lange Akkulaufzeit ausgelegt. Beim Trekking brauchen wir aber eben genau das. Schließlich wollen wir den Stromverbrauch beim Trekking möglichst klein halten um kein unnötiges Zusatzgewicht tragen zu müssen.

Für den Toureneinsatz verzichte ich daher auf alle stromfressenden Funktionen wie GPS-Tracking. So komme ich auf eine Akkulaufzeit von max. 10 Tagen. Genug für eine kurze Tour, für eine längere Tour braucht es dann aber immernoch das Garmin-Ladekabel und eine Powerbank.

Praxistauglichkeit

Training

Beim Trekking-Training spielt die Forerunner 645 naturgemäß ihre Stärken aus. Die vorinstallierten Tracking-Profile sind einfach zu verstehen und funktionieren zuverlässig, bei Bedarf kannst Du sie aber auch anpassen oder Deine eigenen Profile erstellen.

Ich nutze hauptsächlich die Profile Laufen, Indoor-Rudern, Trailrunning, Radfahren und Krafttraining. Wenn es rausgeht nutze ich dabei gerne auch die GPS-Tracking-Funktion. Beim Start des Trainings darf man hier aber ein wenig aufpassen ob das GPS-Signal schon zur Verfügung steht. Nach ein paar Sekunden kann es dann aber losgehen.

Viel mehr Worte will ich hier gar nicht über die Trainingsfunktionalität verlieren, da gibt es spezialisiertere Seiten im Netz wie z.B. hier die einen sehr ausführlichen Artikel über die Uhr veröffentlicht hat.

Wandern / Bergwandern

Für Tageswanderungen kann man getrost das vorinstallierte Profil zum Wandern verwenden. Dabei wird der Track aufgezeichnet und es stehen verschiedene Ansichten mit Distanz, Höhenmetern usw. zur Verfügung. Der Akku macht das aber nur 2 Etappen mit, danach verlangt er nach frischer Energie.

Trekking

Beim Trekking geht es ja bekanntlich um mehrtägige autarke Touren. Für den GR221 habe ich daher im Praxistest alle Stromfresser deaktiviert. Da es zudem einige Höhenmeter zu bewältigen gab habe ich mir noch das Displaydesign Mountain Face (siehe auch das Titelbild) installiert um die Höhe immer im Blick zu haben. Auf Tracking habe ich des Stromverbrauchs wegen verzichtet,

Was ich dabei festgestellt habe:

  • Die Anzeige der Stockwerke spielt bei so einer Tour verrückt. Es werden viel zu wenig Stockwerke angezeigt. Die Erklärung dafür habe ich bei meiner Recherche nach der Tour schnell gefunden: Anzahl der Etagen ist ungenau
  • Die Akkulaufzeit beträgt ohne GPS-Tracking mind. 8 Tage – zu diesem Zeitpunkt hatte der Akku noch eine Restkapazität von 16%
  • Der Wecker weckt zuverläsig
  • Die Anzahl der gelaufenen Schritte stimmt so gar nicht – mit Stöcken fehlt jeder zweite Schritt. Kein Wunder, schließlich bleibt beim Gehen mit Stöcken die Hand i.d.R. für 3-4 Schritte über den Stock am Boden. Keine nennenswerte Bewegung der Hand – kein Schritt für die Uhr.
  • Der Kompass zeigt zwar die Himmelsrichtungen an, mehr aber auch nicht. (keine Gradanzeige)
  • Temperatur und Wetteranzeigen sind entweder ohne Bluethooth-Verbindung gar nicht erst vorhanden oder tief in den Einstellungen versteckt. Das gleiche gilt für Sonnenauf- und Untergangsdaten

Als Trekkinguhr taugt die Uhr nur bedingt, Die Sportfunktionen versagen hier, das GPS frisst zu viel Strom, es fehlen für eine Outdooruhr sinnvolle Funktionen. Es bleibt bein Trekking eine Uhr mit mäßig genauem barometrischem Höhenmesser und ungenauer Kompassanzeige.

Letztlich habe ich auf dieser Tour auch noch ein extra Ladekabel tragen dürfen um genau genommen keinen einzigen Vorteil zu meiner langjährigen Outdoor-Uhr ohne Sport- oder Smartwatchfunktionen zu haben.

Auf meiner Tour auf dem GR34 mit ein paar Tagen weniger konnte ich auf das Ladekabel gut verzichten, der geringe Outdoor-Funktionsumfang hat sich dadurch freilich nicht geändert. Die meisten Funktionen hat hier dann mein Smartphone mit der App Locus Maps Pro übernommen.

Paddeln

Wer beim Paddeln eine Uhr verwenden will dem sollte eines klar sein: Jeder Blick auf die Uhr unterbricht das Paddeln und damit den schönen „Paddel-Flow“. Und das um so mehr wenn man Paddeljacke/Trockenanzug mit Neopren- oder Latexmanschette trägt. Dann muss man sich entscheiden – Herzfrequenzmessung mit dem integrierten Sensor oder über der Jacke getragen Zugriff auf die Uhr. Das alles ist aber bei jeder Uhr so.

Wer die Forerunner 645 mit Kajak nutzen will kann sich ein eigenes Profil zum Tracken der Entfernung, Pulsmessung etc. anlegen. Was aber nur mit Zubehör geht: Eine Frequenzmessung der Paddelschläge. Schade, schließlich sollte der integrierte Lagesensor recht einfach in der Lage sein Paddelschläge zu erkennen.

Für mich hatte die Uhr auf Paddeltouren keinen wirklichen Mehrwert. Zur Navigation nutze ich hier das Garmin eTrex 30x und für die Uhrzeit braucht es keine teure Outdoor-Uhr.

Fazit

Die Garmin Forerunner 645 eignet sich für den Trekking- und Outdooreinsatz nur bedingt. Auf Tagestouren, wofür sie ja auch in erster Linie gemacht ist, überzeugt sie auf ganzer Linie aber auf längeren Touren ist sie im Akku und Funktionsumfang einfach zu sehr limitiert. Wenn man Akku sparen will und auf den GPS-Empfang verzichtet ist der dann nur barometrische Höhenmesser sehr träge. Ohne GPS-Nutzung zahlt man aber nur noch für die durchgehende Herzfrequenzmessung den deutlich höheren Preis im Vergleich zu einer herkömmlichen Outdoor-Uhr ohne Sport- und Smartwatch-Funktionen.

Pros

  • Multifunktionalität (Trainingsuhr, Höhenmesser, GPS-Tracker, Schrittzähler,…)
  • Leicht
  • alltags-tauglich durch moderate Größe
  • Software mit Auswertungen für Datenjunkies
  • Navi-Backup

Cons

  • Ladeklemme statt USB-Anschluß
  • Akkulaufzeit (vor allem bei GPS-Nutzung)
  • langsamer, teils ungenauer, barometrischer Höhenmesser
  • kein Original Garmin Ziffernblatt mit Höhenmesser
  • ohne Bluetooth oder GPS-Empfang sehr eingeschränkter Funktionsumfang

Wer eine einzige Uhr für Alltag, Training und Tour in einem sucht kann in der Forerunner 645 einen guten Allrounder finden. Für längere Touren eignet sie sich aber weniger. Ich werde dafür weiterhin meine alte Ciclo XC1 nutzen. Deren Höhenmesser ist um einiges genauer und schneller während der Akku zuverlässig mindestens 12 Monate lang hält.

Mittelfristig werde ich mich aber auf die Suche nach einer neuen zeitgemäßen Trekkinguhr mit langer Akkulaufzeit, akkuratem Höhenmesser und sinnvollen Outdoorfunktionen machen. GPS, Herzfrequenzmessung, Bluetooth- und WLAN-Verbindung gehören bei einer Outdoor-Uhr für mich aber nicht dazu.

 

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