Hetta-Pallas: Trekking auf der ältesten Trekkingtour Finnlands

Ein schmaler, steiniger Wanderpfad schlängelt sich durch die karge Fjäll-Landschaft der Hetta-Pallas-Tour in Lappland unter bewölktem Himmel.

Hetta-Pallas-Trekking in Finnisch-Lappland: auf rund 50 Kilometern durch die eindrucksvolle ursprüngliche Fjälllandschaft Finnlands.

Überblick & Tourbeschreibung

Der beliebteste Fernwanderweg im Pallas-Yllästunturi-Nationalpark und gleichzeitig die älteste Trekkingtour Finnlands ist der knapp 50 km lange Hetta-Pallas-Wanderweg. So wurde die Route bereits 1934 markiert. Nach einer Bootsfahrt über den Ounasjärvi führt der Wanderweg über gleich mehrere Fjälls. Dazwischen steigt man in die darunterliegenden Schluchten und Täler ab. – Hier liegen auch die meisten Übernachtungsplätze.

GPS-Track und Karte

Karte mit GPS-Track und Zeltplätzen Hetta-Pallas

Karte und GPS-Track Hetta-Pallas

Map Data: © OpenStreetMap Mitwirkende

Papierkarten

  • Calazo Wanderkarte – Hetta, Pallas & Ylläs, 1:50.000
  • Karttakeskus / Karttakauppa – Pallas Hetta Olos, 1:50.000 / 1:25.000

Beide Karten auf Tyvek gedruckt – nur etwa halb so schwer wie herkömmliche Papierkarten (39g für die Karte von Karttakauppa)

OSM-Karten

Wichtig: Finnlands OSM-Karten sind weniger detailliert als in anderen Ländern. Bekannte Tracks sind vorhanden, wer jedoch Wert auf mehr topografische Details wie Quellen, Bäche oder engere Höhenlinien legt, sollte besser auf digitale topografische Karten oder Papierkarten zurückgreifen.

Toursteckbrief & Eckdaten

Strecke 47,7 km
Höhenmeter 1.750 hm Aufstieg, 1.580 hm Abstieg
Schwierigkeit schwer
Etappen 3-5 d
Start Hetta
Ende Pallas
Anreise
Markierung orange Markierung an Bäumen, Pflöcken und Steinen
Wegbeschaffenheit größtenteils gut ausgebaut, teils steinig, bei Regen teils sumpfig
Beste Jahreszeit Juli-September
Übernachten neben Wildniss-Hütten und Kotas – inkl. Trockentoiletten
Trinkwasser Wasser aus Bächen und Handpumen an Hütten, muss aber gefiltert werden
lokale Infos auf  Luontoon.fi

Etappen

Je nach Wetter, Lust und Laune kann man die Tour Hetta-Pallas in 3-5 Tagen wandern. Hier eine Etappeneinteilung für 3 Tage:

Etappen Hetta-Pallas in 3 Tagen
Etappe Route Schwierigkeit Aufstieg Abstieg Strecke Dauer
1 Hetta – Sioskuru mittel 450 hm 330 hm 12,8 km 4:20 h
2 Sioskuru – Suaskuru mittel 425 hm 490 hm 16,6 km 5:20 h
3 Suaskuru – Rihmakuru – Pallas schwer 860 hm 770 hm 18 km 6:30 h

Schwierigkeitsbewertung nach DAV-Wegekategorien(hier T1-T2), Wegbeschaffenheit und Etappenlänge. Die Etappen können auch kürzer gestaltet werden. Wegzeiten nach DAV-Wegzeitfromel.

Übernachten & Versorgung

Hütten und Zeltplätze

Hütten und Zeltplätze am Hetta-Pallas-Trail
Hütte Abstand Zelten Schlafplätze
Pyhäkero – offene Wildnishütte 5,5 km 5
Sioskuru – offene Wildnis- und Reservierungshütte 7,1 km 16 + 8
Tappuri – offene Wildnishütte 2,0 km 8
Pahakuru – offene Wildnishütte 7,6 km 6
Hannukuru – offene Wildnis- und Reservierungshütten 1,5 km 16 + 24
Suaskuru – Kota / Shelter 5,2 km
Montellinmaja – Kota / Shelter 6,3 km
Nammalakuru – offene Wildnis- und Reservierungshütte 1,3 km 20 + 12
Rihmakuru – Kota / Shelter 2,9 km

Trinkwasser

Wasser ist an sich ausreichend auf der Tour vorhanden, immer wieder quert man Bäche und kleine Flüsse.

Wichtig: Das Wasser muss auf jeden Fall aufbereitet werden!

Schließlich wird das Fjell mit Rentieren bewirtschaftet und auch die Wanderer selbst können zu einer Verunreinigung des Wassers führen. So war hier 2026 z.B. eine Hütte und das Wasser mit dem Norovirus verunreinigt. Hütte und Handpumpe daneben wurden dementsprechend temporär stillgelegt.

Wie du Trinkwasser aufbereiten kannst: Outdoor-Wasserfilter: Vergleich + Tipps aus der Praxis

Tourbericht und Erfahrungen

Nach der vorherigen Tour, dem Guivi-Trail, übernachte ich bereits am Zielort im Hotel Pallas. Da der Bus erst gegen Mittag am nächsten Tag fährt, bleibt genug Zeit für ein wenig Regeneration und um den Rucksack mit der im Auto lagernden Trekkingnahrung zu bestücken.

Transfer

Einmal täglich fährt ein Bus von Pallas nach Hetta. Abfahrt ist direkt am Hoteleingang. Bis es soweit ist, sehe ich mir noch die Infotafeln am Tor zum Nationalpark an. Hier gibt es auch einen rund um die Uhr offenen Aufenthaltsraum inkl. Toilellen, Spülzeile und Zugwaage (Übernachten darf man hier aber natürlich nicht).

Mit Stöcken, Verpflegung für 5 Tage und 2l Wasser wiegt mein Rucksack 12,7 kg.

Eine Gruppe von fünf Rentieren, darunter zwei weiße und mehrere braune Tiere, liegt und steht entspannt direkt vor dem gläsernen Eingang und der Holzfassade des Pallastunturi-Besucherzentrums mit dem runden, grünen Logo des Nationalparks.

Rentiere am Pallastunturi-Besucherzentrum im Nationalpark

Ein kleines Highlight beim Warten: Rentiere beobachten – die sind hier so an Menschen gewöhnt, dass sie es sich direkt neben uns bequem machen.

Die Busfahrt ist wie gewohnt in Finnland: ein kleiner Bus, mit digitaler Namensliste der mind. 24h vorab online gebuchten Fahrgäste. Der Busfahrer ist gleichzeitig auch Lieferdienst für einen kleinen Supermarkt auf der Strecke. Man weiß sich im dünn besiedelten Land zu helfen.

Auf der Fahrt holpert es ganz schön, fast werde ich dabei Seekrank.

Der Bug eines Holzbootes ragt von links unten in das blaue, leicht wellige Wasser des Ounasjärvi-Sees, im Hintergrund erstreckt sich ein grünes, bewaldetes Seeufer unter blauem Himmel mit Schleierwolken.

mit dem Boot auf dem Ounasjärvi-See

Pünktlich angekommen gehe ich direkt zum Bootstransfer über den Ounasjärvi, der dann auch gleich mit Motorboot startet. Keine 10 min. später stehe ich schon am anderen Ufer. Wer es romantischer mag, kann auch eine Fahrt mit einem Ruderboot buchen.

Hetta – Sioskuru

Nach der Ankunft und dem Bootstransfer ist es früher Nachmittag. Durch sandigen Nadelwald, immer leicht ansteigend geht es zur ersten Wildnishütte Pyhäkero. Ein großes Gelände mit Hütte(n), Feuerstellen, Trockentoille, Handpumpe und zahlreichen guten Möglichkeiten zu zelten.

Ein schmaler Pfad aus hölzernen Planken schlängelt sich von rechts unten durch eine saftig grüne, grasbewachsene Waldlandschaft mit Birken und Nadelbäumen unter blauem Himmel.

Aufbruch in die Wildnis: Der Beginn des Hetta-Pallas-Trails im dichten Grün Lapplands.

Das Wetter ist gut, der Tag noch lang, also gehe ich den Aufstieg aufs erste Fjell der Kette an. Auf einem breit ausgetrenem (Fahr-?) Weg geht es bei moderater Steigung nach oben. Immer mehr öffnet sich der Blick weit über das Land. Im oberen Bereich und im Abstieg ist der Weg dann sehr steinig.

Ein weiter, flach ansteigender und von grauen Felsen und Flechten geprägter Fjell-Gipfel, auf dessen Kuppe zwei hölzerne Markierungspfähle mit Kreuzen vor einer großen, weißen Wolke am blauen Himmel stehen.

Der Gipfel des Pyhäkero öffnet den Blick weit über die endlose Fjäll-Landschaft

Die meisten Stellplätze rund um die Hütte Sioskuru liegen direkt am Bach. Kurze Wege zum Wasser, für die Nacht sind aber natürlich Ohrstöpsel angesagt.

Insgesamt waren bisher kaum Wanderer zu sehen, ich hätte mit viel mehr Begegnungen auf diesem bekannten Weg gerechnet.

Sioskuru – Suaskuru

Langsam kann ich mein Wetterglück tatsächlich kaum fassen – bereits auf dem Karhunkierros und im Kevo-Gebiet hatte ich kaum Regen, und auch heute sieht es wieder gut aus. Auch wenn es sich langsam verschlechtern soll.

Noch ein kurzer Blick zurück zur malerisch gelegenen Sioskuru-Hütte wo sich andere Wanderer gerade erst den Schlaf aus den Augen reiben.

Eine kleine Holzbrücke führt im Vordergrund über einen schmalen Bach hin zu einem von Fjäll-Birken umgebenen Hang, auf dem eine dunkle Wildnishütte aus Holz mit einer Veranda sowie zwei Nebengebäude stehen.

Blick über den Bachlauf auf die Sioskuru-Hütten

Auf leichten Wegen geht es immer ein wenig auf und ab. Mal oberhalb der Baumgrenze im Fjell, mal kurz in ein bewaldetes Tal hinab.

Auch heute treffe ich erst kurz vor Etappenziel auf die ersten anderen Wanderer. Während sich der Himmel jetzt doch recht schnell zuzieht erreiche ich am frühen Nachmittag nach einigem „Steingehatsche“ die Wilderness Hut Suaskuru.

Ein kleiner, flacher Wassertümpel liegt inmitten einer gras- und moosbewachsenen Fjell-Hochebene im Vordergrund, dahinter erstreckt sich eine weite, bewaldete Ebene mit fernen Seen und Hügeln unter einem dicht bewölkten, bläulichen Himmel.

Moorsee auf dem Fjell zwischen Sioskuru und Suaskuru

Gute Flächen zum Zelten sind hier eher rar, etwas oberhalb finde ich aber eine Feuerstelle, 1-2 Zelte finden hier gerade so Platz. Direkt neben der Hütte ist dann noch Platz für ein weiteres Zelt. Ich fülle an der nahen Quelle noch die Wasservorräte auf und nach ein wenig Körperhygiene beginnt es auch schon zu regnen – für 3 Stunden…

Macht nichts, es war ja schon eine schöne Etappe. Ich mache mir einen gemütlichen Nachmittag im Zelt und schreibe diese Notizen.

Im strömenden Regen kommen dann noch ein paar Wanderer an und es wird tatsächlich schon bei drei Zelten eng auf den wenigen geeigneten Stellplätzen.

Suaskuru – Rihmakuru – Pallas

Nach dem kurzen Tourentag gestern bin ich gut erholt und das Wetter macht schon früh morgens Lust auf den Tag. Also geht es wieder sehr früh los.

Gegen Mittag soll es wieder regnen, daher will ich bis dahin auf jeden Fall die Schützhütte Nammalakuru Kuivakäymälä oder die Rihmakuru Kota erreichen.

Ich komme gut voran. Bei herrlichen Ausblicken geht es schnell von einem auf das nächste Fjell.

Ein ausgetretener, steiniger Erdweg führt im Vordergrund an windschiefen Fjäll-Birken vorbei hin zu einer urigen, dunkelbraunen Blockhütte mit Satteldach und zwei markanten Schornsteinen vor einem bewölkten Himmel.

Pahakuru-Wildnishütte inmitten der Fjell-Landschaft

Auf dem letztem Abschnitt vor der Rihmakuru Kota zieht das Wetter dann zu, der Wind frischt deutlich auf und erste Regenschauer ziehen übers Fjell. Ich erreiche gerade noch rechtszeitig vor dem großen Regenguß die Kota und lege hier wie geplant eine längere Mittagspause ein.

Das kreisrunde, hölzerne Innere der Rihmakuru-Kota mit umlaufenden Holzbänken und einem zentralen gusseisernen Holzofen mit langem Ofenrohr vor einem kleinen Fenster.

Wohlfühlatmosphäre in der Rihmakuru-Kota

Zwei finnische Wanderer gesellen sich noch zu mir und wir unterhalten uns prächtig über die Tour und die tollen Möglichkeiten für Trekkingtouren in Finnland.

Nach knapp 2h klart das Wetter wieder auf und ich beschließe den Tag zu nutzen und bis nach Pallas weiterzugehen. Ein langer Tag, aber die nächsten Tage versprechen kein wirklich schönes Wetter zum Wandern.

Während im Tal 8 m/s Windgeschwindigkeit herrschen, dürfte es am Sattel dann durch den Düseneffekt in etwa das Doppelte gewesen sein, also eher Windstärke 7-8. Auswirkung aufs Wandern: Das Gehen wird spürbar erschwert, der Wind pfeift lautstark übers Fjell und um die Kapuze. Die gefühlte Temperatur (Windchill) lag knapp am Gefrierpunkt. Mit anderen Wandern unterhalten ging kaum noch, wir mussten uns schon eher anschreien um uns zu verstehen.

Ein steiler, von grauen Steinen und kargem Gras geprägter Fjell-Hang unter dichten Wolken, an dessen rechtem oberen Rand hölzerne Wegmarkierungen stehen und der links den Blick in ein tief liegendes, weites Tal mit Seen freigibt.

Blick beim Aufstieg über die weite, steinige Tundra Lapplands

Aber auch das macht die Touren ja so schön – einfach die Natur erleben, mit allem was sie zu bieten hat. Ich muss mich wirklich mal damit beschäftigen wie man Wind auch ohne Stativ in karger Landschaft einfangen kann…

Wie erwartet ist der Abstieg vom Sattel nach Pallas dann wieder sehr gut ausgebaut, schließlich ist dieser Abschnitt Teil von mehreren Rundwanderungen für Tagesausflüge rund um Pallas auf die Gipfel Taivaskero (809 m) und Laukukero (762 m).

Ein modernes, eingeschossiges Gebäude mit Holzfassade, ansteigendem Pultdach und großen Glasfronten unter einem dramatisch bewölkten Himmel, umgeben von Schotterwegen, Steinen und einzelnen Nadelbäumen.

Pallastunturi-Besucherzentrum im Nationalpark

Was für ein toller Tag zum Abschluss der Tour.

Fazit: abwechslungsreiches Trekking in Finnisch-Lappland

Die Hetta-Pallas-Tour ist eine abwechslungsreiche Trekkingroute durch die Fjälllandschaft Finnisch-Lapplands – mit einsamen Hütten, weiten Panoramen und anspruchsvollen Anstiegen. Wer mehrtägige Trekkingtouren liebt und Lappland abseits großer Menschenmengen erleben möchte, findet auf dieser Route ein echtes Highlight.

Die Hauptsaison für Hetta-Pallas ist der farbenfrohe Herbst, wenn sich die Fjälllandschaft in ein leuchtendes Farbenmeer verwandelt. Im Sommer ist dagegen selbst mitten in der Ferienzeit überraschend wenig los.

Wer nach der Tour noch nicht genug hat, kann das Trekking auf dem Pallas-Yllästunturi-Trail über weitere 69 Kilometer nach Süden bis Ylläs verlängern.