Exped Lightning 60 im Praxistest

Exped Lightning 60

Der Exped Lightning ist ein kompromisslos puristischer Leicht-Rucksack mit hoher Traglast. Trotz oder gerade wegen der einfachen aber durchdachten Ausstattung hat er mich auf Tour überzeugt.

Auf meinen letzten Touren bin ich mit meinem Bergans Helium 55 immer wieder an die Grenzen gestoßen. Sobald ich wie auf dem GR221 oder Küstenpfaden wie dem GR34 für zwei Tage Trinkwasser und Lebensmittel für mehrere Tage zugeladen hatte war schnell die Traglast überschritten und der Rucksack hat sich mit ca. 18kg nur sehr unbequem tragen lassen.

Als Alternative für solche Touren habe ich mir daher den Exped Lightning 60 gekauft. Schließlich hat er ausreichend Traglast und ordentlich Volumen versprochen. In diesem Artikel erfahrt ihr wie er sich im Praxiseinsatz schlägt. Dafür habe ich ihn auf meiner Tour auf dem Pembrokeshire Coast Path auf Herz und Nieren getestet.

Über den Exped Lightning 60

Technische Daten

  • Gewicht: 1.210g (nachgewogen)
  • Füllvolumen: 60l
  • Außenmaße: 75 × 34 × 27 cm (H x B x T)
  • Ausführung: Toploader
  • Gewicht pro Liter Volumen: 20,2 g/l
  • Traglast: max. 24kg

(Alle Daten mit Ausnahme des Gewichtes und des Gewicht/Volumenverhältnisses Herstellerangaben.)

Ausstattungsmerkmale

  • Rollverschluß
  • Trinksystemvorbereitung
  • Stockhalterung
  • dehnbare-Seitentaschen
  • dehnbare Hüftgurttaschen
  • Rückenlänge, Lageriemen, Hüftgurte und Brustgurt verstellbar
  • 3 Kompressionsriemen
  • Außenfach mit wasserdichtem Reißverschluß

Praxiserfahrung

Traglast

Bei der Traglast hat mich der Exped Lightning wirklich überzeugt. Bis 18kg (inkl. Wasser für 2 Tage und Verpflegung für eine Woche) hat er sich angenehm tragen lassen. Die Last wird zuverlässig auf die breiten Hüftflossen geleitet. Das „Polster“ am Rücken ist anfangs gewöhnungsbedürftig hart, macht sich aber beim Laufen schnell nicht mehr bemerkbar. Im Gegenzug spürt man die Last auf den Schultern kaum.

Einziger Nachteil in diesem Punkt: Auch der Exped Lightning fängt mit der Zeit an leicht zu quietschen. Ich glaube langsam das ist bei allen Leicht-Rucksäcken bei höheren Lasten so (diesen Phänomen durfte ich ja auch schon beim Bergans Helium feststellen)

Packen

Da der Exped Lightning ein reiner Toploader ist muß man beim Packen mit ein paar Abstrichen in der Zugänglichkeit leben. Wenn man sich aber nur ein wenig Gedanken über die richtige Reihenfolge beim Packen macht spielt das aber schnell keine Rolle mehr. Nach ein paar Tagen habe ich den wirklich bequemen Direktzugriff über den Front-Reißverschluss des Heliums nicht mehr vermisst.

Wie packe ich den Exped Lightning 60? Von unten nach oben:

  • alles was ich nicht unter Tags brauchen werde (z.B. Flightcover, Regensachen bei trockenen Tagen)
  • Rucksackliner mit Schlafsack und Wechselklamotten
  • Waschbeutel und Elektronik (nah am Rücken)
  • Verpflegungsbeutel (nah am Rücken)
  • Wasser (Trinkblase und bei Bedarf zusätzliche Flaschen nah am Körper, Flaschen seitlich neben den Lebensmitteln)
  • Zelt (leicht, daher vor dem Verpflegungsbeutel)
  • Sandalen, Tagesverpflegung, Sonnencreme (sehr leicht, daher einfach oben drauf)
  • Geldbeutel, Papiere etc. im Rückenfach
  • Kamera, Smartphone, Riegel in den Hüfttaschen

Das Rückenfach dass als Ersatz der Deckeltasche fungieren soll ist eher ein Wertsachen-Fach. Warum? Es ist so schmal dass man bei einem gefülltem Rucksack kaum noch in das Fach hinein kommt. Ich nutze es daher vor allem um während der Tour nicht benötigte wichtige Unterlagen zu verstauen (z.B. Rückreise-Tickets, Reisepass o.ä.). Nur ganz oben platziere ich für einen schnellen Zugriff morgens noch Mütze, Taschentücher und Erste-Hilfe-Set.

Komprimieren

Der Exped Lightning lässt sich über die Spannriemen gut komprimieren. Die einfachen Haken erweisen sich dabei als sehr praktisch. Gemeinsam mit den Klettverschlüssen der Spannriemen ergibt sich ein super System zum Komprimieren ohne umherbaumelnde Riemen. Das Problem das auf manchen Blogs beschrieben wird dass sich die Haken lösen kann ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen – schließlich kann man den Packriemen auch mit den Haken immer nach dem Verschließen noch nachspannen.

Trinksystem

Im Gegensatz zu vielen Berichten im Netz hat der Exped Lightning inzwischen Schlauchdurchführungen an beiden Seiten erhalten. In der Praxis finde ich die Position aber als zu niedrig gewählt. Normalerweise führe ich den Schlauch einfach von oben an einem Schulterriemen entlang und fixiere das Mundstück unter einem Gummiriemen am Schultergurt. Dafür muss beim Lightning der Schlauch aber erstmal nach oben geführt werden da er einfach viel zu tief aus dem Rucksack heraus kommt. Geht, geht aber eben auch besser,

Alternativen & Vergleich

Bei meiner Suche nach einem leichten Rucksack mit höherer Traglast habe ich den Exped Lightning natürlich auch mit anderen Rucksäcken in einer ähnlichen Gewichtsklasse verglichen:

  • Bergans Helium 55 (habe ich, kommt spätestens ab 15kg an seine Grenzen)
  • Gregory Paragon (schwerer, Tragesystem im Ladentest nicht tragfähig genug)
  • Exped Thunder (ähnlich dem Lightning, etwas schwerer dafür mit großem Frontzugang; nur als 50 und 70l – Variante)
  • Deuter Aircontact lite 50+10 (deutlich schwerer, Tragesystem im Ladentest nicht tragfähig genug)
  • Lightwave Wildtrek 60 (schwerer, kein Ladentest möglich)

Fazit

In Summe hat sich für mich die Investition in den nicht wirklich günstigen Rucksack gelohnt. Mit ihm habe ich jetzt auch Freude wenn das Rucksackgewicht trotz aller Sparsamkeit z.B. wg. Trinkwasservorräten doch mal höher ausfällt. Darüber hinaus ist er wirklich stark wasserabweisend und hat mit Hüftgurt- und Balgtaschen an der Seite genug Taschen für den schnellen Zugriff unter tags.

Pro

  • Gewicht: 1000g für 60l Rucksack
  • Traglast
  • Funktionell – keine unnötigen Riemen und Halterungen die ich nicht benötige, zu lange Riemen über Klett feststellbar
  • stark Wasserabweisend
  • Einstellungsmöglichkeit – Trotz des geringen Gewichtes kann der Rucksack auf die Rückenlänge eingestellt werden
  • große Hüfttaschen (nehmen u.a. eine Kompaktkamera inkl. Hülle auf)

Con

  • bei wenig Volumen schwer in Form zu bringen (ist einfach ein unförmiger Sack, da hilft auch die Komprimierung nicht mehr)
  • bei etwas höheren Lasten quietscht das Tragegestell

 

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