
Lapplands abwechslungsreiche Wildnis in einer Tour. Weites Fjell und tiefe Schluchten treffen auf Sümpfe, Seen und Wald.
Überblick & Tourbeschreibung
Der Guivi Trail (Guivin reitti) beginnt am Parkplatz Sulaoja und zweigt bei Ruktajärvi vom Kevo-Wanderweg ins Fjell mit den offenen Wildnishütten Njávgoaivi und Guivi ab. Der Weg verläuft teilweise durch das Naturschutzgebiet Paistunturi und ist stellenweise sehr steinig und anspruchsvoll.
Nach einem weiten Bogen über das Paistunturi-Fjell, der durch einige sehr sumpfige Abschnitte führt, trifft der Weg wieder auf den Kevo-Trail und steigt hinab in den Kevo-Canyon zum Fiellu-Wasserfall. Von dort führt die Route zwischen Fjell und Seitentälern zurück nach Sulaoja und bietet dabei immer wieder beeindruckende Ausblicke in die Schlucht.
Aufgrund der Höhenmeter und des teils anspruchsvollen Geländes ist die Tour je nach Wetter und aktuellen Bedingungen sehr anspruchsvoll.
GPS-Track und Karte
Map Data: © OpenStreetMap Mitwirkende
Wichtig: Finnlands OSM-Karten sind weniger detailliert als in anderen Ländern. Mehr topografische Details gibt es bei offiziellen digitalen topografische Karten oder Papierkarten.
Papierkarten
- Calazo Wanderkarte – Kevo, Kuivi & Paistunturit, 1:50.000
- Karttakeskus / Karttakauppa – Utsjoki-Kevo, 1:50.000 / 1:25.000
Digitale topografische Karten und OSM-Karten zur Orientierung in Finnland: Trekking in Finnland – Wanderkarten und Orientierung
Toursteckbrief & Eckdaten
| Strecke | 82,8 km |
|---|---|
| Höhenmeter | 1.600 hm (Anstieg) |
| Schwierigkeit | schwer |
| Dauer | 4-7 Tage |
| Start und Ende | Sulaoja |
| An- und Rückreise | Busse von Ivalo und Karigasniemi; mit Auto Parken in Sulaoja möglich |
| Markierung | orange markierte Pflöcke |
| Wegbeschaffenheit | teils sehr steinig oder sumpfig |
| Beste Jahreszeit | July-September |
| Übernachten | an offiziellen Übernachtungsplätzen in Wildnishütten oder im Zelt |
| Trinkwasser | zahlreiche Bäche zum Filtern von Wasser |
| lokale Informationen | Guivi trail bei Luontoon |
Etappen
Die Etappen auf dem Guivi Trail können wir Dank den vielen Übernachtungsmöglichkeiten je nach Lust und Laune und aktuellen Bedingungen beliebig einteilen. Hier eine Variante für 5 Tage:
| Etappe | Route | Schwierigkeit | Aufstieg | Abstieg | Strecke | Dauer |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Sulaoja – Njávgoaivi | mittel | 230 hm | 310 hm | 18,0 km | 6 h |
| 2 | Njávgoaivi – Kuivi-Hut | mittel | 200 hm | 220 hm | 17,5 km | 5,5 h |
| 3 | Kuivi-Hut – Fiellujohka | schwer | 350 hm | 400 hm | 13,0 km | 5,5 h |
| 4 | Fiellujohka – Ruktajávri | schwer | 500 hm | 350 hm | 18,0 km | 7 h |
| 5 | Ruktajávri – Sulaoja | mittel | 120 hm | 120 hm | 12,0 km | 3,5 h |
Schwierigkeitsbewertung nach DAV-Wegekategorien(hier durchgehend T1-T2), Wegbeschaffenheit und Etappenlänge. Die Etappen können auch kürzer gestaltet werden. Wegzeiten nach DAV-Wegzeitfromel.
Übernachten & Versorgung
Hütten und Zeltplätze
| Hütte | Abstand | Zelten | Schlafplätze |
|---|---|---|---|
| Luopmosjohka – Zeltplatz | 2 km | ✓ | – |
| Ruktajávri – offene Wildnishütte | 7 km | ✓ | 10 |
| Geavvogeasláttu – Zeltplatz | 3 km | ✓ | – |
| Suohpášája – Zeltplatz | 8 km | ✓ | – |
| Gaskkamus Suohpášája – Zeltplatz | 1 km | ✓ | – |
| Fiellogahjohka – Zeltplatz | 5 km | ✓ | – |
| Kuivi – offene Wildnishütte | 13 km | ✓ | 10 |
| Áhkogoahti – Zeltplatz / Kammi | 10 km | ✓ | – |
| Njávgoaivi – offene Wildnishütte | 12 km | ✓ | 8 |
| Ruktajávri – offene Wildnishütte | 6 km | ✓ | 10 |
| Luopmosjohka – Zeltplatz | 7 km | ✓ | – |
Tourbericht und Erfahrungen
Nach dem Karhunkierros ging es für mich weiter in den Norden Finnlands. Über einen Zwischenstop in Rovaniemi, wo ich das Arktikum besuche und mir notgedrungen neue Wanderschuhe besorge, fahre ich nach Sulaoja.
Sulaoja – Áhkogoahti
Um 7:30 Uhr geht es durch einen lichten Birkenwald auf sandigem Untergrund los. Schon bald ist der erste Zeltplatz erreicht, wo noch reges morgendliches Treiben herrscht. Danach führt der Weg über einen Hügelrücken zwischen zwei Seen, auf und ab und stellenweise recht steinig. Später wird daraus ein Fahrweg mit sandigem, von Kieseln durchsetztem Untergrund – nicht gerade angenehm zu laufen.
- Holztreppe zum Start des Guivi-Trails in Sulaoja
- Klassischer Markierungspflock am Guivi-Trail
Über Bohlen geht es durch sumpfiges Gelände zur Ruktajávri. – Auch hier ist sind die meisten gerade noch beim Frühstück. Kurz darauf geht es für mich nach meiner Tour im schwedischen Jämtland endlich wieder ins Fjell: weit, karg und genau nach meinem Geschmack. Ein einzelnes weißes Rentier zieht mit etwas Abstand an mir vorbei. Der Weg über den steinigen Untergrund ist allerdings anstrengend für die Füße.
- letzte Birke vor dem Njávgoaivi-Fjell
- Kota Njávgoaivi bei Regen
An der nächsten Hütte, Njávgoaivi, wäre mein Tagesziel eigentlich erreicht – und das schon um 13 Uhr. Als Regen aufzieht, mache ich aber zunächst einfach eine Pause und ziehe später noch einmal knapp 8 km bis Áhkogoahti weiter.
- Furt über den Fluss Njávgoaijohka
- Bohlenweg im Paistunturi-Fjell
Das Furten kurz nach der Hütte fällt nach einer kurzen Einschätzung des Baches leicht – der Wasserstand ist so niedrig, dass ich mit Hilfe der Trekkingstöcke leicht trockenen Fußes über die Steine balancieren kann.
Die Fußsohlen machen sich auf dieser langen Etappe deutlich bemerkbar. Trotzdem reicht es wieder, um noch kurz vor dem Regen die Wasservorräte am nahen Bach aufzufüllen und etwas oberhalb der Hütte das Zelt aufzubauen.
Áhkogoahti – Kuivi – Fiellujohka
Heute komme ich nicht so recht aus den Federn und nutze die Zeit erstmal für meine Tournotizen. Draußen weht ein frischer Wind und es sieht nach Regen aus. Also starte ich direkt mit Regenhose und Jacke.
- Steiniger Weg auf dem Fjell-Abschnitt vor der Kuivi-Hütte
- Trekking in Finnland: Fjell und Wildnishütte – hier die Kuivi-Hütte
Zunächst geht es wie gewohnt durch lichten Birkenwald über einen steinigen Weg, bevor der Weg schnell wieder ins baumlose Fjell führt. Bis zur Kuivi-Hütte begegnet mir kaum jemand – nur eine Rentiermutter mit ihrem Kalb und ein paar Vögel kreuzen meinen Weg. Die Bachquerungen sind problemlos mit den Wanderschuhen zu bewältigen.
Der angekündigte Regen kommt, leider, deutlich früher als im Wetterbericht vorhergesehen. Bei vier Grad bin ich froh, die Regensachen gleich angezogen zu haben. Handschuhe nutze ich am Vormittag noch nicht, aber für den Nachmittag liegen sie später in den Jackentaschen bereit. Überhaupt erweist sich der Wetterbericht auf dieser Tour eher als grobe Orientierung.
Erst kurz vor der Guivi-Hütte kommen mir drei Wanderer entgegen. Nach der einfachen Flussüberquerung mache ich in der kleineren der beiden Hütten erstmal Pause und wärme mich auf. Mit Isojacke, Mütze, Handschuhen und Buff habe ich beim Weitergehen inzwischen tatsächlich fast jedes Kleidungsstück im Einsatz. Kalt hier – und ich finde es schön!
- alte Bohlen im Paistunturi
- Wanderer auf Kuivi Trail
Die letzten zehn Kilometer Richtung Kevoschlucht haben es dann noch einmal in sich: viel Sumpf, mehrere Bachquerungen, teilweise vermoderte Bohlen und natürlich jede Menge Steine. Kurz vor dem Zusammenschluss an den Kevo Trail warten noch zwei Abstiege zu Bächen mit den entsprechenden Gegenanstiegen.
Der anschließende Abstieg in die Kevo-Schlucht ist schließlich sehr steil, teilweise über Geröll, teilweise über Treppen mit ungewöhnlich schmalen Stufen. Nach einem langen Tag ist hier definitiv noch einmal Konzentration gefragt.
Der Zeltplatz ist etwas verwinkelt, bietet im Gegenzug aber im unwegsamen Gelände sogar Holzplattformen für die Zelte. Als Bonus rauscht direkt nebenan der Fiellu-Wasserfall.
Fiellujohka – Geavvogeasladdot
Gleich zu Beginn wartet das erste Abenteuer: eine Furt mit kräftiger und bis kniehoher Strömung. Ein gespanntes Drahtseil mit Halteschlaufen hilft beim Queren, sodass ich trotzdem schnell auf die andere Seite komme.
- Holztreppe in der Kevo Schlucht
- Fiellu-Wasserfall mit Fiellogeadgejohka
Danach geht es hinauf bis an die Grenze des Fjells. Von hier bieten sich immer wieder schöne Ausblicke in die Kevo-Schlucht, auch wenn sie sich zwischendurch nur aus der Ferne erahnen lässt. Der Weg quert zahlreiche Seitentäler mit kleinen Bächen und ist dabei überwiegend sehr steinig.
- Heidelandschaft, Fjell und Birken im Kevo Naturreservat
- Steinmaennchen mit Fjell-Panorama
Ein zweites Highlight ist ein Aussichtspunkt mit Blick auf die Schlucht und einen Wasserfall. Danach geht es zum Zeltplatz, wo ich an diesem Abend tatsächlich der einzige Wanderer bin. Mein Platz liegt etwas oberhalb und bietet einen schönen Blick über den See – ein ruhiger Abschluss für die Etappe.
Geavvogeasladdot – Sulaoja
Geavvogeasladdot, was für ein Name. Bei einer herrlichen Morgenstimmung starte ich in den Tag. Davor buche ich aber noch im Zelt liegend das Busticket für den Transfer zum Startpunkt der nächsten Tour, Hetta-Pallas, bevor ich das 24h Buchungs-Zeitfenster verpasse.
- Zelten in Finnland
- Morgenstimmung am See Ristenašjávri
Der Weg ist angenehm zu gehen, mit einem festen, da leicht feuchtem, Sandpfad. Schnell passiere ich den größeren Zeltplatz mit Kotha und Feuerstellen. Zwischen den Bäumen sind noch einige Zelte zu sehen, ansonsten ist es ruhig.
Von hier geht es auf den bereits bekannten 12 Kilometern zurück zum Parkplatz. Auch aus dieser Richtung zeigt sich der Weg noch einmal von seiner schönen Seite. Die Zeit vergeht wie im Flug, zumal ich den Weg diesmal lange ganz für mich alleine habe. Erst kurz vor dem Ziel kommen mir die ersten anderen Wanderer entgegen – ein schöner, ruhiger Abschluss der Tour.
Fazit
Der Guivi Trail ist eine abwechslungsreiche und landschaftlich beeindruckende Trekkingtour, die nahezu alles bietet, was die finnische Wildnis zu bieten hat: typische Wald- und Seenlandschaften, offene Fjells, atemberaubende Schluchten sowie zahlreiche Bäche und Flüsse. Auch das Terrain wechselt ständig: Mal führen gut ausgebaute Wege durch die Landschaft, mal geht es über steinige Pfade oder durch sumpfiges Gelände. Und mittendrin wartet eine besonderes Highlight: Wir dürfen mit Seilunterstützung den kräftig strömenden Fiellujohka furten.
Abgerundet wird die Tour durch die zahlreichen Open Wilderness Huts, Trockentoiletten und die Möglichkeit, entlang der Route das Zelt aufzuschlagen. Ist das eigentlich schon Glamping beim Trekking?



















