West Highland Way – 7 Tage durch die Highlands

Ein gelbes Trekkingzelt auf einer grünen Wiese vor der Kulisse des Berges Buachaille Etive Mòr in den schottischen Highlands am West Highland Way.

Du willst den West Highland Way wandern? Hier findest du meine Erfahrungen, eigene Bilder und praktische Tipps zu Etappen, Route, Zelten und Transfer.

Überblick & Tourbeschreibung

Der West Highland Way ist einer der bekanntesten Wanderwege Europas. Landschaftlich verspricht er viel: Die Highlands, Glencoe und Rannoch Moor sind großartig. Gleichzeitig ist die Route die ganze Saison über viel begangen.

So wild, wie die Landschaft auf den ersten Blick wirkt, ist der WHW am Ende allerdings gar nicht. Ein großer Teil der Route folgt alten, breiten Militärstraßen aus dem 18. Jahrhundert. Und auch sonst ist nicht jeder Kilometer spektakulär: Forstwege, Matsch, Regen und nasse Füße gehören genauso dazu wie volle Etappen und die unvermeidlichen Wandergruppen.

Trotzdem hat der WHW was – nicht weil er wild und unberührt ist, sondern weil die Landschaft in Kombination mit dem unberechenbaren Wetter immer wieder alles andere vergessen lässt. Und gleichzeitig ist die Versorgung einfach gut: Trinkwasser, Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten sind entlang der Strecke in aller Regel problemlos zu finden.

GPS-Track und Karte

Karte und GPS-Track des West-Highland-Way (WHW)

Karte und GPS-Track West-Highland-Way (WHW)

Papierkarten

  • Ordnance Survey, OS Landranger Nr. 64, 56, 57, 40, 41, 1:50.000
  • Cicerone, West Highland Way Map Booklet auf OS-Basis (61g), 1:25.000
  • Harveymaps, West Higland Way (35g), 1:40.000

Digitale Karten

Einen Vergleich der verschiedenen Karten findest du hier: OSM-Wanderkarten: 11 Karten und Overlays im Vergleich

Die offiziellen topografischen Karten von Ordnance Survey für Schottland sind natürlich noch detaillierter, benötigen wir aber für diese Tour nicht unbedingt.

Tipp: In den OSM-Karten sind sogar gut geeignete Wildcamping – Zeltplätze verzeichnet. Das entspricht nicht ganz den OSM-Definitionen, ist für uns aber natürlich schon praktisch.

Toursteckbrief & Eckdaten

Strecke 154 km
Höhenmeter ca. 3.155 hm Aufstieg, ca. 3.227 hm Abstieg
Schwierigkeit mittel
Etappen 6-8 d
Start Milngavie
Ende Fort William
Anreise
  • per Flugzeug nach Glasgow (Direktverbindungen z.B. FRA oder MUC – GLA)
  • per Zug mit ScotRailoder Bus von Glasgow nach Milngavie
Rückreise
Brennstoffbezug
  • zahlreiche Outdoor-Läden in Nähe der Bahnhöfe Central und Qeen Street in Glasgow
  • am Startpunkt in Milngavie und Drymen in verschiedenen Läden wie z.B. Spar oder Creature Comforts
  • mit ein wenig Risiko an den Trailboxen (Honesty Boxes) entlang des Weges (z.B. bei Turnip the Beet (12 km), Gartness (14 km) und an Campingplätzen, z.B. Drymen Camping (19 km))
Markierung durchgehend mit Wegweisern und Markierungen des West Highland Way ausgeschildert
Wegbeschaffenheit überwiegend gut begehbare Wege und Tracks, teils alte Militärstraßen; zwischen Rowardennan und Inverarnan stellenweise unwegsam und anspruchsvoll
Beste Jahreszeit Mai-September; ganzjährig begehbar
Übernachten Hotels, B&Bs, Hostels und Campingplätze entlang der Strecke; Wildcampen ist grundsätzlich möglich, außer an Loch Lomond zwischen Conic Hill und Ptarmigan Lodge vom 1. März bis 30. September
Trinkwasser zahlreiche öffentliche Trinkwasser-Zapfstellen; Wasser aus Bächen müsste vor dem Trinken unbedingt inkl. Virenfilter aufbereitet werden; am Loch Lomond wird ausdrücklich vor dem Filtern des Wassers gewarnt (Bewirtschaftung und Tourismus)
lokale Infos auf  West Highland Way

Gut zu wissen: Leider hat sich die Borreliose inzwischen auch bis nach Schottland ausgebreitet. Unter der englischen Bezeichnung „Lyme disease“ finden sich immer wieder die üblichen Hinweise zum Eigenschutz.

Etappen des West Highland Way

Etappen West Highland Way in 7 Tagen
Etappe Route Schwierigkeit Aufstieg Abstieg Strecke Dauer
1 Milngavie – Drymen einfach 242 hm 233 hm 19 km 5:23 h
2 Drymen – Rowardennan mittel 604 hm 641 hm 24 km 7:39 h
3 Rowardennan – Inverarnan schwer 457 hm 463 hm 22 km 6:43 h
4 Inverarnan – Tyndrum mittel 546 hm 348 hm 19 km 6:00 h
5 Tyndrum – Kingshouse schwer 649 hm 610 hm 30,5 km 9:19 h
6 Kingshouse – Kinlochleven mittel 379 hm 614 hm 14,5 km 4:52 h
7 Kinlochleven – Fort William schwer 606 hm 623 hm 25 km 7:53 h

Wie man ein wenig abkürzen und dennoch die Highlights mitnehmen kann:

  • Die erste Etappe von Milngavie nach Drymen (~ 19 km) verläuft in Kulturlandschaft und kann direkt bei der Anreise ausgelassen werden.
  • Der Abschnitt entlang des Loch Lomond ist anstrengend und lang – ich fand ihn toll, andere kürzen mit dem Schiff ab (aber Achtung: viele Verbindungen nach Norden werden nur Samstags angeboten!)
  • Im Mittelteil von Tyndrum bis Bridge of Orchy (~ 11 km) verläuft der Weg teils sehr nah an Straße und Bahnstrecke entlang. Hier kann man mit dem Bus (alle 1-2 h) abkürzen. Wer es noch eiliger hat könnte den Bus auch schon von Inverarnan über Tyndrum bis Bridge of Orchy nehmen (~ 33 km).

Ich selbst bin direkt in Drymen gestartet und habe den Abschnitt von Crianlarich bis Bridge of Orchy mit dem Bus überbrückt –  Mein Zeitfenster war knapp und die Tage mit gutem Wetter bin ich lieber in den Highlands als parallel zur Straße gewandert.

Zelten am WHW

Auf dem größten Teil der Route gilt das Jedermannsrecht. Vom 1. März bis 30. September gibt es aber am Loch Lomond Schutzzonen in denen das Zelten nicht, bzw. nur mit vorheriger Buchung für vereinzelte Plätze, erlaubt ist.

Hier findet ihr eine Karte und weitere Hinweise: Camping Management Byelaws

Darüber hinaus gibt es buchbare Zeltplätze an Farmen und Hostels ab ca. 15 £ / Nacht.

Gut zu wissen: B&Bs sind auch in der Nebensaison teuer und spontan nicht verfügbar. Campingplätze konnte ich dagegen auch kurzfristig buchen.

Trinkwasser und Versorgung

Entlang des West Highland Way gibt es zahlreiche öffentliche Trinkwasserspender, die auf OSM‑Karten leicht zu finden sind. Auf das Filtern von Bachwasser sollte man verzichten, da es durch Landwirtschaft und die vielen Wanderer verunreinigt ist.

Auch die Lebensmittelversorgung ist unterwegs problemlos: Supermärkte in den größeren Orten, kleine Shops an Campingplätzen und die typischen Honesty‑Boxen bieten alles Nötige. In vielen Shops gibt es sogar Trekkingnahrung.

Trinkwasserstellen am WHW
  • Milngavie – Trinkwasserspender am offiziellen Startpunkt (Douglas Street)
  • Drymen – im Dorfzentrum neben der Bushaltestelle
  • Balmaha – an der Straße zum Fähranleger
  • Rowardennan – neben dem Hotel
  • Beinglas – am Zeltplatz
  • Crianlarich – an der Bahnhofs-Unterführung
  • Tyndrum – am Supermarkt
  • Bridge of Orchy – am Hotel
  • Inveroran – am Hotel
  • Kingshouse – an den öffentlichen Toiletten
  • Kinlochleven – in der Parkanlage im Ortskern

Einkaufsmöglichkeiten am WHW
  • Milngavie – diverse Läden am Startpunkt (z.B. Spar, Creature Comforts)
  • Drymen – Spar Supermarkt (Gaskartuschen, Lebensmittel)
  • Glasgow – Outdoor-Läden nahe Central Station & Queen Street Station
  • Tyndrum – Supermarkt (Lebensmittel, Trekkingnahrung)
  • Campingplätze – kleine Shops mit Grundversorgung (z.B. Beinglas Farm Campsite)
  • Honesty Boxes – Snacks & Getränke entlang der Route (z.B. Turnip the Beet, Gartness)

 

Insgesamt kann man sich auf dem West Highland Way also einiges an Gewicht für die Verpflegung auf der Trekking-Packliste sparen!

Tourbericht und Erfahrungen

Schon lange geplant ergibt sich im Herbst die Gelegenheit für eine einwöchige Tour auf dem West Highland Way (WHW).

Ganz so einfach war es mit dem WHW und mir dabei ja bisher nicht: Zweimal hatte ich bereits Flüge gebucht, zweimal haben sich die Reisepläne kurzfristig in Luft aufgelöst – mal wegen Corona, mal wegen Flugverschiebungen durch die Lufthansa…

Anreise und Transfer

Beim dritten Versuch klappt es tatsächlich mit dem Flug.

Eine orange-schwarze Flughafen-Anzeigetafel der Lufthansa zeigt den Flug LH 2602 nach Glasgow mit der Uhrzeit 14:35 Uhr und der Nachricht Ihr Flug ist einsteigebereit.

Das Abenteuer beginnt: Boarding für den Flug nach Glasgow

Zeit und Tageslicht vor Ort sind kostbar, deshalb geht es nach der Landung um 16:00 Uhr Ortszeit in Glasgow direkt vom Flughafen mit einem Uber (nur ca. 20 £ Mehrpreis für 3-4 h mehr bzw. überhaupt noch Wanderzeit am ersten Tag) nach Drymen.

Im dortigen Spar gibt es tatsächlich Gaskartuschen, leider aber nur die Großen mit 220g Gas. Eine wirkliche Wahl habe ich also nicht.

Drymen – Conic Hill

Bevor ich in Drymen aufbreche, fülle ich am ersten der vielen öffentlichen Wasserspender entlang des WHW meine Vorräte auf. Von hier geht es nach Osten aus dem Ort, und schon nach wenigen Minuten stoße ich auf den West Highland Way. Schnell wird klar: Auch Ende September ist noch viel Betrieb – die ersten Zelte stehen direkt am Wegrand.

 

Das Wetter zeigt sich typisch schottisch: Wechsel zwischen kräftigen Regenschauern und Sonnenschein, für die Nacht sind starker Wind und anhaltender Regen angekündigt. Der Weg verläuft zunächst über breite Flurwege, früher wohl alte Militärstraßen. In fast jeder kleinen Nische steht ein Zelt; vielen Wanderern ist ein windgeschützter Platz wichtiger als eine schöne Umgebung.

Ich selbst mache mir mit dem Big Sky Chinook weniger Sorgen und erreiche nach etwa drei Stunden kurz vor Sonnenuntergang ein Weidegatter mit einer freien Fläche und weitem Blick in die Landschaft. Die Schafe sind auf der oberen Weide, und so finde ich einen schönen Platz mit Aussicht auf Conic Hill und Loch Lomond.

Conic Hill – Rowardennan – Ptarmigan Lodge

Nach einer herrlichen ersten Nacht auf dem WHW mit allerlei Wind(böen) und prasselndem Regen begrüßt mich die noch kalte Morgensonne.

Ein gelbes Kuppelzelt steht neben einem kahlen Baum auf einer herbstlichen Wiese am Conic Hill in Schottland, im Hintergrund ist ein Teil von Loch Lomond zu sehen.

tolle Aussicht: Zelten am Conic Hill mit Blick auf Loch Lomond

Nach einem kurzen Frühstück dann ein herrlicher Aufstieg bei klarer Luft und weiter starkem Wind auf den Conic Hill. Was für ein Einstieg in den Tag.

Holzpflock mit Wegmarkierung des West Highland Way, im Hintergund der Berg Conic Hill bei wechselhaftem Himmel

Wegmarkierung des West Highland Way

Ab dem Gipfelabzweig kommen uns dann die Tageswanderer von Balmaha entgegen. Mit Bus, per Schiff und individuell angereist steigen sie vom Nationalparkzentrum auch schon früh morgens auf den Gipfel.

Blick von den Berghängen des Conic Hill auf den blauen Loch Lomond mit seinen bewaldeten Inseln unter einer dramatischen Wolkendecke im warmen Abendlicht.

Ausblick am Conic Hill über den glitzernden Loch Lomond.

Für mich geht es dagegen auf dem breit ausgebautem Weg nach Balmaha zum Loch Lomond hinunter. Immer mit dabei: eine tolle Aussicht auf Loch Lomond und dessen Inseln.

Ein steiniges Seeufer mit einem kleinen Baum im seichten Wasser, im Hintergrund blickt man über die Wellen des Loch Lomond auf das breite Bergmassiv des Ben Lomond unter blauem Himmel.

Blick über das stürmische Wasser des Loch Lomond zum mächtigen Ben Lomond.

Im weiteren Verlauf geht es nun immer nah am Ufer des Loch Lomond entlang. Dabei sammeln sich durch die „Restricted Camping Zone“ alle Wildcamper am Ende des Tages kurz nach der Ptarmigan Lodge für eine Übernachtung am Wegrand. Da wird es sogar beim Wildzelten mal etwas enger…

Ptarmigan Lodge – Inverarnan

Man weiß es ja schon vorher, aber diese unscheinbare Etappe entlang des Loch Lomonds hat es tatsächlich in sich. Immer wieder geht es auf schmalen wurzeldurchzogenen Pfaden oder über Blockwerk und Fels hoch und runter – immer wieder im Blick: Loch Lomond.

Auf halbem Weg dann die Option auf einen Ausstieg aus dieser Etappe – Die Pendelverbindung per Schiff ans andere Ufer des Loch Lomond. Einige bisherige Mitwanderer nutzen die Gelegenheit und setzen zur anderen Seeseite über.

Zwei weiße Ausflugsschiffe mit der Aufschrift Cruise Loch Lomond fahren bei dichtem Nebel über das spiegelglatte Wasser von Loch Lomond.

Personenboote von Cruise Loch Lomond bei Rowardennan

Nach dem letzten felsigem Abschnitt lädt eine Bucht dann zu einer Pause auf dieser anstrengenden Etappe des WHW mit malerischem Blick auf Loch Lomond mit der Insel Eilean a‘ Bhùtha ein.

Ein spiegelglatter, schottischer See im dichten Nebel, links ragt ein bewaldeter Berghang ins Wasser und rechts spiegelt sich eine kleine, grüne Insel im See.

Mystische Stimmung: Tief hängende Wolken und absolute Stille über dem Loch Lomond

Weiter geht es dann nochmal mit einigem Auf- und Ab auf teils matschigen Wegen am Bootsanleger Ardleish Pier vorbei zum Zeltplatz Beinglas.

Ein matschiger, brauner Wanderpfad schlängelt sich durch eine hügelige Graslandschaft mit Büschen, im Hintergrund steht eine weiße Hausruine an einem spiegelglatten See unter tiefen Nebelwolken.

Ruinen an matschigem Weg nahe der Doune Byre Bothy

Unterm Strich ist diese Etappe tatsächlich sehr anstrengend. Nicht ohne Grund stehen am Ende der Etappe auf meiner Outdoor-Uhr mit Abstand die meisten Aktivkalorien auf dem West Highland Way bei dieser Etappe.

Am Abend sammeln sich dann alle Wanderer am Zeltplatz Beinglas. Ein großes Hallo über Stunden hinweg bis auch die letzten angekommen sind. Viele sind sich ja schon auf den ersten Etappen begegnet und durch die Restricted Zone am Loch Lomond finden fast alle nach den ersten Etappen hier zusammen.

Inverarnan – Crianlarich – Bridge of Orchy – Inveroran

Schon früh macht sich die große Aufbruchstimmung am Zeltplatz Beinglas breit. Weit mehr als 30 Zelte standen über Nacht hier, dazu noch die zahlreichen „Leicht-Wanderer“ mit Gepäcktransport in den „Camping Huts“ und „Chalet Rooms“.

Trotz der nahen Straße weiß die Landschaft zu überzeugen – die zahlreichen kreuzenden Bäche und der Fluss Falloch mit seinen Wasserfällen und Stromschnellen übertönen den nahen Verkehr über weite Strecken.

Ein wilder, schäumender Fluss bahnt sich seinen Weg über dunkle Felsen inmitten eines dichten, grünen Waldes unter wolkenverhangenem Himmel in den schottischen Highlands.

Wildes Wasser im Glen Falloch: ständiger Begleiter auf der Etappe

Das Wetter meint es heute aber nicht gut mit uns. Nach einem guten Start beginnt es schon bald einfach nur aus allem was geht zu schütten.

Landschaftsausblick am West Highland Way vor der Abzweigung nach Crianlarich mit einer alten moosbedeckten Trockensteinmauer im Vordergrund, weiten grünen Tälern, Nadelwäldern und wolkenverhangenen Bergen im Hintergrund unter bedecktem Himmel.

Highlands zwischen Inverarnan und Crianlarich

Ein Blick auf den Wetterbericht macht dann die Entscheidung leicht: Bevor ich die nächsten 1-2 Tage bei Dauerregen parallel zur Straße verbringe kürze ich lieber mit dem Bus von Crianlarich über Tyndrum nach Bridge of Orchy ab. 4 Pfund kostet die Strecke im Bus, online gebucht wären es sogar nur 2 Pfund gewesen.

Eine alte Bogenbrücke aus dunklem Stein führt über einen schäumenden Fluss in den schottischen Highlands, im Hintergrund steht das weiße Bridge of Orchy Hotel unter wolkenverhangenem Himmel.

geschichtsträchtiger Zwischenstopp: Die alte Militärbrücke aus dem 18. Jahrhundert in Bridge of Orchy

Bei strömendem Regen steige ich dann von Bridge of Orchy auf den Mam Carraigh (320 m) und finde am Abstieg einen Schlafplatz kurz vor Inveroran mit toller Aussicht auf Loch Tulla und die Highlands.

Eine einzelne, grüne Eberesche steht auf einer herbstlich orange-braunen Hügelkuppe neben einem steinigen Wanderweg. Im Hintergrund erstreckt sich eine weite Ebene mit einem großen, verzweigten See, dichten Kiefernwäldern und wolkenverhangenen Bergen unter einem trüben, weißen Himmel.

Blick vom Mam Carraigh hinab auf Loch Tulla und Inveroran

Bis zu 1.000 m hoch sind die umliegenden Berge der westlichen Highlands – auch wenn ich sie im Nebel manchmal nur erahnen kann.

Inveroran – Kingshouse – Devil’s Staircase

Der aussichtsreiche Zeltplatz hat sich dieses Mal nur teilweise gelohnt – auf der einen Seite klart es morgens tatsächlich ein wenig auf, auf der anderen Seite stand die Feuchtigkeit im Boden so stark, dass sich letztlich nach vielen Jahren doch einiges Wasser durch den offensichtlich undicht gewordenen Zeltboden gedrückt hat. Da steht nach der Tour ganz offensichtlich eine Reparatur oder ein Austausch an.

Ein breiter, blau schimmernder Fluss fließt am frühen Morgen durch eine schottische Moorlandschaft, rechts gesäumt von hohen Nadelbäumen, mit Bergen im weichen Morgenlicht im Hintergrund.

Morgenstimmung am Fluss Abhainn Shira

Ich genieße dennoch die Stimmung und breche früh auf. In Inveroran könnte ich noch die Wasservorräte auffüllen, sogar der kleine Shop hat schon geöffnet. Ich bin aber noch gut versorgt und gehe direkt weiter. Nach wenigen hundert Metern gehe ich dann an schönen Wiesen an einer Flussschleife mit ein paar Zelten vorbei, hier sieht es nach zaghaftem Aufwachen aus.

Ein schmaler, steiniger Wanderweg führt im warmen, tiefstehenden Morgenlicht vorbei an einer dichten Nadelwaldgrenze zur Linken und einer offenen Wiesenlandschaft mit vereinzelten Laubbäumen zur Rechten, überspannt von einem blauen Himmel mit dramatischen Wolkenformationen.

Frühmorgens auf Caulfeild’s Military Road Richtung Kingshouse

Danach wird das Wetter immer besser, sogar die Sonne lässt sich nach Tagen wieder einmal blicken. Immer wieder geht es an (oft eingezäunten) Wäldern auf breiten Wegen, teils uralt gepflastert, entlang. Dabei öffnet sich der Blick dann auch immer mehr auf die richtigen Highlands. Man weiß eigentlich gar nicht mehr, wo man als nächstes hinsehen sollte.

Ein schottriger Wanderweg schlängelt sich durch eine weite, hügelige Graslandschaft hin zu zwei mächtigen, kahlen Berggipfeln im Hintergrund, deren Hänge von einem Wechselspiel aus intensivem Sonnenlicht und tiefen Wolkenschatten geprägt sind.

Bergpanorama des Black Mount Massivs

Auf Höhe der ehemaligen Ba Cottage und den umliegenden Ruinen bietet sich bei herrlichem Rundumblick eine kleine Pause an bevor es über einen sanften Anstieg Richtung Kingshouse geht.

Zwei Wanderer mit großen Rucksäcken folgen einem schmalen, steinigen Pfad, der sich durch die hügelige, herbstlich braune Gras- und Heidekarglandschaft zieht, während die Wolken am Himmel ein kontrastreiches Muster aus Licht und Schatten auf die Hügel werfen.

Rannoch Moor an der Old Military Road

Dort angekommen ist es dann endgültig Zeit für eine längere Mittagspause – mit allem sanitärem Komfort den man sich nur so wünschen kann. Ich nutze dabei noch die Sonne und trockne meinen doch etwas nass gewordenen Schlafsack. Auf die schwarze Innenseite gewendet geht das auch recht schnell.

Ein heller, schottriger Wanderweg führt durch eine weite, grüne Hochebene, parallel zu einer asphaltierten Straße mit vereinzelten Autos. Links ragt ein markanter, steiler Berggipfel auf, während im Hintergrund ein weites Tal unter blauem Himmel mit weißen Quellwolken liegt.

Buachaille Etive Mòr Massiv am Eingang zu Glen Coe

Der nächste Abschnitt zieht sich, denn der Weg verläuft zunehmend parallel zur stark befahrenen A82. Dafür machen die ersten Meter auf der Devil’s Staircase dann wieder richtig Spaß.

 

Im Vordergrund führt ein schmaler Pfad zu einer kleinen Holzbrücke über einen Bach in einer hügeligen Heide- und Moorlandschaft. Dahinter ragt die gewaltige, steile Felswand eines Berges auf, an dessen Fuß ein einzelnes, kleines weißes Haus inmitten grüner Wiesen steht, während Wolkenschatten über die Hänge ziehen.

Buachaille Etive Mòr und Lagangarbh Hut

Schon nach knapp 100 hm finde ich dann einen tollen, halbwegs trockenen, Schlafplatz (siehe Titelbild) kurz bevor wieder starker Regen einsetzt. Der ist zwar noch in Hörnähe zur Straße, aber die Bäche machen das leicht wett. In der Nacht sind dann eh Ohrstöpsel gefragt.

Devil’s Staircase – Kinlochleven – Tigh na-sleubhaich

Der weitere Aufstieg über die Devil’s Staircase war am Ende gar nicht so steil und anstrengend wie gedacht. Im Vergleich zu Hüttentouren in den Ostalpen ist der Aufstieg tatsächlich eher moderat.

Kurz vor der Passhöhe am Stob Mhic Mhartuinn sehe ich noch ein einzelnes Zelt in den Highlands – und einen jungen Rehbock. Erst ein gutes Stück nach dem Pass, am nächsten verzeichneten Zeltplatz auf OSM-Karten, treffe ich dann mit einem jungen Paar beim Aufbruch auf die nächsten Wanderer.

Ein schmaler, steiniger Wanderweg führt flach an einem steilen, grasbewachsenen Hang entlang nach rechts hinten. Links im Vordergrund liegt ein großer, grauer Steinbrocken auf der Wiese, während im Hintergrund eine weite Hochebene und spitze, wolkenverhangene Berggipfel unter einem grauen Himmel aufragen.

Ausblick auf die Mamores-Kette auf dem Weg nach Kinlochleven

Wir begegnen uns heute noch ein paar Mal, ansonsten ist diese Etappe heute aber erstaunlich ruhig. Der Schlafplatz zwischen den klassischen Etappenzielen mit Infrastruktur scheint sich auszuzahlen.

Kurz vor und nach Kinlochleven häufen sich dann die Hinweisschilder. Zum einen wird hier vor der „Lyme Disease“ (Borelliose) gewarnt, zum anderen werden wir an nahezu jeder geeigneten Stelle zum Zelten an „Leave no trace“ erinnert. – Für mich ein klares Zeichen, dass wir hier an der erträglichen Grenze des Jedermannsrechts angekommen sind.

Derweil bleibt das Wetter weiter wechselhaft und regnerisch. Am Nachmittag soll es dann auch noch so richtig stark regnen. So viel vorweg: Tut es dann auch.

Davor mache ich aber noch ein lange Pause in Kinlochleven. Noch während ich meine Riegel esse sehe ich wie sich der Himmel immer mehr zuzieht. Ich starte dennoch, vielleicht schaffe ich ja zumindest noch den nächsten und letzten größeren Aufstieg.

Blick von einem erhöhten, grasbewachsenen Berghang über ein tiefes Tal nach Westen. Auf der rechten Seite ragt ein mächtiger, steiler Bergrücken auf. In der Ferne schimmert das Wasser des Loch Leven zwischen den umliegenden Berghängen unter einem wolkenverhangenen, grauen Himmel.

Beinn na Caillich (762 m) bei wolkenverhangenem Himmel

Der Plan geht auf und ich komme bis zum frühen Nachmittag noch ein gutes Stück voran, bevor es dann wie erwartet so richtig das Schütten beginnt.

Bis dahin erreiche ich aber noch die Anhöhe zwischen Beinn na Caillich (762 m) und Stob Bàn (999 m) kurz vor den Ruinen Tigh na-sleubhaich und baue, bei einer für langen Zeit letzten Regenpause, das Zelt auf.

Tigh na-sleubhaich – Fort William

Die Nacht war, wie erwartet, von starkem Regen und einigen starken Windböen geprägt. Ausgeruht bin ich nach der langen Zeit aber natürlich trotzdem, also geht es dann doch einfach auch bei Regen los.

Bei Dauerregen blitzt immerhin ab und zu kurz ein Sonnenstrahl in der Ferne durch. Von außen Tropfnass darf ich in den nächsten Stunden tolle Szenerien erleben.

Die steinernen Überreste des verlassenen Hauses Tigh-na-sleubhaich stehen an einer nassen Militärstraße in einem einsamen Tal der schottischen Highlands unter dunklen Regenwolken.

Die verlassene Ruine von Tigh-na-sleubhaich im Lairigmor-Tal

Auf dem Bild könnt ihr das stehende Wasser auf dem Weg erahnen, nach einigen Tagen stapfen wir da aber natürlich einfach durch. Noch einmal also von oben bis unten komplett durchnässt – und dennoch Spaß dabei und immer wieder tolle Eindrücke von den Highlands…

Ein felsiger, klarer Bergbach schlängelt sich im Vordergrund durch eine grüne, raue Graslandschaft. Im Hintergrund ragt ein steiler, herbstlich brauner Berghang empor, dessen spitzer Gipfel mystisch von tief hängenden, grauen Regenwolken eingehüllt wird.

Bergbach Allt Coire na Sleubhauch im Lairigmor-Tal

Nach 2h lichtet es sich ein wenig und die Highlands zeigen noch einmal tolle Lichtstimmungen.

Ein schmaler, steiniger Wanderweg führt im Vordergrund durch eine hügelige Heide- und Graslandschaft mit einer markanten, einsamen Kiefer am linken Wegrand. Im Hintergrund erstreckt sich ein weites Tal mit einem kleinen See auf der rechten Seite, sanft geschwungenen, grünen und herbstlich braunen Berghängen sowie einem dichten Nadelwaldstreifen unter einem wolkenverhangenen Himmel mit vereinzelten Lichtblicken.

Blick auf das Lairigmor-Tal

Fast sieht es schon so aus, als wäre es schon vorbei, da geht es noch einmal langgezogen um den Sgor Chalum (556 m) herum leicht bergauf und öffnet mehr und mehr den Blick auf den noch wolkenverhangen Ben Nevis.

ein schmaler Bergpfad durch teils bewaldete und verbuschte Highlands, im Hintergrund mehrere Bergketten

schmaler Pfad in Richtung Ben Nevis (im Hintergrund)

Ich gönne mir dann noch einen Abstecher zur „Ruine“ Dan Deardail (+1,5 km + 80 hm) mit freiem Ausblick auf den Ben Nevis. Von der ehemaligen Festung sind heute aber nur noch die Außenumrisse in den Hügeln zu erahnen. Oder waren die Trittsteine auf den letzten Metern tatsächlich schon so alt?

Blick von einem Hang auf das mächtige, grün-braune Bergmassiv des Ben Nevis in Schottland unter blauem Himmel mit weißen Wolken, im Tal liegt ein dichter Nadelwald und der Fluss Glen Nevis.

Blick auf den Ben Nevis (1.345 m) kurz vor Fort William.

Die letzten Kilometer des West Highland Way sind dann ehrlicherweise ein eher langweiliges Gehatsche auf einem breiten Flurweg. 3 km vor Fort William kann man den neuen Hochweg (also weiter auf dem Flurweg) oder den Abzweig zum alten Ende des WHW nehmen. Der ist dann aber auch nur noch kurz ganz schön, verläuft dann aber größtenteils auf einem asphaltierten Gehweg der Straße entlang.

Während das alte Ende des WHW am Ortseingang lag, führt einen die heutige Streckenführung einmal durch die Einkaufsstraße und endet just an deren Ende mit einem unspektakulären eingewachsenem Schild.

Rückreise

Nach einer Nacht im Hotel mit dem Frühzug ohne Umsteigen nach Glasgow (Queen Street) – ein wahrer Wanderer-Zug. Die Gepäckfächer sind voll von Trekkingrucksäcken und Wanderschuhen.

Ein gelb-grauer Zug im Bahnhof unter einem breiten und lichtem Glasgewölbe.

Scotrail-Zug am Bahnhof Glasgow Queen Street

Im Zug dann am Fensterplatz auch noch eine UK-Steckdose. Praktisch, um mit dem passenden leichten Adapter ohne Stromsorge während der Fahrt die Notizen für diesen Artikel zu schreiben.

In Glasgow ist dann noch ein wenig Zeit sich ein wenig umzusehen bevor es mit dem Flugzeug zurück nach München geht.

Fazit – Highlands und Lowlights…

Der West Highland Way ist ein toller Wanderweg um in Schottland einzutauchen. Er ist aber kein einsamer Wildnis-Trek…

Gut zu wissen: Das Buch „Not the West Highland Way“ beschreibt eine Route, die bei weit weniger Trubel mit etwas mehr Zeit noch viel mehr Highland-Erlebnisse bereithält!

Was man zum WHW wissen sollte:

  • Rund 50.000 Wanderer pro Jahr… – auch in der Nebensaison ist hier einiges los!
  • Viele Strecken führen über Flur- und Schotterwege mit Steinen in allen möglichen Größen.
  • Über einige Abschnitte verläuft der Weg in Hörweite parallel zu Straße und Bahnlinie.

Was man dafür auf dem West Highland Way bekommt:

  • Loch Lomond und die beeindruckende Landschaft der westlichen schottischen Highlands.
  • Viele nette Begegnungen mit anderen Wanderern.
  • Eine sehr gut ausgebaute Wander-Infrastruktur.
  • Und natürlich: schottisches Wetter – von allem etwas, das meine ich wirklich positiv!