Therm-a-Rest NeoAir Xlite im Praxistest

Therm-a-Rest NeoAir XLite

NeoAir Xlite: ultraleichte Isomatte mit Stärken und Schwächen im Praxistest. Meine Erfahrungen zu Knistern, Langelebigkeit, Komfort, Packmaß und Schimmelbildung

Technische Daten

Zum Einstieg in den Praxistest erstmal die technischen Daten der Therm-a-Rest NeoAir XLite. Alle Angaben zum Modell 2019 in Größe Regular:

  • Gewicht: 338g
  • Packsack-Gewicht: 14g
  • Reparaturset-Gewicht: 11g
  • Packmaß: 23cm x 10cm
  • Maße: 183 cm x 51cm
  • Dicke: 6,4 cm
  • R-Wert: 3,2
  • Material: 30D Rip HT Nylon (Polyamid)
  • Farbe: Marigold

(alle Gewichte selbst gewogen, Gewicht kann daher von Herstellerangabe abweichen; alle anderen Daten lt. Herstellerangabe)

Erfahrungen

Ich habe die NeoAir Xlite jetzt seit 2014, also schon einige Jahre, im Einsatz. Allerdings habe ich inzwischen eine Austauschmatte vom Hersteller Therm-a-Rest auf Garantie erhalten. Wie es dazu kam und weitere Praxiserfahrungen findest Du in diesem Abschnitt.

Aufblasen

Die Therm-A-Rest Neoair ist mit ca. 20 Atemzügen aufgeblasen. Alternativ gibt es auch Pumpen und Packsäcke mit integriertem Pumpventil. Meine Meinung: Das ist nur unnötiges Gewicht und kostet ebenso unnötig Geld.

Immer wieder höre ich davon dass das Aufblasen doch zeitaufwändig ist. Schauen wir uns also mal die Fakten an: Du brauchst ca. 1,5min zum Aufblasen, wenn überhaupt. Auf einen Tourentag mit 1440min fällt diese Zeit also kaum ins Gewicht.

Anders sieht es erst aus wenn Du in Pausen die Isomatte gerne als Sitzunterlage verwenden willst. Dann würde das Aufblasen und Zusammenlegen der XLite sicher auf Dauer nerven. Wer die Matte tagsüber als Sitzkissen nutzen will ist daher mit der XLite eben einfach nicht gut beraten. Da bieten sich andere Matten wie z.B. leichte faltbare Isomatten besser an.

Look & Feel

Das erste Anfassen verdeutlicht vor allem eines: ein unheimlich kleines Packmaß bei leichtem Gewicht und wertiger Oberfläche

Eine kleine Ernüchterung folgt dann nach dem Aufblasen und Probeliegen. Das Rascheln und Knistern lässt nicht so recht Gemütlichkeit zum Einschlafen aufkommen. Dabei ist das Rascheln wirklich deutlich hörbar und oft vor allem für den Schlafnachbarn störend.

Ein anderer Punkt ist die Oberflächenbeschaffenheit. Während Alex von Bergreif berichtet seine Matte sei „tatsächlich rutschfest“ ist meine NeoAir XLite definitiv rutschig. Im Vergleich zu einer Z-Lite oder einer selbstaufblasenden Isomatte mit stoffähnlichem Oberflächengewebe zieht die XLite definitiv im Punkt „Rutschen“ den Kürzeren. Wenn man die Matte dann noch auf silikonisiertem Zeltboden mit einem Schlafsack wie dem Cumulus Lite Line mit Pertex Quantum Pro (Beschichtung mit einer Membran) benutzt dann sollte man schon einen wirklich ebenen Schlafplatz haben.

So bleibt zwar auf der einen Seite ein wirklich hochwertiges „Look & Feel“ auf den ersten Blick aber ein wenig Ernüchterung im praktischen Einsatz.

Schlafkomfort

Der Schlafkomfort bewertet jeder ja erstmal unterschiedlich. Für den Rückenschläfer ist das Empfinden des Schlafkomforts z.B. anders als bei einem Seitenschläfer. Manchem ist die XLite z.B. schlicht zu „wacklig“.

Wenn man aber Komfort mit Höhe gleichsetzt dann ist die 6,3cm hohe NeoAir sicher eher komfortabel. Die Mattenbreite ist für mich ausreichend, für kräftiger gebaute Wanderer oder bei viel Bewegungsdrang ist sie aber eventuell etwas schmal geschnitten

Den Härtegrad der Matte kann man durch Ablassen der Luft selbst noch ein wenig nachjustieren. Was die Matte auf jeden Fall gut kann ist das Ausgleichen von Unebenheiten des Bodens.

Robustheit

Obwohl ich noch nie in die Verlegenheit kam das mitgelieferte Flickzeug zu verwenden musste ich dennoch die erste Xlite nach 4 Jahren und deutlich mehr als 100 Nächten reklamieren. Dabei wurde die Matte ausschließlich im (Innen-) Zelt oder auf einer Plane beim freien Biwakieren benutzt und hat am Ende nie ein sichtbares Loch bekommen dass zu einem unmittelbaren Luftverlust geführt hätte.

Nach ca. 3 Jahren hat die Matte aber angefangen langsam über Nacht Luft zu verlieren. Ohne sichtbaren Defekt – einfach so, schleichend über Nacht. Zuletzt durfte ich die Matte auf dem GR221 jede Nacht mit bis zu 10 Atemzügen (also war in etwa die Hälfte (!) der Luft entwichen) wieder voll aufblasen. An Durchschlafen war nicht mehr zu denken, irgendwann liegt man so eben an den Auflagepunkten mehr oder weniger auf dem Boden. Als Seitenschläfer um so mehr.

Mit dieser Erfahrung bin ich leider auch kein Einzelfall. Im Netz finden sich zahlreiche Erfahrungsberichte zu XLite-Matten die Luft verlieren, hier nur ein kleiner Auszug:

  • User Tipple im Ultraleicht-Trekking-Forum berichtet z.B. von 5 erfolgreichen Reklamationen
  • Bloggerin Ulligunde: mehrmalige Reklamation (Sie berichtet darüber hinaus über schwarzen Schimmel, schreibt aber nicht wie sie ihn in der Matte erkannt haben will)

Das positive: Cascade-Designs (Therm-a-Rest) scheint die Neoair XLite im Rahmen der „Lifetime Warranty“ tatsächlich meist ohne Schwierigkeiten auszutauschen.

Schimmel

Immer wieder liest man von Befürchtungen dass aufblasbare Isomatten im Innenleben Schimmel bilden. Da die XLite aber im Inneren kein Gewebe in dem Sinne sondern eine glatte Folienoberfläche hat ist die Schimmelgefahr von Haus aus minimiert.

Dennoch berichten immer wieder Nutzer von Schimmel in der Matte. Manchmal wird ein dunkler Schatten im Gegenlicht als Schimmel gedeutet. In dem Fall wäre meine nagelneue Matte also schon mit Schimmel ausgeliefert worden… Dabei ist die Lichtdurchlässigkeit überhaupt kein Indiz für Schimmel.

Ich selbst hatte noch nie Probleme mit Schimmel in der XLite. Zur Sicherheit blase ich nach einer Tour die Matte einfach nochmal zu Hause auf und lasse sie über Nacht in der Wärme. Wenn ich sie dann zusammenpacke nimmt die warme Luft in der Matte beim Zusammenrollen evt. vorhandene Restfeuchte einfach mit aus der Matte. Das Ventil lasse ich dann im gepackten Zustand offen.

Auf Youtube gibt es dazu auch ein schönes Video von Bigfoot. Spoiler: kein Schimmel zu finden!

Garantie / Reklamation: Abwicklung

Um vom der Therm-a-Rest Limited Lifetime Warranty Gebrauch zu machen habe ich mich direkt mit Therm-a-Rest unter Angabe der Seriennummer und der Problembeschreibung per Mail mit dem deutschen Garantie-Kontakt in Verbindung gesetzt. Die Antwort kam innerhalb eines Tages und man hat mir zwei Optionen zum Einsenden angeboten:

  1. Einsendung über den deutschen „Warranty Collection Point
  2. Einsendung direkt nach Irland

Für die weitere Bearbeitung hat man mir die ggf. entstehenden Kosten sehr transparent aufgeführt:

A charge of €17.50 +13.5 % VAT will apply for the repair of your mattress if, your mattress is punctured and not covered under warranty.

Außerdem wird noch auf die Bearbeitungszeiten eingegangen:

Please note that the German address is a collection point only and if you send in your mattress to this address, it will take longer to process. Allow 4-6 weeks for product turnaround.

Im weiteren wird in der Mail dann sowohl die deutsche als auch die irische Adresse für die Einsendung angegeben,

Wenn die NeoAir Xlite bei Cascade Design angekommen ist wird die Matte also geprüft und im Garantiefall entweder repariert oder gleich durch eine neue Isomatte ausgetauscht. Wenn kein Garantiefall vorliegt wird die Matte ggf. kostenpflichtig repariert. Immer noch weit günstiger als eine neu NeoAir Xlite.

Ich habe die XLite direkt nach Irland gesendet und in meinem Fall wurde die Matte dank der lebenslangen Garantie vom Hersteller kostenlos durch eine neue Matte ausgetauscht. Nach knapp 3 Wochen habe ich eine nagelneue NeoAir Xlite erhalten. Bin gespannt wie lange die neue Matte hält.

Packen

Falten, Rollen, Knicken..? Wie man die Matte zusammenlegen sollte beschreibt Therm-a-Rest in der Kurzanleitung die sicher oft ungelesen und schnell entsorgt wird:

  • Matte der Länge nach Dritteln
  • dann zusammenrollen

Hier seht ihr wie die Matte nach dem Packen aussieht:

NeoAir Xlite Packmaß

NeoAir Xlite Packmaß < 1l

Das Packmaß ist natürlich ein Traum von Nichts. Im Bild oben seht ihr im Vergleich eine 0,75l Thermoflasche. Mit dem kleinen Packmaß lässt sich die Matte leicht im Rucksack verstauen wo sich Schaumstoffmatten oft nur außen am Rucksack befestigen lassen.

NeoAir XLite vs. Z-Lite

Wer sich die XLite ansieht der steht in der Regel vor der Entscheidung ob sich die Investition in die ultraleichte Isomatte lohnt. Aber leicht geht auch anders. Die Z-Lite Sol, eine ultraleichte Isomatte aus Schaumstoff, ist fast genauso leicht.

Was die Z-Lite der Xlite voraus hat: Robustheit und sofortige Einsatzbereitschaft (z.B. auch unterwegs sofort als Sitzkissen einsetzbar)

Dabei ist sie aber weniger dick und damit für viele weniger komfortabel und das Packmaß ist deutlich größer. Am Ende ist sie aber um ein vielfaches günstiger und für viele 3-Jahreszeiten-Touren auch ausreichend isolierend. Zudem kann man sie leicht für seine Bedürfnisse auf die richtige Länge kürzen. Für viele Einsatzzwecke reicht die ZLite daher absolut aus.

Hier ein schönes Video von Juliana Chauncey in dem sie beide Matten miteinander vergleicht:

Fazit NeoAir XLite

Trotz der Nachteile hat die TAR NeoAir XLite seit Jahren ihren festen Platz auf meiner Trekking-Packliste. Gemeinsam mit dem Schlafsack Cumulus Lite Line 400 bildet sie aktuell mein Schlafsystem für die meisten Trekkingtouren. Das liegt aber auch daran dass Therm-a-Rest mir die erste XLight schon einmal auf Garantie ausgetauscht hat. Zum heutigen Neupreis wäre mir die Matte wahrscheinlich zu teuer.

Pro

  • ultraleicht
  • kleines Packmaß
  • komfortable Dicke

Contra

  • knistert
  • nicht robust / langlebig
  • teuer

Wer auf das geringe Packmaß verzichten kann für den steht die NeoAir XLite meiner Meinung nach in keinem guten Preis-/Leistungsverhältnis. In dem Fall würde ich ganz klar zur Z-Lite oder zu einer selbstaufblasbaren Isomatte greifen.

Der einzige Grund für mich der NeoAir XLite den Vorzug vor der viel günstigeren Z-Lite zu geben ist das Packmaß!

Wer die NeoAir XLite in seiner engeren Auswahl hat der sollte sie auf jeden Fall auch probeliegen um herauszufinden ob Rascheln und Schlafkomfort zu den eigenen Anforderungen passen.

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