Hilleberg Unna im Praxistest

Das Hilleberg Unna in rot auf Trekkingtour im Praxiseinsatz.

Ein Plädoyer für ein oft verkanntes Zelt. Das Hilleberg Unna ist für mich eines der besten Solo-Zelte auf dem Markt. Ein 4-Jahreszeiten-Zelt das bei absolutem Wetterschutz auch noch Komfort ohne Ende bietet.

Technische Daten & Ausstattung

Das Unna wird komplett mit allem was man braucht geliefert. So bleiben einem Überraschungen mit fehlenden Abspannschnüren oder Heringen erspart:

Gesamtgewicht 2,2 kg
Außenzelt Kerlon 1200 (30D High Tenacity Ripstop) mit 5.000mm Wassersäule
Innenzelt Solid-Inner
Zeltboden 70D Nylon PU beschichtet mit 15.000mm Wassersäule
Heringe 12 V-Pegs
Innenzelt-Maße 230 x 110 x 100 cm
Packmaß Ø18 x 47 cm ≙ 11,9l (gemessen)
Abspannleinen 4
Reparaturset Reparaturhülse und Reparatuset

Alle Maße Herstellerangaben soweit nicht anders angegeben.

Erfahrungen mit dem Hilleberg Unna

Mit 2.200g ist das Hilleberg Unna kein absolutes Leichtgewicht. Es ist aber auf der anderen Seite auch deutlich stabiler als viele leichtere Zelte. Das Kerlon 1200 Gewebe ist ein sehr vertrauenserweckendes Material und macht auch nach vielen Einsätzen und teils sehr stürmischen Bedingungen keinen Anschein von Materialermüdung.

Die Grundfläche von 230 x 110 cm ist ein Traum an Raum. Auch beim Abwettern fühlt man sich nicht zu sehr eingeengt. Das Gepäck kann bei allen Witterungsbedingungen mit ins Zelt genommen werden. Schuhe und Stöcke passen auch ohne echt Apside noch gut zwischen Innen- und Außenzelt.

Als 4-Jahreszeiten Zelt geht das Außenzelt bis zum Boden. Auch im Sommer ist das in sandigen Gegenden sehr praktisch. In Island ist das zum Beispiel sehr praktisch wenn mal wieder Vulkanasche vom Wind durch die kleinsten Ritzen geblasen wird.

Aufbau & Handhabung

Für alle die schon mal sehen wollen wie man das Unna aufbaut hat Hilleberg selbst ein Video veröffentlicht. Neben der Aufbauanleitung sind noch ein paar weitere Infos und Detailansichten dabei.

Ob ich den Aufbau genau so mache? Nein, nicht ganz. Ich befestige am Anfang alle 4 Ecken im Boden bevor ich die Stangen einführe. Das macht es gerade bei Wind noch etwas einfacher. Und: Der Zeltaufbau geht im echten Leben sehr viel schneller als in dieser wirklich sehr ausführlichen Anleitung.

Belüftung

Zur Belüftung hat man die Möglichkeit am Eingang eine Lüftung sehr weit oben unter dem Dach zu öffnen und das Außenzelt an den Längsseiten nach oben zu raffen. Zusätzlich kann man das Dach nach Belieben straffen oder auch ganz nach hinten zurückschlagen um für maximale Belüftung zu sorgen.

Apsis und Kochen

Eine Apside kann man sich selbst bauen in dem man eine Ecke des Innenzeltes aushängt. Dafür hängt ihr einfach die untersten zwei bis drei Klöppel des Innenzeltes an einer Ecke aus und schlagt das Innenzelt ein wenig zurück.

Windstabilität

Den Wind habe ich unterwegs zwar nicht gemessen, aber bei vielen stürmischen Nächten hat sich das Hilleberg Unna bisher als sehr standfest erwiesen – auch dann, wenn andere Zelte am Ende der Nacht freundlich gesagt weniger glücklich aussahen und ihre Besitzer Zuflucht in den Sanitäranlagen gesucht haben.

Hilleberg Unna bei starkem Wind auf einem Zeltplatz

Hilleberg Unna bei starkem Wind

Vergleich: Hilleberg Unna vs. Alternativen

  • Hilleberg Niak – ohne Deckenlüfter und nur für geschützte Standorte; dünneres Material, dafür mit Apside bei nur 1,6 kg,
  • Hilleberg Akto – Einmann-Tunnel. Leichter, aber im Platzangebot nicht vergleichbar. Nicht Freistehend. (Hilleberg Enan ähnlich und noch leichter, aber nur Yellow-Label)
  • Trekkertent Soar – Grundform sehr ähnlich, etwas anderes Lüftungskonzept und Material; schmalerers Innenzelt, dafür mit Apsis; ca. 1,35 kg
  • Big Sky Chinook – freistehend, mit 2 Apsiden, konfigurierbar. dünneres Material; leider schwierig zu bekommen und inzwischen sehr teuer; meine Ausstattungsvariante 1,5 kg
  • Tarptent Arc Dome 1 und 2 – freistehend, mit Apside (n), konfiguriertbar, je nach Ausstattungsvariante 1,6-1,9 kg
  • Nortent Vern 1 – freistehend, Geodät, robuste Materialien, deutlich günstiger, in Vollaustattung ca. 2,9 kg

Fazit: ein tolles Zelt für raue Bedingungen und Kanutouren

Das Hilleberg Unna ist mein Standardzelt für raues Klima und Kanutouren mit wenigen Umtragestellen geworden. Auf meine Trekking-Packliste schafft es das Unna z.B. regelmäßig für Trekkingtouren in Island. Die fehlende Apside ist kein wirkliches Problem. Die Kuppelkonstruktion hält auch starkem Wind sicher stand und die Belüftung ist für mich ausreichend. Schwierig ist das Wiedereinhägen des Innenzeltes wenn man sich für das Kochen eine Apside durch Aushängen des Innenzeltes geschaffen hat. Hier werde ich mir noch eine Schnurzuglösung überlegen.

Vorteile

  • Sturmstabil
  • sehr schnell aufgebaut (Außenzelt und Innenzelt zusammen)
  • Raumwunder
  • Selbststehend auf kleinstem Raum
  • Belüftungsmöglichkeiten
  • Panoramablick (großer Seiteneingang)
  • gute Verarbeitung
  • sehr robust

Nachteile

  • Wiedereinhängen des Innenzeltes etwas fummelig am untersten Punkt
  • wenig Spannung ohne Abspannleinen an den Längsseiten
  • bei Regen Gefahr Wasser bei offenen Eingang ins IZ zu bekommen, Abhilfe: IZ an einer Ecke aushängen.
  • Eingangs-RV klemmt manchmal ins Gewebe, das macht das Material aber locker mit
  • Bei warmem Wetter schwere Belüftung (mit einem Eingang ist kein Durchzug möglich)
  • 2.200g sind kein Leichtgewicht für ein Solozelt

Mehr zur Auswahl Deines Zeltes findest Du hier: Leichtes Trekkingzelt gesucht? Wie Du DEIN Zelt findest