
Du willst den West Highland Way wandern? Hier findest du meine Erfahrungen, eigene Bilder und praktische Tipps zu Etappen, Route, Zelten und Transfer.
Überblick & Tourbeschreibung
Der West Highland Way ist einer der bekanntesten Wanderwege Europas. Landschaftlich verspricht er viel: Die Highlands, Glencoe und Rannoch Moor sind großartig. Gleichzeitig ist die Route die ganze Saison über viel begangen.
So wild, wie die Landschaft auf den ersten Blick wirkt, ist der WHW am Ende allerdings gar nicht. Ein großer Teil der Route folgt alten, breiten Militärstraßen aus dem 18. Jahrhundert. Und auch sonst ist nicht jeder Kilometer spektakulär: Forstwege, Matsch, Regen und nasse Füße gehören genauso dazu wie volle Etappen und die unvermeidlichen Wandergruppen.
Trotzdem hat der WHW was – nicht weil er wild und unberührt ist, sondern weil die Landschaft in Kombination mit dem unberechenbaren Wetter immer wieder alles andere vergessen lässt. Und gleichzeitig ist die Versorgung einfach gut: Trinkwasser, Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten sind entlang der Strecke in aller Regel problemlos zu finden.
GPS-Track und Karte
Karte: © OpenStreetMap Mitwirkende
Papierkarten
- Ordnance Survey, OS Landranger Nr. 64, 56, 57, 40, 41, 1:50.000
- Cicerone, West Highland Way Map Booklet auf OS-Basis (61g), 1:25.000
- Harveymaps, West Higland Way (35g), 1:40.000
Digitale Karten
- Freizeitkarte Großbritannien
- Frikart Topo Summer(im Stil der norwegischen Topo-Karten)
- OpenandroMap
Einen Vergleich der verschiedenen Karten findest du hier: OSM-Wanderkarten: 11 Karten und Overlays im Vergleich
Die offiziellen topografischen Karten von Ordnance Survey für Schottland sind natürlich noch detaillierter, benötigen wir aber für diese Tour nicht unbedingt.
Tipp: In den OSM-Karten sind sogar gut geeignete Wildcamping – Zeltplätze verzeichnet. Das entspricht nicht ganz den OSM-Definitionen, ist für uns aber natürlich schon praktisch.
Toursteckbrief & Eckdaten
| Strecke | 154 km |
|---|---|
| Höhenmeter | ca. 3.155 hm Aufstieg, ca. 3.227 hm Abstieg |
| Schwierigkeit | mittel |
| Etappen | 6-8 d |
| Start | Milngavie |
| Ende | Fort William |
| Anreise |
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| Rückreise |
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| Brennstoffbezug |
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| Markierung | durchgehend mit Wegweisern und Markierungen des West Highland Way ausgeschildert |
| Wegbeschaffenheit | überwiegend gut begehbare Wege und Tracks, teils alte Militärstraßen; zwischen Rowardennan und Inverarnan stellenweise unwegsam und anspruchsvoll |
| Beste Jahreszeit | Mai-September; ganzjährig begehbar |
| Übernachten | Hotels, B&Bs, Hostels und Campingplätze entlang der Strecke; Wildcampen ist grundsätzlich möglich, außer an Loch Lomond zwischen Conic Hill und Ptarmigan Lodge vom 1. März bis 30. September |
| Trinkwasser | zahlreiche öffentliche Trinkwasser-Zapfstellen; Wasser aus Bächen müsste vor dem Trinken unbedingt inkl. Virenfilter aufbereitet werden; am Loch Lomond wird ausdrücklich vor dem Filtern des Wassers gewarnt (Bewirtschaftung und Tourismus) |
| lokale Infos | auf West Highland Way |
Gut zu wissen: Leider hat sich die Borreliose inzwischen auch bis nach Schottland ausgebreitet. Unter der englischen Bezeichnung „Lyme disease“ finden sich immer wieder die üblichen Hinweise zum Eigenschutz.
Etappen des West Highland Way
| Etappe | Route | Schwierigkeit | Aufstieg | Abstieg | Strecke | Dauer |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Milngavie – Drymen | einfach | 242 hm | 233 hm | 19 km | 5:23 h |
| 2 | Drymen – Rowardennan | mittel | 604 hm | 641 hm | 24 km | 7:39 h |
| 3 | Rowardennan – Inverarnan | schwer | 457 hm | 463 hm | 22 km | 6:43 h |
| 4 | Inverarnan – Tyndrum | mittel | 546 hm | 348 hm | 19 km | 6:00 h |
| 5 | Tyndrum – Kingshouse | schwer | 649 hm | 610 hm | 30,5 km | 9:19 h |
| 6 | Kingshouse – Kinlochleven | mittel | 379 hm | 614 hm | 14,5 km | 4:52 h |
| 7 | Kinlochleven – Fort William | schwer | 606 hm | 623 hm | 25 km | 7:53 h |
Wie man ein wenig abkürzen und dennoch die Highlights mitnehmen kann:
- Die erste Etappe von Milngavie nach Drymen (~ 19 km) verläuft in Kulturlandschaft und kann direkt bei der Anreise ausgelassen werden.
- Der Abschnitt entlang des Loch Lomond ist anstrengend und lang – ich fand ihn toll, andere kürzen mit dem Schiff ab (aber Achtung: viele Verbindungen nach Norden werden nur Samstags angeboten!)
- Im Mittelteil von Tyndrum bis Bridge of Orchy (~ 11 km) verläuft der Weg teils sehr nah an Straße und Bahnstrecke entlang. Hier kann man mit dem Bus (alle 1-2 h) abkürzen. Wer es noch eiliger hat könnte den Bus auch schon von Inverarnan über Tyndrum bis Bridge of Orchy nehmen (~ 33 km).
Ich selbst bin direkt in Drymen gestartet und habe den Abschnitt von Crianlarich bis Bridge of Orchy mit dem Bus überbrückt – Mein Zeitfenster war knapp und die Tage mit gutem Wetter bin ich lieber in den Highlands als parallel zur Straße gewandert.
Zelten am WHW
Auf dem größten Teil der Route gilt das Jedermannsrecht. Vom 1. März bis 30. September gibt es aber am Loch Lomond Schutzzonen in denen das Zelten nicht, bzw. nur mit vorheriger Buchung für vereinzelte Plätze, erlaubt ist.
Hier findet ihr eine Karte und weitere Hinweise: Camping Management Byelaws
Darüber hinaus gibt es buchbare Zeltplätze an Farmen und Hostels ab ca. 15 £ / Nacht.
Gut zu wissen: B&Bs sind auch in der Nebensaison teuer und spontan nicht verfügbar. Campingplätze konnte ich dagegen auch kurzfristig buchen.
Trinkwasser und Versorgung
Entlang des West Highland Way gibt es zahlreiche öffentliche Trinkwasserspender, die auf OSM‑Karten leicht zu finden sind. Auf das Filtern von Bachwasser sollte man verzichten, da es durch Landwirtschaft und die vielen Wanderer verunreinigt ist.
Auch die Lebensmittelversorgung ist unterwegs problemlos: Supermärkte in den größeren Orten, kleine Shops an Campingplätzen und die typischen Honesty‑Boxen bieten alles Nötige. In vielen Shops gibt es sogar Trekkingnahrung.
Trinkwasserstellen am WHW
- Milngavie – Trinkwasserspender am offiziellen Startpunkt (Douglas Street)
- Drymen – im Dorfzentrum neben der Bushaltestelle
- Balmaha – an der Straße zum Fähranleger
- Rowardennan – neben dem Hotel
- Beinglas – am Zeltplatz
- Crianlarich – an der Bahnhofs-Unterführung
- Tyndrum – am Supermarkt
- Bridge of Orchy – am Hotel
- Inveroran – am Hotel
- Kingshouse – an den öffentlichen Toiletten
- Kinlochleven – in der Parkanlage im Ortskern
Einkaufsmöglichkeiten am WHW
- Milngavie – diverse Läden am Startpunkt (z.B. Spar, Creature Comforts)
- Drymen – Spar Supermarkt (Gaskartuschen, Lebensmittel)
- Glasgow – Outdoor-Läden nahe Central Station & Queen Street Station
- Tyndrum – Supermarkt (Lebensmittel, Trekkingnahrung)
- Campingplätze – kleine Shops mit Grundversorgung (z.B. Beinglas Farm Campsite)
- Honesty Boxes – Snacks & Getränke entlang der Route (z.B. Turnip the Beet, Gartness)
Insgesamt kann man sich auf dem West Highland Way also einiges an Gewicht für die Verpflegung auf der Trekking-Packliste sparen!
Tourbericht und Erfahrungen
Schon lange geplant ergibt sich im Herbst die Gelegenheit für eine einwöchige Tour auf dem West Highland Way (WHW).
Ganz so einfach war es mit dem WHW und mir dabei ja bisher nicht: Zweimal hatte ich bereits Flüge gebucht, zweimal haben sich die Reisepläne kurzfristig in Luft aufgelöst – mal wegen Corona, mal wegen Flugverschiebungen durch die Lufthansa…
Anreise und Transfer
Beim dritten Versuch klappt es tatsächlich mit dem Flug.
Zeit und Tageslicht vor Ort sind kostbar, deshalb geht es nach der Landung um 16:00 Uhr Ortszeit in Glasgow direkt vom Flughafen mit einem Uber (nur ca. 20 £ Mehrpreis für 3-4 h mehr bzw. überhaupt noch Wanderzeit am ersten Tag) nach Drymen.
Im dortigen Spar gibt es tatsächlich Gaskartuschen, leider aber nur die Großen mit 220g Gas. Eine wirkliche Wahl habe ich also nicht.
Drymen – Conic Hill
Bevor ich in Drymen aufbreche, fülle ich am ersten der vielen öffentlichen Wasserspender entlang des WHW meine Vorräte auf. Von hier geht es nach Osten aus dem Ort, und schon nach wenigen Minuten stoße ich auf den West Highland Way. Schnell wird klar: Auch Ende September ist noch viel Betrieb – die ersten Zelte stehen direkt am Wegrand.
- Öffentlicher Wasserspender in Schottland
- Hinweisschild zur Camping Management Zone
Das Wetter zeigt sich typisch schottisch: Wechsel zwischen kräftigen Regenschauern und Sonnenschein, für die Nacht sind starker Wind und anhaltender Regen angekündigt. Der Weg verläuft zunächst über breite Flurwege, früher wohl alte Militärstraßen. In fast jeder kleinen Nische steht ein Zelt; vielen Wanderern ist ein windgeschützter Platz wichtiger als eine schöne Umgebung.
Ich selbst mache mir mit dem Big Sky Chinook weniger Sorgen und erreiche nach etwa drei Stunden kurz vor Sonnenuntergang ein Weidegatter mit einer freien Fläche und weitem Blick in die Landschaft. Die Schafe sind auf der oberen Weide, und so finde ich einen schönen Platz mit Aussicht auf Conic Hill und Loch Lomond.
Conic Hill – Rowardennan – Ptarmigan Lodge
Nach einer herrlichen ersten Nacht auf dem WHW mit allerlei Wind(böen) und prasselndem Regen begrüßt mich die noch kalte Morgensonne.
Nach einem kurzen Frühstück dann ein herrlicher Aufstieg bei klarer Luft und weiter starkem Wind auf den Conic Hill. Was für ein Einstieg in den Tag.
Ab dem Gipfelabzweig kommen uns dann die Tageswanderer von Balmaha entgegen. Mit Bus, per Schiff und individuell angereist steigen sie vom Nationalparkzentrum auch schon früh morgens auf den Gipfel.
Für mich geht es dagegen auf dem breit ausgebautem Weg nach Balmaha zum Loch Lomond hinunter. Immer mit dabei: eine tolle Aussicht auf Loch Lomond und dessen Inseln.
Im weiteren Verlauf geht es nun immer nah am Ufer des Loch Lomond entlang. Dabei sammeln sich durch die „Restricted Camping Zone“ alle Wildcamper am Ende des Tages kurz nach der Ptarmigan Lodge für eine Übernachtung am Wegrand. Da wird es sogar beim Wildzelten mal etwas enger…
Ptarmigan Lodge – Inverarnan
Man weiß es ja schon vorher, aber diese unscheinbare Etappe entlang des Loch Lomonds hat es tatsächlich in sich. Immer wieder geht es auf schmalen wurzeldurchzogenen Pfaden oder über Blockwerk und Fels hoch und runter – immer wieder im Blick: Loch Lomond.
Auf halbem Weg dann die Option auf einen Ausstieg aus dieser Etappe – Die Pendelverbindung per Schiff ans andere Ufer des Loch Lomond. Einige bisherige Mitwanderer nutzen die Gelegenheit und setzen zur anderen Seeseite über.
- felsiger und nasser Aufstieg am Loch Lomond
- rutschiger Abstieg am Loch Lomond
Nach dem letzten felsigem Abschnitt lädt eine Bucht dann zu einer Pause auf dieser anstrengenden Etappe des WHW mit malerischem Blick auf Loch Lomond mit der Insel Eilean a‘ Bhùtha ein.
Weiter geht es dann nochmal mit einigem Auf- und Ab auf teils matschigen Wegen am Bootsanleger Ardleish Pier vorbei zum Zeltplatz Beinglas.
Unterm Strich ist diese Etappe tatsächlich sehr anstrengend. Nicht ohne Grund stehen am Ende der Etappe auf meiner Outdoor-Uhr mit Abstand die meisten Aktivkalorien auf dem West Highland Way bei dieser Etappe.
- Doune Byre Bothy
- Zelten auf dem Farm-Campsite Beinglas
Am Abend sammeln sich dann alle Wanderer am Zeltplatz Beinglas. Ein großes Hallo über Stunden hinweg bis auch die letzten angekommen sind. Viele sind sich ja schon auf den ersten Etappen begegnet und durch die Restricted Zone am Loch Lomond finden fast alle nach den ersten Etappen hier zusammen.
Inverarnan – Crianlarich – Bridge of Orchy – Inveroran
Schon früh macht sich die große Aufbruchstimmung am Zeltplatz Beinglas breit. Weit mehr als 30 Zelte standen über Nacht hier, dazu noch die zahlreichen „Leicht-Wanderer“ mit Gepäcktransport in den „Camping Huts“ und „Chalet Rooms“.
Trotz der nahen Straße weiß die Landschaft zu überzeugen – die zahlreichen kreuzenden Bäche und der Fluss Falloch mit seinen Wasserfällen und Stromschnellen übertönen den nahen Verkehr über weite Strecken.
Das Wetter meint es heute aber nicht gut mit uns. Nach einem guten Start beginnt es schon bald einfach nur aus allem was geht zu schütten.
Ein Blick auf den Wetterbericht macht dann die Entscheidung leicht: Bevor ich die nächsten 1-2 Tage bei Dauerregen parallel zur Straße verbringe kürze ich lieber mit dem Bus von Crianlarich über Tyndrum nach Bridge of Orchy ab. 4 Pfund kostet die Strecke im Bus, online gebucht wären es sogar nur 2 Pfund gewesen.

geschichtsträchtiger Zwischenstopp: Die alte Militärbrücke aus dem 18. Jahrhundert in Bridge of Orchy
Bei strömendem Regen steige ich dann von Bridge of Orchy auf den Mam Carraigh (320 m) und finde am Abstieg einen Schlafplatz kurz vor Inveroran mit toller Aussicht auf Loch Tulla und die Highlands.
Bis zu 1.000 m hoch sind die umliegenden Berge der westlichen Highlands – auch wenn ich sie im Nebel manchmal nur erahnen kann.
Inveroran – Kingshouse – Devil’s Staircase
Der aussichtsreiche Zeltplatz hat sich dieses Mal nur teilweise gelohnt – auf der einen Seite klart es morgens tatsächlich ein wenig auf, auf der anderen Seite stand die Feuchtigkeit im Boden so stark, dass sich letztlich nach vielen Jahren doch einiges Wasser durch den offensichtlich undicht gewordenen Zeltboden gedrückt hat. Da steht nach der Tour ganz offensichtlich eine Reparatur oder ein Austausch an.
Ich genieße dennoch die Stimmung und breche früh auf. In Inveroran könnte ich noch die Wasservorräte auffüllen, sogar der kleine Shop hat schon geöffnet. Ich bin aber noch gut versorgt und gehe direkt weiter. Nach wenigen hundert Metern gehe ich dann an schönen Wiesen an einer Flussschleife mit ein paar Zelten vorbei, hier sieht es nach zaghaftem Aufwachen aus.
Danach wird das Wetter immer besser, sogar die Sonne lässt sich nach Tagen wieder einmal blicken. Immer wieder geht es an (oft eingezäunten) Wäldern auf breiten Wegen, teils uralt gepflastert, entlang. Dabei öffnet sich der Blick dann auch immer mehr auf die richtigen Highlands. Man weiß eigentlich gar nicht mehr, wo man als nächstes hinsehen sollte.
Auf Höhe der ehemaligen Ba Cottage und den umliegenden Ruinen bietet sich bei herrlichem Rundumblick eine kleine Pause an bevor es über einen sanften Anstieg Richtung Kingshouse geht.
Dort angekommen ist es dann endgültig Zeit für eine längere Mittagspause – mit allem sanitärem Komfort den man sich nur so wünschen kann. Ich nutze dabei noch die Sonne und trockne meinen doch etwas nass gewordenen Schlafsack. Auf die schwarze Innenseite gewendet geht das auch recht schnell.
Der nächste Abschnitt zieht sich, denn der Weg verläuft zunehmend parallel zur stark befahrenen A82. Dafür machen die ersten Meter auf der Devil’s Staircase dann wieder richtig Spaß.
Schon nach knapp 100 hm finde ich dann einen tollen, halbwegs trockenen, Schlafplatz (siehe Titelbild) kurz bevor wieder starker Regen einsetzt. Der ist zwar noch in Hörnähe zur Straße, aber die Bäche machen das leicht wett. In der Nacht sind dann eh Ohrstöpsel gefragt.
Devil’s Staircase – Kinlochleven – Tigh na-sleubhaich
Der weitere Aufstieg über die Devil’s Staircase war am Ende gar nicht so steil und anstrengend wie gedacht. Im Vergleich zu Hüttentouren in den Ostalpen ist der Aufstieg tatsächlich eher moderat.
Kurz vor der Passhöhe am Stob Mhic Mhartuinn sehe ich noch ein einzelnes Zelt in den Highlands – und einen jungen Rehbock. Erst ein gutes Stück nach dem Pass, am nächsten verzeichneten Zeltplatz auf OSM-Karten, treffe ich dann mit einem jungen Paar beim Aufbruch auf die nächsten Wanderer.
Wir begegnen uns heute noch ein paar Mal, ansonsten ist diese Etappe heute aber erstaunlich ruhig. Der Schlafplatz zwischen den klassischen Etappenzielen mit Infrastruktur scheint sich auszuzahlen.
Kurz vor und nach Kinlochleven häufen sich dann die Hinweisschilder. Zum einen wird hier vor der „Lyme Disease“ (Borelliose) gewarnt, zum anderen werden wir an nahezu jeder geeigneten Stelle zum Zelten an „Leave no trace“ erinnert. – Für mich ein klares Zeichen, dass wir hier an der erträglichen Grenze des Jedermannsrechts angekommen sind.
- Borreliose-Warnschild am WHW
- eines von vielen „Leave no trace“ – Schildern bei Kinlochleven
Derweil bleibt das Wetter weiter wechselhaft und regnerisch. Am Nachmittag soll es dann auch noch so richtig stark regnen. So viel vorweg: Tut es dann auch.
Davor mache ich aber noch ein lange Pause in Kinlochleven. Noch während ich meine Riegel esse sehe ich wie sich der Himmel immer mehr zuzieht. Ich starte dennoch, vielleicht schaffe ich ja zumindest noch den nächsten und letzten größeren Aufstieg.
Der Plan geht auf und ich komme bis zum frühen Nachmittag noch ein gutes Stück voran, bevor es dann wie erwartet so richtig das Schütten beginnt.
Bis dahin erreiche ich aber noch die Anhöhe zwischen Beinn na Caillich (762 m) und Stob Bàn (999 m) kurz vor den Ruinen Tigh na-sleubhaich und baue, bei einer für langen Zeit letzten Regenpause, das Zelt auf.
Tigh na-sleubhaich – Fort William
Die Nacht war, wie erwartet, von starkem Regen und einigen starken Windböen geprägt. Ausgeruht bin ich nach der langen Zeit aber natürlich trotzdem, also geht es dann doch einfach auch bei Regen los.
Bei Dauerregen blitzt immerhin ab und zu kurz ein Sonnenstrahl in der Ferne durch. Von außen Tropfnass darf ich in den nächsten Stunden tolle Szenerien erleben.
Auf dem Bild könnt ihr das stehende Wasser auf dem Weg erahnen, nach einigen Tagen stapfen wir da aber natürlich einfach durch. Noch einmal also von oben bis unten komplett durchnässt – und dennoch Spaß dabei und immer wieder tolle Eindrücke von den Highlands…
Nach 2h lichtet es sich ein wenig und die Highlands zeigen noch einmal tolle Lichtstimmungen.
Fast sieht es schon so aus, als wäre es schon vorbei, da geht es noch einmal langgezogen um den Sgor Chalum (556 m) herum leicht bergauf und öffnet mehr und mehr den Blick auf den noch wolkenverhangen Ben Nevis.
Ich gönne mir dann noch einen Abstecher zur „Ruine“ Dan Deardail (+1,5 km + 80 hm) mit freiem Ausblick auf den Ben Nevis. Von der ehemaligen Festung sind heute aber nur noch die Außenumrisse in den Hügeln zu erahnen. Oder waren die Trittsteine auf den letzten Metern tatsächlich schon so alt?
Die letzten Kilometer des West Highland Way sind dann ehrlicherweise ein eher langweiliges Gehatsche auf einem breiten Flurweg. 3 km vor Fort William kann man den neuen Hochweg (also weiter auf dem Flurweg) oder den Abzweig zum alten Ende des WHW nehmen. Der ist dann aber auch nur noch kurz ganz schön, verläuft dann aber größtenteils auf einem asphaltierten Gehweg der Straße entlang.
- Das ursprüngliche Ende des West Highland Way
- Das aktuelle Ende des West Highland Way
Während das alte Ende des WHW am Ortseingang lag, führt einen die heutige Streckenführung einmal durch die Einkaufsstraße und endet just an deren Ende mit einem unspektakulären eingewachsenem Schild.
Rückreise
Nach einer Nacht im Hotel mit dem Frühzug ohne Umsteigen nach Glasgow (Queen Street) – ein wahrer Wanderer-Zug. Die Gepäckfächer sind voll von Trekkingrucksäcken und Wanderschuhen.
Im Zug dann am Fensterplatz auch noch eine UK-Steckdose. Praktisch, um mit dem passenden leichten Adapter ohne Stromsorge während der Fahrt die Notizen für diesen Artikel zu schreiben.
- Glasgow Airport Express – Linie 500
- A320 von Lufthansa am Flughafen Glasgow
In Glasgow ist dann noch ein wenig Zeit sich ein wenig umzusehen bevor es mit dem Flugzeug zurück nach München geht.
Fazit – Highlands und Lowlights…
Der West Highland Way ist ein toller Wanderweg um in Schottland einzutauchen. Er ist aber kein einsamer Wildnis-Trek…
Gut zu wissen: Das Buch „Not the West Highland Way“ beschreibt eine Route, die bei weit weniger Trubel mit etwas mehr Zeit noch viel mehr Highland-Erlebnisse bereithält!
Was man zum WHW wissen sollte:
- Rund 50.000 Wanderer pro Jahr… – auch in der Nebensaison ist hier einiges los!
- Viele Strecken führen über Flur- und Schotterwege mit Steinen in allen möglichen Größen.
- Über einige Abschnitte verläuft der Weg in Hörweite parallel zu Straße und Bahnlinie.
Was man dafür auf dem West Highland Way bekommt:
- Loch Lomond und die beeindruckende Landschaft der westlichen schottischen Highlands.
- Viele nette Begegnungen mit anderen Wanderern.
- Eine sehr gut ausgebaute Wander-Infrastruktur.
- Und natürlich: schottisches Wetter – von allem etwas, das meine ich wirklich positiv!





































