
Der Sheep’s Head Way zählt zu den schönsten Wanderrouten Irlands. Hier findest du alles, was du für deine eigene Tour brauchst – ob mit oder ohne Zelt.
Überblick & Tourbeschreibung
Der Sheep’s Head Way ist ein rund 90 Kilometer langer Fernwanderweg auf der Sheep’s Head-Halbinsel im Südwesten Irlands (County Cork). Er beginnt und endet in Bantry und führt über Küstenpfade, Moor- und Hügellandschaften bis zum äußersten westlichen Punkt der Landzunge. Unterwegs wechseln sich weite Ausblicke auf den Atlantik, Bantry Bay und Dunmanus Bay mit Passagen durch kleine Ortschaften ab. Der Weg ist mit gelben Markierungen ausgeschildert und in 4-5 Etappen gut wanderbar. Im Vergleich zu anderen Routen in Irland ist er eher weniger frequentiert. – Genau richtig, wenn man die Schönheit Irlands ohne den ganz großen Trubel erwandern will.
GPS-Track und Karte
Karte: © OpenStreetMap Mitwirkende
Papierkarten
- Es ist so weit – der Sheep’s Head Way ist der erste markierte Wanderweg, für den ich kein Kartenset in Papier gefunden habe. Auf manchen Seiten wird aber angekündigt, dass es wieder welche geben wird (Stand 12/25)!
OSM-Karten
Ausreichend detaillierte Karten für Wander-Apps und GPS-Geräte gibt es einige, hier die Karten die ich selbst mit Locus Maps meist nutze:
Toursteckbrief & Eckdaten
| Strecke | 86 km, mit Abstechern bis zu 120 km |
|---|---|
| Höhenmeter | 2.500 m im Auf- und Abstieg |
| Start und Ziel | Bantry |
| Anreise | Flug nach Cork oder Kerry, von hier weiter mit Bus Éireann nach Bantry |
| Rückreise |
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| Brennstoff |
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| Markierung |
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| Wegbeschaffenheit |
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| Beste Jahreszeit | Mai bis September; April und Oktober möglich, aber regnerischer |
| Übernachten |
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| Trinkwasser | Wasser in Dörfern oder Unterkünften auffüllen, alternativ selbst rechtzeitig ausreichend (!) Wasser filtern |
| Flyer | Lokale Informationen: Trail-Website |
Etappen
| Etappe | Route | Schwierigkeit | Aufstieg | Abstieg | Strecke | Dauer |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Bantry – Glanlough | einfach | 432 hm | 380 hm | 14 km | 4,75 h |
| 2 | Glanlough – Cahergal / Tooreen | einfach | 565 hm | 570 hm | 17 km | 6 h |
| 2.1 | Glanlough – Caher Mountain (338m) | mittel | ||||
| 2.2 | Caher Mountain – Kilcrohane | mittel | ||||
| 3 | Cahergal – Kilcrohane | einfach | 690 hm | 730 hm | 13 km | 9 h |
| 4 | Kilcrohane – Durrus | einfach | 380 hm | 400 hm | 18,5 km | 6 h |
| 5 | Durrus – Bantry | einfach | 660 hm | 650 hm | 21,6 km | 9 h |
Übernachten & Versorgung
Wildcampen ist leider nur mit Erlaubnis des Eigentümers erlaubt. Schließlich sind weite Teile der Landschaft bewirtschaftet (Land- und vor allem auch Viehwirtschaft bis auf die Höhenzüge) und in Privatbesitz. Zum anderen ist es auch gar nicht so leicht die Trinkwasservorräte an den spärlichen Trinkwasserquellen oberhalb von Bewirtschaftung aufzufüllen.
Wer es dennoch mit dem Zelt probieren will kann teilweise auf Campingplätze zurückgreifen, darf sich aber ansonsten auch auf etwas Geduld bei der Suche nach einem geeigneten Schlafplatz einstellen. Mal genießen Schafe einfach ihr Hausrecht, mal ist es zu sumpfig, mal ist selbst die bodennahe Vegetation zu stachelig als dass man sie seinem Zelt zumuten will. Da bleibt manchmal, wie im Bild, nur ein schöner Felsrücken zum Übernachten.
Zum Wildcampen am Sheep’s Head Way von offizieller Seite: „If you camp without permission, you are actively working against keeping the walk open.“
Wegmarkierung & Orientierung
Der Sheep’s Head Way ist sehr gut ausgeschildert: Das typische gelbe „Walking Man“-Symbol mit klaren Richtungspfeilen weist zuverlässig den Verlauf. Zusätzlich helfen orangefarbene Marker an Pfählen und Steinen bei der Orientierung.
- Typische Wegmarkierung am Sheep’s-Head-Way
- Sheep’s Head Way Waymark
Teilweise gibt es sogar spezielle Wegmarkierungen mit zwei Schafen. Zusätzlich sind auch Varianten und Rundschleifen (Loops) eindeutig markiert, sodass man sich jederzeit gut zurechtfindet.
Persönliche Erfahrungen & Tipps
Nach mehreren Wochen Wandern und Roadtrip in Irland sollte mit dem Sheep’s Head Way meine vermutlich letzte Trekkingtour in Irland des Jahres anstehen. Ich komme von Norden, übernachte in Ballylickey (Eagle Point Camping) und stelle mein Auto schließlich in der Nähe der St. Finbarr’s Catholic Church in Bantry auf einem kleinen Parkplatz ab. Bis zum nächsten Wochenende (und damit bis zur nächsten Messe) sollte ich die Tour leicht bewältigt haben.
Von Bantry über Glanlough zum Gouladane
Durch Bantry geht es zunächst ein Stück auf Straßen entlang. Schon bald wechselt der Weg auf einen asphaltierten Feldweg, bevor er schließlich in einen schmalen Bergpfad übergeht, der direkt über den Kamm führt. Die Aussicht ist großartig – und ab hier begleiten mich auch die ersten Schafe.
Den Abschnitt über den Höhenzug genieße ich sehr: weite Blicke aufs Meer, hinüber zur nächsten Halbinsel, dazu der stetige Wind vom Atlantik.
Nach diesem schönen Auftakt führt der Weg wieder ein gutes Stück Richtung Glanlough hinab. Bei der Goats Path Farm gäbe es Hütten und Zeltmöglichkeiten, allerdings nicht viele – und ohne Reservierung wäre ohnehin nichts frei gewesen. Kein Problem, der Tag ist noch jung, also steige ich direkt wieder auf.
Beim erneuten Anstieg treffe ich einen der Landbesitzer und frage nach einer Erlaubnis zum Zelten. „Kein Problem“, sagt er, solange ich bewirtschaftete Flächen und vor allem die Schafweiden meide. Also suche ich mir in der Nähe des Gouladane (303 m) einen Schlafplatz und werde schließlich kurz vor einem kräftigen Regenguss auf einem Felsrücken fündig.
Mein Trinkwasser für den Abend und den nächsten Vormittag filtere ich gerade noch rechtzeitig aus einem klaren Regenwasserbecken im Fels.
Vom Gouladane nach Tooreen
Nach einer herrlich windigen Nacht und einem kurzen Frühstück steht gleich zu Beginn eine Entscheidung an: dem Hauptweg folgen und absteigen oder weiter über den Seefin (345 m) dem Höhenzug entlang. Landschaftlich wäre der Höhenweg sicher die schönere, aber auch anspruchsvollere Variante – für mich entscheidet heute vor allem die Wasserversorgung.
Da meine Vorräte zur Neige gehen, wähle ich am Abzweig den Abstieg. Der Boden ist noch immer nass, und so rutsche ich tatsächlich aus und lande in einem Dornenbusch. Ein paar Stacheln in der rechten Hand begleiten mich weiter – später darf die dann der Hausarzt entfernen. Zum Glück mein erster Sturz in all den Jahren.
Kurz darauf kann ich an einem Bach endlich Wasser nachfüllen. Von der Landstraße L4703 geht es zunächst vom tiefsten Punkt aus auf einer langgezogenen, von Radfahrern gut frequentierten Straße wieder bergauf. Auf etwa 200 m Höhe biegt der Weg dann auf einen Feldweg ab und führt schließlich über einfache, teils überwucherte Pfade weiter. Immer wieder komme ich dabei an malerischen alten Ruinen vorbei, und der Weg verläuft zunehmend nahe an den Klippen. Ab und zu weisen Warnschilder auf Absturzgefahr hin, hier gibt es dann aber auch Halteseile – selbst bei einsetzendem Nieselregen bleibt es ein großartiger Wandertag.
Am Ende der Halbinsel Sheep’s Head wartet als Highlight der weiße Leuchtturm. Das Wetter wird inzwischen aber noch unbeständiger, also gehe ich zügig weiter. Am Touristenparkplatz in Tooreen fülle ich im Sanitärhäuschen meine Wasservorräte auf. Nicht weit davon entfernt finde ich schließlich einen guten Platz für die Nacht.
Von Tooreen nach Kilcrohane
Auch am dritten Tag zeigt sich das irische Wetter weiterhin von seiner regnerischsten Seite und will sich einfach nicht aufklaren. So geht es mit mal mehr, mal weniger Aussicht über den Ballyroon Mountain (239 m) hinunter Richtung Küste. Selbst im Regen machen die saftige Landschaft und die raue Küstenlinie eine gute Figur.
Rückreise ab Kilcrohane über Durrus nach Bantry
Von Kilcrohane würde der Weg eigentlich wieder hinauf zum Kamm des ersten Tages führen. Bis auf ein paar hundert Meter wäre das fast identisch mit dem Hinweg der Roundtour – die Aussicht kenne ich inzwischen gut, und die Wettervorhersage kündigt für die nächsten Tage ohnehin nichts als Regen an. Auch die folgende Etappe, die laut Karte viel Straße und Waldpassagen bietet, wirkt im Dauerregen nicht besonders verlockend.
Ein Bericht im ODS-Forum bestärkt mich schließlich darin, die kommenden Tage lieber etwas genussvoller zu verbringen, den Roadtrip fortzusetzen und bei besserem Wetter an anderer Stelle weiterzuwandern. Auch das gehört zu Irland: Trotz der wilden Landschaften ist man selten wirklich weit weg von Zivilisation und Alternativen.
Also nehme ich nach kurzer Wartezeit den nächsten Bus nach Bantry (viermal täglich, 4 €, ca. 40 Minuten Fahrzeit).
Für mich ging es danach im Westen Irlands noch zum Mizen Head und letztlich noch auf einen kleinen Abstecher zum Wicklow Way im Osten Irlands.
Fazit
Der Sheep’s Head Way ist eine der ruhigsten und zugleich eindrucksvollsten Wanderrouten Irlands – ideal für alle, die Küstenlandschaften, weite Ausblicke und wenig Trubel schätzen.
Die Etappen sind gut markiert und abwechslungsreich, mit dem Zelt aber nur bedingt geeignet. Trotz wechselhaften Wetters und mancher Herausforderung bleibt der Weg eine lohnende Alternative zu den bekannteren Trails des Landes.
Bei anhaltend schlechtem Wetter würde ich die letzte Etappe allerdings auch beim nächsten Mal eher auslassen.









