Sellrainer Hüttenrunde

Sellrainer Hüttenrunde

Direkt in der Nähe von Innsbruck gelegen bieten die Sellrainer Berge Abwechslung pur. Stille Wege, tiefe Täler und 3000er mit Altschneefeldern bis tief in den Sommer. Dazu leer gefegte (Ski-)Bergdörfer zu Beginn und am Ende. Das ist die Sellrainer Hüttenrunde. Die ausgewiesenen Ruhegebiete tun ihr übriges um diese Berge vor weiterer Verbauung zu schützen. So kann man hier sobald man die Orte verlassen hat fast unberührte Landschaft genießen.

Tourbeschreibung

Zwischen den Öztaler- und den Stubaier Alpen gelegen stehen die Sellrainer Berge ein wenig im Schatten ihrer bekannten Nachbarn. Zum Glück kann ich da nur sagen! Die Sellrainer Hüttenrunde führt uns auf einsamen Wegen auf bis zu 3000 Meter hoch in die Berge. Ungestört von Liften oder Straßen geht es von Hütte zu Hütte. Wer mag kann auf dem Weg auch noch einige Gipfel wie dem Zwieselbacher Roßkogel (3081m) oder die Schöntalspitze (3008m) besteigen. Aber selbst die Scharten und Jöchl führen teilweise bis knapp an die 3000m heran und bieten tolle Ausblicke ins Sellrain und die umliegenden Berggruppen.

Die Markierung ist durchgängig sehr gut. An Weggabelungen meist mit beschrifteten Schildern zu den nächsten Etappenzielen inkl. der Angabe der Schwierigkeit mit Farbskala. Die Route ist durchgehend mittelschwer (rot) bis schwer (schwarz) ausgeschrieben. Zur Vorbereitung kann ich Dir auch den DAV – Flyer empfehlen, hier findest Du auch viele Variantenvorschläge.

GPS-Track und Karte der Sellrainer Hüttenrunde

Karte und GPS-Track Sellrainer Hüttenrunde (Kartendaten © 2018 GeoBasis-DE/BKG (©2009), Google)

Karte und GPS-Track Sellrainer Hüttenrunde (Kartendaten © 2018 GeoBasis-DE/BKG (©2009), Google)

Papierkarten

  • Kompass: Stubaier Alpeln, Kompass 83, 1:50.000 (deckt die ganze Tour ab)
  • Alpenvereinskarten: Stubaier Alpen/Sellrain, Blatt 31/5 Innsbruck und 31/2, 1:25.000
  • Freytag & Berndt, WK 241 Innsbruck-Stubai-Sellrain-Brenner und WK 251 Ötztal-Pitztal-Kaunertal-Wildspitze, 1:50.000

GPS-Karte

  • Freizeitkarte Alpen (nach dem Öffnen des Linkes nach unten scrollen) – aber nur als Backup, die Karte ersetzt keine gute Wanderkarte!

An- Abreise

In Sellrain gibt es mehrere Parkmöglichkeiten. Nach der Tour kannst Du von Kühtei aus mit dem Bus zurück nach Sellrain fahren. Wer komplett mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen will fährt mit der Bahn nach Innsbruck und nimmt dann den Regionalbus 4166 ins Sellrain. Den aktuellen Fahrplan gibt es beim Verkehrsverbund Tirol.

Etappen der Sellrainer Hüttenrunde

  • Sellrain – Potsdamer Hütte (↑ 1100m ↓ 0m ∅ 3,5h)
  • Potsdamer Hütte – Westfalenhaus (↑ 1465m ↓ 1200m ∅ 9h)
  • Westfalenhaus – Pforzheimer Hütte (↑ 780m ↓ 750m ∅ 5h)
  • Pforzheimer Hütte – Roßkogel (3081 m) – Schweinfurter Hütte (↑ 770m ↓ 1053m ∅ 6,5h)
  • Schweinfurter Hütte – Dortmunder Hütte (Kühtai) (↑ 740m ↓ 830m ∅ 5,5h)

Alternativ kannst Du die hier beschriebene Tour auf der Sellrainer Hüttenrunde um zwei Tage verlängern:

  • Schweinfurter Hütte – Bielefelder Hütte (↑ 880m ↓ 800m ∅ 9h)
  • Bielefelder Hütte – Dortmunder Hütte (↑ 520m ↓ 680m ∅ 5h)
  • Dortmunder Hütte – Sellrain (↑ 820m ↓ 1950m ∅ 9h)

Reisebericht und Erfahrungen

Sellrain – Potsdamer Hütte

Ich reise mit dem Auto an, finde schnell einen Parkplatz und beginne die Sellrainer Hüttenrunde gleich mal mit einem steilen Aufstieg im Wald nach Tanneben. Von hier geht es dann eher gemächlich auf einer Forststraße zur Söldenalm. Weiter durch das Fotscher Tal geht es nach Süden bis man aus dem Wald heraus ans Talende gelangt. An der Hintraalm geht es dann steil zur Potsdamer Hütte hoch. Bei meinem Glück nehme hier im Aufstieg natürlich noch einen schönen Regenguss mit. Die warme Hütte trocknet mich aber schnell und schon bald sitzen alle 3(!) Hüttengäste beisammen und tauschen Erzählungen und Tourplanungen aus. Wir werden uns auf der Sellrainer Hüttenrunde noch öfter treffen und schöne Abende miteinander verbringen.

Potsdamer Hütte – Westfalenhaus

Von der Potsdamer Hütte beginnt gleich der Aufstieg auf den Roten Kogel (2832m). Der erste Gipfel der Tour, die ersten 800 Höhenmeter des Tages. Noch während in aufsteige steigen hinter mir die Wolken aus dem Tal. Ich schaffe es gerade noch oben anzukommen bevor die Wolken jede Sicht nehmen.

Am Roten Kogel (2832m), dem ersten Gipfel der Sellrainer Hüttenrunde

Am Roten Kogel (2832m), dem ersten Gipfel der Sellrainer Hüttenrunde

Vom Roten Kogel aus beginnt dann im Nebel der große Abstieg des Tages zur Lüsener Alm. Mit dem Auto gut zu erreichen trifft man hier dann kurz auf zahlreiche Tageswanderer, doch schon wenig später im Aufstieg zum Westfalenhaus wird es wieder einsam. Du kannst hier wählen ob Du erst dem Gletscherlehrpfad folgen willst oder direkt in den Aufstieg gehen willst. Südlich der Schöntalwände geht es in einer schönen Rinne hoch zur Hütte. Eine lange Tagesetappe mit 2 großen Anstiegen geht zu Ende.

Westfalenhaus – Pforzheimer Hütte

Die Gletscheretappe liegt vor mir. Wieder beginnt der Tag mit einem steilen Anstieg. 700 Höhenmeter sind es bis zur Zischgenscharte, weitere 70 Meter auf die Schöntalspitze (3002m). Wir befinden uns jetzt mitten im Gletschergebiet der Sellrainer Alpen. Nach Westen reihen sich die letzten Gletscher der Region aneinander. Wir sehen aber nur den unter uns liegenden Zischgenferner der direkt auf unserem Weg weg liegt – oder was von ihm übrig ist. Wie immer in Scharten wie dieser bläst ein eiskalter Wind und so hole ich für die kurze Pause Mütze und Handschuhe aus dem Rucksack. Sie stehen nicht ohne Grund schon lange auf meiner Packliste für Hüttentouren.

Blick von der Zischgenscharte hinüber auf die Gletscherwelt der Stubaier Alpen

Blick von der Zischgenscharte hinüber auf die Gletscherwelt der Stubaier Alpen

Der Abstieg beginnt steil und man tut gut daran zur Sicherheit Grödel dabei zu haben. Selbst Ende Juli traf ich hier noch auf eingeschneite Stahlseile und im Nordhang gelegen ist die Schneeauflage morgens auch im Sommer hart gefroren. Weiter unten ist vom ehemals mächtigen Gletscher dann aber leider nicht mehr viel übrig. Nachdem der Gletscher bezwungen ist geht es dann auf einem leicht abfallenden Bergweg zur Neuen Pforzheimer Hütte. Auf der ganzen Etappe begegne ich übrigens nur 2 entgegenkommenden Bergwanderern.

Pforzheimer Hütte – Schweinfurter Hütte

Die Wettervorhersage ist gut, der Körper fühlt sich nach der eher kurzen Etappe des Vortages auch gut an und so entschließe ich mich die Variante über den Roßkogel (3081 m) zur Schweinfurter Hütte zu nehmen. Durch Walfeskar geht es hoch. Oben dann Schneefeler bzw. letzte Gletscherreste und ein einziges Schuttfeld.

Ausblick nach Norden auf die Weitkarspitze (2920m)

Ausblick nach Norden auf die Weitkarspitze (2920m)

Der Abstieg fordert dann Trittsicherheit. Wohl dem der gut trainiert ist. Ein schier nicht enden wollendes Blockfeld auf dem es viele Höhenmeter zu bewältigen gilt verlangt den Gelenken einiges ab. Das ein oder andere Mal nehme ich die Hände zu Hilfe. Das letzte Stück ist dann von saftigen Bergwiesen und einem Gletscherbach geprägt.

Gletscherbach in den Sellrainer Bergen

Gletscherbach in den Sellrainer Bergen

Auf der Hütte dann eine Überraschung: Heute ist Grillabend! Da sage ich nicht nein. Die Anbindung der Hütte über eine schmale Flurstraße macht es möglich regelmäßig frisch einzukaufen.

Schweinfurter Hütte – Kühtei

Über den Gubener Weg und die Finstertaler Scharte (2777m) geht es heute nach Kühtei. Die erste Hälfte des Tages ist eine schöne Bergtour. Der Abstieg mit vielen Serpentinen auf brüchigem Schutt und später rutschigem Wiesenboden ist nicht meins und so bin ich froh als ich am Stausee angekommen bin.

Der Weg 146 führt uns bis nach Kühtai

Der Weg 146 führt uns bis nach Kühtai

Wer mag kann von hier aus noch den Sulzkogel (3016m) besteigen. Weiter geht es dann um den Finstertaler Stausee herum und am Ende auf der Skipiste in den im Sommer verwaisten Wintersportort. Im Nachhinein würde ich wohl beim nächsten Mal die längere Etappenvariante über den Hochreichkopf wählen und so den Stausee und die Skipiste umgehen.

Fazit: einsame Hüttentour – Geheimtipp!

Die Sellrainer Hüttenrunde hat gehalten was sie versprochen hat. Selten habe ich so einsame Wege in den Alpen gefunden. Selbst auf den Hütten ging es meist eher ruhig zu. Eine Hüttentour genau nach meinem Geschmack.

Ähnlich einsam ist auch die Hüttentour durch das Verfall während auf dem nahen Stubaier Höhenweg schon deutlich mehr los ist.

Noch mehr Hüttentouren findest Du hier: Hüttentouren in den Ostalpen: 35 Mehrtagestouren.