Ortlieb Handlebar, Framepack und Seat-Pack im Praxistest

Ortlieb Bikepacking Taschen

Bikepacking-Taschen von Ortlieb. Der bekannte Radreise-Taschenhersteller bietet auch Taschen für´s Bikepacking an. Ich habe Handlebar, Frame -und Seat-Pack in der Praxis getestet.

Ortlieb-Bikepacking Taschen

Die Ortlieb-Bikepacking-Serie ist nicht die erste Serie an Bikepacking-Taschen, Vorreiter waren hier andere. Was Ortlieb aber ausmacht sind wasserdichte, robuste Taschen Made in Germany. Damit ist auch schon die „Gattung“ der Taschen erklärt: Im Gegensatz zu Holstersystemen mit entnehmbaren Packsäcken sind die Packtaschen von Ortlieb selbst wasserdicht was auf der einen Seite Vorteil ist, auf der anderen Seite das Be- und Entladen bei Regen zum Risiko macht. Alternativ können die Taschen demontiert und mit ins Zelt genommen oder zusätzliche wasserdichte Packsäcke verwendet werden (was dann wieder ins Gewicht geht).

Ich selbst habe mir Handlebar, Seat-Pack und Frame-Pack Toptube aus der „Limited Black Edition“ – Serie genauer angesehen. Die orangen Elemente der Standard-Serie hätten sich farblich zu sehr mit meinem Rad gebissen.

TascheVolumenGewichtGewicht/VolumenPreis
Handlebar9l375g42g/l99,-€
Seat-Pack8-16,5l456g27g/l140,-€
Frame-Pack Toptube4l165g41g/l85,-€

(Gewicht und Volumen: Herstellerangaben)

Allgemeine Vor- und Nachteile des Systems:

  • wasserdicht
  • robust
  • reflektierende Elemente (Beschriftung, bei Front- und Seat-Taschen Reflektoren)
  • stabile Befestigung am Rad
  • Be- und Entladen bei Regen mit Risiko (hier sind Holstersysteme praktikabler)

Beim Gewicht fällt es mir ausnahmsweise schwer mir eine Meinung zu bilden. Zu unterschiedlich sind die verschiedenen Bikepacking-Taschensysteme. Wenn man am Ende als Vergleich wasserdichte Gesamtsysteme (ggf. also bei anderen Herstellern mit zusätzlichen wasserdichten Packtaschen) berücksichtigt liegen die Taschen wohl im Mittelfeld)

Preislich liegen die Taschen im Mittelfeld.

Handlebar-Pack

Beim Bikepacking werden oft Handlebars für leichte Ausrüstung verwendet. Ortlieb hat sich hier für die Variante entschieden die Handlebar selbst wasserdicht auszuführen und beiden Seiten einen Rollverschluss zu gönnen. Damit die Kabelführung am Lenker nicht zu sehr gestört wird liegen der Tasche Abstandshalter für die Lenker- und Steuerrohrbefestigung bei.

In der Praxis, oder besser gesagt noch vor der tatsächlichen Tourenpraxis (nach der „Trockenmontage“ gingt die Tasche leider ohne Einsatz zurück), überzeugt mich die Handlebar-Pack in der Handhabung mit einem Dropbar-Lenker aber nicht. Man kommt schlicht nicht an den Inhalt und die stabile Befestigung jedes Mal komplett lösen zu müssen ist einfach nicht praktikabel. Damit man die Tasche überhaupt mit geraden Drops wie bei einem RR-Lenker nutzen zu können reduziert sich das Volumen dann auch noch auf magere 7l. Da stimmt dann das Preis- /Leistungsverhältnis für mich nicht mehr.

Bei Mountainbike-Lenkern sieht das aber sicher anders aus, hier kann man sogar zur größeren 15l-Variante greifen.

  • 2 Größen für verschiedene Lenkerarten (9-15l)
  • sehr stabile Befestigung
  • Abstandshalter (Kabelführung, Bewegungsfreiheit des Lenkers)
  • Spannriemen an Steuerrohr zur Lastkontrolle in 3 Positionen montierbar
  • schlechter Zugriff bei Dropbars (auch bei 9l-Version)
  • eingeschränktes Volumen bei geraden Dropbars (dann nur noch mit ca. 7l befüllbar)

Als Alternative für mein Gravelbike werde ich mich nach einer Harness-Handlebar umsehen bei der man den Packsack komplett aus dem Holster entnehmen kann. (Ortlieb selbst hat leider keine Holster-Lösung im Angebot)

Seat-Pack

Das Ortlieb Seat-Pack hat mich bisher absolut überzeugt. Ich hatte mich bewusst für ein Seat-Pack mit zwei Riemen an der Sattelstütze entschieden um zu starkes Pendeln im Wiegetritt zu vermeiden. Und was soll ich sagen – Ich merke während der Fahrt überhaupt nicht dass ich eine so große Satteltasche am Rad habe. Anfangs habe ich mich immer wieder dabei ertappt dass ich mit einem Griff nach hintern während der Fahrt geprüft habe ob sie noch da ist.

Bei den Schnallen hat Ortlieb gut mitgedacht, so sind die Steckverschlüsse der Riemen für die Befestigung am Sattel in einer anderen Größe als die Verschlüsse der Spannriemen zum Verschluß der Tasche ausgeführt. Ein kleines aber praktisches Detail das die Verwechslungsgefahr eliminiert.

Die Gummikordel auf der Oberseite hat sich in der Praxis ebenfalls als sehr praktikabel erwiesen. Hier kann man alles was man jederzeit wieder brauchen könnte schnell wegpacken und festspannen. Bisher habe ich dabei noch nichts verloren.

  • bombenfester Sitz (wenig Pendeln)
  • unterschiedliche Steckverschlüsse verhindern Fehlmontage
  • Gummikordel auf Oberseite mit Spannoption
  • Kompresssionsmöglichkeit mittels Ventil
  • schwergängiges Luftablassventil

Frame-Pack Toptube

Fast wäre auch das Frame-Pack direkt wieder zurückgegangen. Grund dafür sind die unpraktisch angebrachten Klettverschlüsse am Oberrohr. An einem flachen Carbonrahmen stehen die Enden der Klettverschlüsse ab so dass man beim Fahren immer wieder mit den Beinen an den Enden entlang streift. Das nervt, kann man aber mit selbst angebrachten Klett-Verschlüssen vermeiden. Bei dem Preis natürlich trotzdem ärgerlich. Bei meinem Trekkingrad mir einem runden Rohr gibt es das Problem nicht.

Im Toureinsatz ist das Frame-Pack aber einfach praktisch, wasserdicht und robust und ist genau das richtige für alles was man während der Tour im schnellen Zugriff haben will. (Werkzeug, Smartphone, Kamera, Luftpumpe, Tagesverpflegung, Erste-Hilfe Set,…)

  • variable Befestigungsmöglichkeiten durch flache Daisy-Chains
  • guter Zugriff über die ganze Länge
  • Klett-Verschluss bei breitem Rahmen (z.B. Cyclocross-Rahmen) mit offenen Enden
  • schlechter Zugriff auf Flaschen (ggf. Flaschenhalter mit seitlichem Zugriff verwenden, ist aber nicht Ortlieb-spezifisch)

Generell muß man beim Einsatz einer Toptube-Rahmentasche beachten dass man dadurch einen schlechteren Zugriff auf die Flaschen hat. Abhilfe schaffen Flaschenhalter mit seitlichem Zugriff. Wer viel schwere Ausrüstung transportiert sollte aber besser gleich zu einer großen Rahmentasche und einer Wasserblase umsteigen. So lässt sich das Volumen im Rahmen noch besser nutzen.

Fazit

Ortlieb bleibt sich auch in der Bikepacking-Serie treu: robust und wasserdicht. Ob ein Holstersystem fürs Bikepacking für Handelbar und Seat-Bag in der Praxis besser geeignet wäre? Mir fehlt der Praxis-Vergleich, aber zumindest in der Verbindung von Handlebar und Dropbar dürfte ein Holstersystem besser geeignet sein. Insgesamt halten die Taschen, mit kleinen Schwachpunkten die man meistern kann, was sie versprechen. Auch wenn der Preis für so ein Bikepacking-Taschenset durchaus stolz ist. Das ist aber auch bei vergleichbaren Taschen anderer Hersteller so – Ortlieb liegt hier bei den Markenherstellern im Mittelfeld.