Nortik Fold 4.2 im Praxistest

Nortik Fold 4.2

Ein Faltboot mit kurzer Aufbauzeit sollte es sein. Stabil auf dem Wasser, für Tagestouren und mehrtägige Touren geeignet und trotzdem schnell auf- und abzubauen? Es ist das Nortik Fold 4.2 geworden. Ein Praxistest mit den ersten Erfahrungen von Aufbau, Paddeln, Transport und Abbau.

Bootsbeschreibung

Das Nortik Fold hat seinen Namen von seinen Hauptmerkmalen. Zum einen ist es im wahrsten Sinne faltbar. Es besteht im Wesentlichen aus einer einzigen Nortilen-Platte mit vorgefalzen Faltstellen. Zum anderen ist es 420 cm, also 4,2m, lang.

Lieferumfang

  • Bootsplatte inkl. Decksbeleinung (Gummischnüre)
  • 4 Spannten
  • 2 Kederschienen
  • Sitz
  • Fußstützen
  • Packsack

Technische Daten

Aufbauzeit: 3-5 Minuten
Länge: 420 cm
Breite: 64 cm
Gewicht: ca. 16 kg
Maximale Zuladung: 130 kg
Material: nortilen
Packmaß: 92 x 30 x 74 cm

Quelle: faltboot.de

Zubehör

Anfangs habe ich zum Nortik Fold 4.2 noch ein 220cm Paddel von meinem Packraft verwendetnin dann aber schnell zum 2teiligen Fiberglass Paddel mit 230cm von Nortik gewechselt. Der Pack- und Tragesack ist beim Boot dabei und ist ausreichend robust. Das Tragesystem hat leider nur Schultergurte, ein Beckengurt hätte hier den Tragekomfort deutlich erhöht.

Nortik Fold Erfahrungen

Auf- und Abbau des Nortik Fold 4.2

Zugegeben, beim ersten Mal war es gar nicht so einfach. Die Kederschienen sind etwas schwergängig gewesen die Sortierung der Spanten war nicht selbsterklärend und jeder Blick in die Anleitung verlängerte die Aufbauzeit. Mit ein wenig Übung geht der Aufbau aber tatsächlich in nur 5 min.

Nach einigen Touren hier ein paar Erfahrungen die den Aufbau erleichtern:

  • markiere Dir die Spanten z.B. mit farbigen Klebepunkten um sie auf Anhieb richtig zuordnen zu können
  • drücke die Faltstellen über die ganze Bootslänge in die richtige Knickposition (machmal sind sie zunächst in die falsche Richtung ausgebeult)
  • setze die Fußstützen noch vor dem Zusammenbau ein, auch hier kannst Du Dir die Position mit Klebepunkten markieren
  • tauche die Kederschienen vor dem Einbau komplett ins Wasser – so geht das Einschieben viel einfacher als Trocken
  • Setze den Unterboden und den Sitz noch vor dem finalen Verschließen ein und führe den bugseitigen Spanngurt des Sitzes unter dem Spant durch. Wenn der Spannt erstmal fest verbaut ist kannst Du den Gurt nicht mehr unten ihm durchführen.

Beim Abbau ist vor allem das Ineinanderfalten von Bug- und Heck kritisch. Hier muss man darauf achten die beiden Teile nicht aufeinander sondern nebeneinander einzufalten.

Paddeln des Origamibootes

Für mich war es als Anfänger ideal. Das Faltboot liegt gut im Wasser und behält erstaunlich gut die Spur. Im ersten Einsatz auf einem See über 2km erreichte ich ohne große Anstrengung eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 4,5 km/h, mit etwas mehr Zug waren 5,5 km/h, mit etwas besserer Paddeltechnik sind aber auch mehr als 7 km/h kein Problem. Was soll ich sagen – Es macht einfach Spaß es zu paddeln.

Hier könnt ihr das Nortik Fold 4.2 im Einsatz sehen:

 

Gepäcktransport

Das Nortik Fold 4.2 wird nicht als Tourenboot beworben, hat aber zumindest eine Decksbeleinung für leichtes Tagesgepäck. In Bug- und Heck ist zudem ausreichend Platz für leichtes Gepäck so dass ich es auch für mehrtägige Touren eingesetzt habe. Nur wenn man das Gepäck aus dem Heck separat umtragen will ist es vielleicht etwas umständlich erst den Sitz lösen zu müssen. Die Tragetasche selbst nimmt allerdings auch schon einiges an Raum ein.

Umtragen

Durch das niedrige Bootsgewicht lässt sich das Fold sehr gut umtragen. Für längere Umtragestellen nutze ich einen Seekajak-Bootswagen (ECKLA-ATLANTIC 200) der auf dem Wasser mit der Deckbeleinung super einfach auf dem Heck befestigt werden kann.

Beim Herausheben und Einsetzen des Nortik Fold aus dem Wasser sollte man aber ein paar Kleinigkeiten beachten:

  • die Neoprenkappen sollten nicht zu oft an Fels anstoßen, sie können sonst aufreißen (Info: das aktuelle Modell hat statt der Neoprenkappen stabilere Gummi(?)-Kappen bekommen)
  • wenn man an den Haltegriffen zieht kann es sein dass man die Kederschienen herauszieht bzw. die Neoprenkappe stark spannt

Am Einfachsten ist es natürlich wenn Du das Boot mit Deinem Tourenpartner ein- und aussetzt. Sollten die Neoprenkappen doch mal Schaden genommen haben kann man sie mit Neoprenkleber ausbessern. Im schlimmsten Fall kannst Du bei outtrade Austauschkappen erhalten. (Sind nicht im Online-Katalog; einfach anrufen oder eine Mail senden)

Grundberührung

Auf Touren kommt es unweigerlich auch mal zu leichten Grundberührungen – vor allem in einem Sommer wie 2018 mit langanhaltendem Niedrigwasser. Das steckt das Nortik Fold aber sehr gut weg. Klar sieht der Boden nicht mehr Fabrikneu aus, aber wirkliche Schäden hat es nicht genommen. Wer auf Nummer sicher gehen will kann den Boden natürlich auch mit KealEazy zusätzlich schützen.

Transport

Ein Faltboot soll vor allem eines sein – mobil einsetzbar. Das ist es. Aber Du musst Dir auch darüber im klaren sein, dass die Platte eines 4,2m langen Bootes auch im gefalteten Zustand noch sehr groß ist. Auch das Eigengewicht will ohne Hüftgurt erst mal getragen werden. Für kurze Strecken kann man aber den Packsack auch mal Schultern.

Nortik Fold im Kofferraum

Das Nortik Fold im Kofferraum eines Audi A4

Fazit: Faltboot mit Festboot-Feeling

Ein tolles Boot. Gerade das schnelle Auf- und Abbauen macht einfach Lust es häufig zu benutzen. Ob am Feierabend mal schnell auf den See oder für eine Wochenendtour mit Gepäck. Als Expeditionsboot taugt es sicher nicht, aber dafür ist es ja auch nicht gemacht. Die Fahreigenschaften sind fast schon mit denen eines Festbootes vergleichbar.

Als Tourenboot habe ich das Nortik Fold 4.2 u.a. schon auf der Altmühl und der Naab verwendet.

Den heutigen Preis von ca. 1.600€ (Stand 03/2022) finde ich für ein Freizeitboot allerdings schon sehr hoch.

 

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